Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

rs Ha! wie ferne Blitze Flamml'6 dort überm Berg. Auf von seinem Sitze Fährt der Kommandant: „Gott hat es gewandt „Das sind gute Zeichen! M orgen! o brich an, Morgen ohne Gleichen! Gottes Trost ist öq, Sobieski nah! * — Sekt dem Türkensturme Trug der Srahremberg Von dem Stephansthurme Frank im Wappenschild Das erhabne Bild. 7. Das letzte Viertel. Auf dem Stepansthurme befindet sich ein großes Uhrwerk, das jedoch nur Stunden schlägt; die Viertel werden von den Wächtern mittelst eines Drathzuges amPrimglöckel angeschlagen, bis auf das letzte, das schlagen sie nicht an. A ls zum letzten Male, so geht die Sage, Wien von den Türken belagert wurde, da erscholl die Nachricht, der Feind habe geschworen, beim Barte Muhameds, er wolle die Stadt inne haben, bevor noch die Uhr das letzte Vier­tel töne. Sogleich unterließ man, das letzte Viertel anzu- schlagen, und die Stadt blieb unerobcrt. Solchem Erckgniß zum Gedächtniß wurde fortan das Anschlvgen bié letzten Viertels für immer unterlassen. Das geschah im Jahre 1683. Einiges über die unter dem Volke noch hie und da herr­schenden abergläubigen Meinungen, welche .indem sie einer­seits den Menschen — freilich in der Regel auch nur den einfältigen und leichtgläubigen in Furcht und Schrecken setzen, andererseits oft zu den gröbsten Betrügereien und schädlichsten Mißbräuchen Anlaß gaben, und noch geben. Der Aberglaube lag km Mittelalter, oder welches eben so viel sagen will, ln den Zeiten der größten Unwissenheit und Barbarei gleich einem dichten Nebel auf der Mensch­heit und that sich in allen erdenklichen Formen kund. Aber such noch im 16.17. und 18., ja sogar in unferm 19. Jahr­hundert, tr ieb und treibt er iw Finstern sein Spiel oder viel- mehr höchst verderbliches Unwesen, besonders auch in reli­giösen Dingen, und es ist für jeden Geschichtsforscher und Psychologen höchst interessant, der Quelle dieser oder jener, noch jetzt zum Thcil unter dem Volke herrschenden aber­gläubischen Meinungen nachzuspüren und zu sehen, wie sich solche allmalig in dem Gehirn des gemeinen Mannes ge­bildet haben. Eine wichtige Rolle kn den Gespenster - und Versuchungs-Geschichten, so wie in der Geschichte der Zau­bereien und Hexereien aller Art, wo der Eine im Besitze eines gewissen Talismanns zu außerordentlichen Glücks­gütern gelangte, dem Andern durch Anwendung gehekmniß- voller Mittel ohne nähere Berührung, selbst in die Ferne hin, an feinem Leibe oder an feiner Habe Schaden zugefügt werden konnte — spielte von jeher der Teufel. Man glaubte nemlkch — und dieser Glaube schreibt sich aus den gelten der gröbsten Unwissenheit her — der Teufel, als ein Fürst der Finsternlß, wandle des Nachts kn verschiedenen Gestalten umher, die Menschen zu schrecken, obgleich nur die dem Menschen zum Theil angeborne, zum Theil durch Schauer» mährchen in ihm bewirkte Furchtsamkeit, besonders zur Nacht­zeit eS war, welche ihn allerlei Gespenster erblicken und wahr- nehmen ließ. — Man dachte sich ihn als einen fortwährenden Versucher zum Bösen, und fand darin ein recht erwünschteS Mittel, die Schuld und das beganene Verbrechen von sich ab, und auf ein anderes Wesen außer sich zu wälzen. — Man glaubte, den bösen Dämon durch gewisse Zaubersprüche ln seine Macht zu bekommen, und vermittelst seines Bei­standes verborgene unterirdische Schätze heben, und alle, auch die extravagantesten Wünsche, kn so ferne sie sich auf irdisches Glück und sinnlichen Genuß beziehen, befriedigen zu können. Wollte man alle Geschichtchen glauben, die man uns aus dem Gefpensterreich erzählt, so müßte alles mit Gei­stern und Schreckbildern angefüllt sein, wovon einige in Thürmen und Häusern, oder auf Kirchhöfen und GerichtS» stätten; oder in der Luft, in dem Wasser und unter der Erde anzutreffen fein würden. Die erste Art sind die häus­lichen Ruhestörer, die des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr mit dem Zinn in der Küche klappern, überall umherpoltern, und denen, die ihnen zu nahe kommen, Ohrfeigen austheileu, worauf gewöhnlich üufge sch wollene Köpfe erfolgen. Wenn man alle Geschichten oder Lügen von der Art, aus alten und neuen Zeiten, besonders die aus dem Alterthum, (denn in den neuern Zeiten, rou der menschliche Verstand anfängt reiner und aufgeklärter zu denken, sind sie wenigstens nicht mehr so häufig) aufzeichnen könnte; was für. eine ungeheure Menge würde es fein ? In den Häusern erscheinen gewöhn­lich die Personen, die ehemals darin lebten, welche noch etwas auf ihrem Herzen haben. Die alten Mütterchen hören sie seufzen und winseln; denn sie haben bei Lebzeiten ent­weder Geld verscharrt, welches sie bewahren, oder den Le­bendigen zeigen wollen; oder es geschieht ihren hkntertassene« Kindern und Fruenden Unrecht, ihr Vermächtnlß isi ver­dreht, und ibr letzter Wille unvollzogen geblieben. Oft knei­pen sie des Nachts,.werfen aus dem Bette re. der Furcht­same wagt es nicht, des Nachts auf eine Kirche oder Thurm, über einen Kirchhof oder Gerichtsstätte zn gehen: Seine Einbildungskraft wird ihm eine Schaar von Geistern und Todtengerkppen sehen lassen, und er wird sich glücklich schätzen, wenn er mit dem Leben davon kommt, und der Hals ihm nicht auf den Rücken gedrehet wird. In alten Klöstern haben Manche ihre Behausung; sie gehen als Geister, noch in ihren langen Röcken, wie sie bei Lebzeiten gingen, mit einem Bund Schlüssel an der Seite, womit sie alle Thüren öffnen. Ein andermal erscheint der Geist, so wie er (versteht sich als Leichnam) kn den Sarg gelegt wurde; und endlich läßt der Aberglaube sogar Thiere als Gespenster, oder vielmehr die Gespenster als Thlere erscheinen.

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