Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)
27 daß der Ritter sie geäfft mit diesem plumpen bäuerischen Scherze, und der Herzog schaute ungnädig drein. Beschämt und beschimpft enteilte vom Schauplatz seines Glücksfundes Herr Neidhart und kam in das nächste Dorf. Schon von weitem hörte er lustigen Gesang und Reigenklang, und als er näher kam, sah er sein Veilchen an einen Stab gebunden, um den sich Alt und Jung mit fröhlichen Sprüngen drehte. Schrecken ergriff den Bauer, der den Raub begangen; ln seinem Antlitz stand das Geständniß seiner unsaubern SchimpftHat, und Rittev Otto entbrannte vor Zorn. Er schlug den Bauer todt und ein Paar andere noch dazu. Solche Thaten sind an seinem Grabsteine abgebildet und verewigt worden. 5. Des treuen Vorlauf und seiner Gefährten Grabmal. Vor dem Eingänge zur kaiserlichen Gruft km Münster ist ein rothmarmorner Denkstein ersichtlich mit messingeingelegter Schrift. Dieser zeigt die Namen Conrad Vor lauf, Kunz Rumpersdvrfer und Hans Rock, der Erste Bürgermeister, die beiden Andern Rathsherren der Stadt Wien. D ie Herzoge Leopold und Ernst, Brüder hatten sich entzweit auf Tod und Leben um die Vormundschaft des Knaben Albrecht, nachherkgen römisch-deutschen Kaisers. An dieser Entzweiung nahm auch das Volk Äntheil, spaltete sich in zwei Parteien, und während das niedere Volk und die Handwerker zu Leopold hielten, standen der Stadtrath und die Patricier zu Herzog Ernst. Es gerkethen aber die obengenannten drei Männer in die Gewalt Herzog Leopolds, und er ließ sie alle drei hknrichten. Dies geschah im Jahr 1408. Wie die drei Todesgenossen auf dem Blutgerüste standen, umarmten sie einander zärtlich, und es griff der Nach- richter zuerst nach dem Ersten, Aeltesten, dem Rathsherren Rumpersdvrfer, da trat aber der Bürgermeister Vorlauf vor und sprach laut; „Der Vorlauf war Euer Aller Vorläufer in dieser Sache, womit wir zwar nicht meinen konnten, den Tod zu verschulden gegen Albrecht, unfern rechten Herrn, und auch setzt noch soll mein Name wahr bleiben durch die That! Euer Bürgermeister soll Euer Vorläufer sein im Tode, wie im Leben J" D amit fiel er auf die Kniee, des Todesstrekchs gewärtig, und empfahl Gott seine Seele. Starr und bebend stand der Nachrichter, und das Schwert zitterte in seiner Hand, und vermochte es nicht zu schwingen gegen den Nacken des Gerechten. Aber Vorlauf blickte nach ihm und ermahnte ihn: „Zage nicht, sondern warte deines Amtes! Ich verzeihe dir von Herzen den Streich, der mich unschuldig trifft! Führe ihn herzhaft und rafd?!" A ls die drei Männer enthauptet waren, blieben ihre Leichen noch bis gegen Abend aus dem Schaffot, dann wurden sie nach St. Stephans Friedhof gebracht. Noch heute rühmt der Grabstein ihren treuen Tod. 6. Des Stahrembergers Sitz. Auf Sankt Stephans Riesen In dem Söllergang, W ird ein Sitz gewiesen. Dem nur ehrfurchtvoll Jeder nahen soll. ' Auf dem Stephansthurme Saß Graf Sta4- remberg Bel dem Türkensturme, Auf dem Stuhl von Stein, Starren Blicks — allein. Ha, wie scharf du blicktest, Kommandant von Wien! Und zum Himmel schicktest Flammendes Gebet: „Herr! komm nicht zu fpSt!,z R ingsum lagern Heere Kara Mustapha's; R ingsum blinken Speere, Und der Türke droht Unerhörte Noch. Schlachtendonner toben. Und der Kommandant Auf dem Thurme droben Fliegt vom Sitz von Stein In die Schlachtenrekh'n. Bald im blut'gen Tanze Kämpft der Stahrember- Auf bedrohter Schanze. Muthkg allerwärts Schlägt sein Heldenherz. Bald im Feld vernichtend Mäht des Grafen Schwert; Bald auch straft er richtend. Und allenden zeigt Sr sich ungebeugt. Bald auch wieder eilt er Hoch empor zum Thurm, S pähend dort verweilt er; Ueber Stadt und Feld Blickt vom Thurm der Held. Vierzig lange Tage! Sturm erfolgt auf Sturm. Lauter wird die Klage; Armes Wien! Du bangst Ach, ln Todesangst. Flammend wie Gebete Rauscht vom Stephansthurm Hoch auf die Rakete. Und ihr Leuchten fleht: „Herr! komm nicht zu fpdt!" 4*