Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

29 Folgende Geschichte zeigt, wie man oft bi« Einfalt und Leichtgläubigkeit recht methodisch Hinterging, und um das Ihrige betrog. In einem gewissen Dorfe wohnte ein wohlhabender, aber herzlich einfältiger Bauer. Einst, da er fit der Schenke «ar, wurde von dem Teufel, seinen Hörnern, Klauen rc. viel geredet, er glaubte Alles, und gerieth darüber so in Furcht, daß er nicht allein nach Hause gehen wollte. Ein Paar abgefeimte Burschen suchten sich sofort seine Einfalt zu Nutze zu machen: Der Eine verkleidete sich, wie der Teufel in der Schenke war beschrleven worden, und kam des Nachts vor des Bauers Thür, kratzte daran, und brüllte durch ein altes Horn, daß es fürchterlich anzuhvren war. Alle, die im Hause waren, erwachten, und zitterten und bebten. Der erschrockene Bouer lief selbst an's Fenster hin; da er aber die gräßliche Gestalt sah, schrie er: Ach, der Böse leibhaftig! und schlug das Fenster geschwind zu. Drei Nächte trieb der verkappte Teufel sein böses Spiel, bis der abergläubische Bauer sich auf den Weg nach dem Kapuziner-Kloster machte, den vermeintlichen Teufel bannen zu lassen. Die Betrüger erfuhren das bald: der Eine be­gegnet dem Bauer wie von ohngcfähr, stellt sich, als wisse er von nichts, und verspricht gegen eine gewisse Summe Geldes den Teufel zu bannen. Wer war froher, als der einfältige Mann! gleich kehrt er mit dsiesem um, ihn die Rächt in seinem Hause zu behalten. An die Thür werden drei Kreuze gemacht; aber um 11 Uhr kommt der Teufel, und brüllt und kratzt wie sonst. Da that der Kerl, als mur­melte er Worte her, machte dann die Thür plötzlich auf, und peitschte auf den Teufel Schlag auf Schlag, und jagte ihn mit großem Geschrei fort. Ach wie bedankte sich der Dauer, und wie gern gab er das versprochene Geld. — Doch die Regierung erfuhr's, und ließ den Einen in feinem Teufelshabit einige Tage an den Pranger stellen; Beide aber einige Zeit auf die Festung bringen. Ein Paar andere Geschichten, die da bewei­sen, welche himmelschreiende Sünde man, durch Aberglaube und Gespensterfurcht be­thört, an einem Menschenleben verüben kann. Ein Bettler kommt im Winter Abends spät, halb er­froren in ein Dorf, und geht, da er das Schulhaus noch offen findet, hinein, um über Nacht darin zu bleiben. Des Morgens finden ihn die Kinder erstarrt, machen ein Ge­schrei und laufen davon. Er wird bei Seite gelegt und so­fort des AbendS begraben. In der darauf folgenden Nacht hört der Nachtwächter ein Pochen im Grabe des Bettlers und eine klägliche Stimme. Er meldet es dem Schulzen, findet aber kein Gehör. Der Nachtwächter hört dann wieder im Grabe ein dumpfes Geräusch, und seufzende Töne, und thut dem Schulzen abermals dringende Vorstellungen. Der Schulze geht früh zu dem Oberamtmann, der in einem andern Ort wohnte, um Verhaltungsbefehle einzuholen, und da dieser noch schläft, sagt er nichts, bis er ausgestan- den war. Man öffnet das Grab, Himmel, welch ein An­blick ! Der Bettler war wieder aufgelebt und dann wirklich gestorben. Alle standen erstarrt da; dem Schulzen gings durch alle Adern, er erkannte, wiewohl zn spät, seinen dum­men Aberglauben von Gespenstern, und wußte sich mit wei­ter nichts, als mit einem: das hätt ich nicht gedacht! z» entschuldigen. Einst fährt die Postkutsche mit Reisenden des Abends auS M. Bei schlechtem Wetter, sehr üblem Wege und einer ganz finstern Nacht verirrt sich der Postknecht, und kommt an ein Wasser, das er nicht kennt, das aber nicht weit von einem Dorfe entfernt ist. Unbekannt mit dafigen Wegen, und getäuscht von der Finsterniß, wirft er von einer An­höhe den Wagen um, und die Reisenden fallen in einen Sumpf von Thon und Lehm. Der Postknecht kommt unter die Pferde zn liegen, und kann sich nicht losarbeiten. Alle rufen um Hülfe und erheben ein jämmerliches Geschrei. In dem nahen Dorfe hört man die Stimmen dieser Unglück­lichen. Einer, der Einwohner, der vor der Thür seines Hauses steht, und das Geschrei zuerst vernimmt, ruft seine Nachbarn, um das Winseln mit anzuhören. Verschiedene Leute kommen in dieser Absicht zusammen, und hören dem kläglichen Rufen zu. Aber keiner will hingehen an den Ort; denn ihrer Meinung nach, verursachten die Nixen dieses Winseln, um dadurch Jemand herbeizulocken, und ihn dann unter's Wasser zu ziehen. Sie bleiben daher bei dem Rufen der Nothleidenden taub, gehen in ihreHäuser und legen sich zu Bette. Den andern Tag kommt ein Hirt an den Ort, und erblickt den erbarmungswrüdigsten Schauplatz des Jammers und Elends. Der Postknecht und drei von den Reisenden waren vor Kälte und Nässe in dem Sumpf um­gekommen, und er sah. die Merkmale der traurigen, aber vergeblich angewandten Bemühungen sich zu retten. An zwei andern bemerkte er noch schwache Zeichen des Lebens. Einer öffnete die Augen nochmals, und schloß sie dann in dem Au­genblick aus ewig. — WaS man von Kobolden, fliegenden Drachen, rc. fabelt. Der Kobold, war nach der gemeinen Meinung eine Art von Teufel, den ein Mensch, nach dem er mit dem Haupt- teufel in Verbindung getreten, oft aber auch ganz wider Willen in dieser oder jener Gestalt in sein Haus bekomme, und dessen er dann nicht leicht wieder los werden könne. — Diele Abergläubige hörten den Kobold pfeifen, lachen, fühlten Steine — von ihm geworfen — sich um den Kopf stiegen und wenn sie fragten: Hännschen! wo bist du? — so antwortete er: Hier! — Hännschen! wie heißt du? — Hanns! — Am Ende entdeckte es sich, daß die verbuhlte Magd, um ungestörter zu fein, oder der Knecht, um sicherer zu stehlen, die Ursache des ganzen Spuckcs war. Andere Betrüger, als sie entdeckt wurden, gestanden, daß sie bei dem Koboldspiel blos die Absicht gehabt, das ganze Haus in Furcht zu setzen, oder durch Bannen und Ver­treiben des Kobolds etwas zu verdienen, oder auch nur, um Andern einen bösen Namen zu machen. D as Bergm ä n n ch en erscheint den Bergleuten in den Gruben, und zwar in der Gestalt eines Zwerges, klein

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