Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)
30 und dick. Erst sieht und hört, sagt man, der Bergmann eine große Fliege brausen, welche sich sodann in die beschriebene Geistergestalt verwandelt. Gehen wir nun der Rache auf den Grund, so finden wir, daß, nachdem unter der Erde, und in unterirdischen Höhlen nnd Bergwerken sich allerlei Dünste sammeln, die zuweilen sich auch entzünden, oder als hin und her schwankendes Flämmchen leuchten — (so wie die Irrwische auf der Oberfläche der Erde) halbberauschte Bergleute (denn nur solche sehen das Männchen) leicht Allerlei zu erblicken glauben, was nur in ihrer Einbildungskraft vorhanden ist. Eben so natürlich ist es aber auch, daß eine Sache, während sie von Munde zu Munde geht, immer noch durch Zusätze aller Art entstellt wird. Der fliegende Drache ist ebenfalls, wie bekannt, eine leuchtende Lufterschcinung, die, meist in der Abendzeit nach einem schwülen Sommcrtage in der niedern Athmo- sphäre zum Vorschein kömmt und sich dann gewöhnlich am Rauchfange, durch dessen brennbare Theile im Junern an> gezogen, hinziehen, auch wohl öfters eine kleine Zeit über denselben verweilen — galt und gilt nicht selten bei dem gemeinen Manne für.den Teufel in sichtbarer Gestalt. — War man auf der Reise und gewahrte ihn am Himmel, so mußte man eilends ein Wagenrad abziehen und es verkehrt anstecken, wenn man nicht Unglück haben wollte. Man beschrieb ihn deutlich und hatte Abbildungen von ihm. Er hatte einen gewaltigen feurigen Rachen, große leuchtende Augen, eine weit vorgestreckte feurige Zunge, spitzige große Zähne, Schweinsohren und Borsten, dabei die Gestalt eines Fisches. Denjenigen, die mit ihm gut standen, brachte er Würste und Eier durch den Schornstein. Wo er aber hinekn- fiog, da war es nicht richtig, da wohnte eine Hexe und die mußte verbrannt werden. So gab man aber auch fast allen übrigen Naturerscheinungen «ine abergläubische Deutung. D ie feurigen Kugeln bedeuteten Pest und Krieg. — Die Sternschnuppen bedeuteten den Tod eines KindesDie Irrwische (feurige Männer) locken, sagte man, den Wanderer vom rechten Wege ab, führen ihn in Gruben, Sümpfe — ganz natürlich, weil sie da, als an ihrem Ent- stehungsplatze zu Hause sind, und der müde Wanderer, der sie als Zeichen naher Wohnungen ansteht, sehnsuchtsvoll -er vermeintlichen Herberge zueilt. A us den prachtvollen Farben des Nordlichts machte «an Meere von Blut, zertretene Getreidefelder, ganze Kriegsheere mit Schwertern und Spießen. — Vom Regen bogen ward gesagt und geglaubt, daß das Regenwvffer, welches herabfiel, während er am Himmel sichlbar war, gegen alle Krankheiten helfe. Hinsichtlich der Gewitter glaubte man, das Einschlagen entstehe vermittelst eines Donnerkeils, von denen man mehrere wollte gefunden haben, nnd sogar früher kn Naturaliensammlungen aufbewahrte. — Es sind, wie man jetzt gewiß weiß. Etreitkolben aus uralter Zeit, die, weil sie bisweilen ziemlich tief ln der Erde liegen, eben dadurch auf die enorme Gewalt, mit welcher sie aus der Luft herabgeschleudert wurden, hinzudeuten schienen. Wer nun einen solchen Donnerkeil, sagte man, im Hause hat, oder bei sich trägt, sei sicher vor dem Blitz, und wenn man den Kühen die Euter damit bestreicht, so bekämen sie die durch Zauberet verlorne Milch wieder. Sie schwitzten bei Veränderungen des Wetters, und wenn es donnert, bewegten sie sich, wenn sie in der freien Luft auf einem Stein lägen. Ein dicht um sie gewickelter Faden sei vor dem Verbrennen geschützt, und an einem andern Stein gerieben, röche der Donnerkeil nach Schwefel. Das Holz eines Baumes, der, vom Blitze getroffen, zersplitterte, soll die Eigenschaft haben, Zahnschmerzen zu heilen. B ei Gewittern hielt man sich vor dem Einschlagen sicher, wenn Feuer im Ofen oder Licht auf dem Tische brannte. Ein Haus, welches durch den Blitz in Flammen gerieth, konnte nur mit Milch gelöscht werden. Als man die ersten Gewitterableiter anbrachte, hieß es allgemein, es sei frevelhaft, sich den Strafgerichten Gottes zu widersetzen. In der Gegend, wo ein Selbstmörder begraben lag, that das Gewitter Schaden. Sonnen, und Mondesfinsternisse mußten einst große Bestürzung unter den Menschen erregen, da man noch nicht wußte, nicht ahnete, daß sie in dem Loufe und der gegenseitigen Stellung der Himmelskörper ihren natürlichen Grund haben nnd ihr jedesmaliges Wiedcreintreten sich im Voraus genau berechnen und bestimmen lasse. Noch als im Jahre 1654 den 2. August eine große Sonnenfinsterniß statt fand, wurden die Einwohner von Nürnberg in die größte Angst und Unruhe versetzt; denn sie hielten sie für eine Anzeige und Folge der Blindheit des menschlichen Herzens, für ein Vorbild des nahen Todes aller Creaturen und für den schrecklichen Herold des bald einbrechenden letzten Gerichts. — Man kaufte und verkaufte nichts auf öffentliche« Markte; kein Vieh wurde — was auch jetzt noch hie nnd da geschieht— aus die Weide getrieben; Alle offenen Brunnen wurden zugedeckt, weil man glaubte, eS falle Gift «»< der Luft, und aus Furcht vor dem Tod« oder vielmehr in gewisser Gewärrigung desselben eommunieirtrn eine Menge der Gläubigen in allen Kirchen. Man bildete sich ein, daß sich daS Wasser bisweilen in Blut verwandle und hielt solches für die Anzeige eines bevorstehenden blutigen Krieges, wodurch dann freilich »ft eine ganze Gegend in Angst nnd Furcht gesetzt wurde, tiS man endlich fand, daß gewisse rothe Jnfektchen, die «an Wasserflöhe nennt, sich so sehr vermehrt und in so unge- heurer Anzahl sich auf der Oberfläche deS Wassers verbreitet hatten, daß es wie Blut aussah. Auch sott es oft Steine, Frösche, Fische ic. geregnet haben, da jene blos durch große Regengüsse und Wolkenbrüche herangefchwemmt und an manchen Orten aufgehäust wurden und diese nach einem warmen Regen häufiger als sonst zum Vorschein kamen. So wollte man am Himmel oft Türkenköpfe, feurige Geißeln, Spirßeund Schwerter u. dgi. eben-