Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840. - Mannigfaltigkeiten

36 mit Bkänntwcin In dke Hand, zündete ihn an, und bot Ihnen an, diesen Becher voll Feuer zu trinken. Voll Schre. cken schlugen sie es aus. „Wohlan, meine Freunde," sagte er, „ich will es thun. Ihr habt ein Wunder begehrt, hier lst eins." Nun leerte er Liesen angezündeten Branntwein aNf einen Zug aus. Die Hottentotten staunten, und wur- fcn Bewunderer und Freunde der Holländer. Doppelte Luftreise ganz eigener Art. — Azakewitz, Secretär der russischen Ambassade in London, etzählt, daß, da während seines Aufenthalts bei der rus­sischen Flotte im Archipel im Jahre 1773 die türkische Flotte vor Smyrna verbrannt wurde, sich zwei Kanoniere auf dem russischen Admiralschiff befanden, als dieses ebenfalls während des Treffens Feuer fing und in die Lust sprang Die beiden Kanoniere flogen also auch in die Luft, und stürzten nicht weit von einem türkischen Schiffe ins Meer zurück. Sie wurden gerettet; man machte ste zu Gefange- uen und brachte sie in Ketten auf's Verdeck. Drei Tage nach- her wurde das Schiff, worauf sie waren, ebenfalls von den Russen in Brand gesteckt. Es ward gesprengt. Die bei­den unglücklichen Kanoniere flogen wieder in die Luft, und fielen nahe bei der russischen Flotte in's Wasser. Sie wur­den aufgefischt. Aber da jedem beide Beine durch die Fes­seln, mit denen sie angckettet gewesen, zerrissen und zer- brochen waren, mußten ihnen die Beine unter d?n Knien abgcnvmmen werden. Sie übcrftanden die Schmerzen der Amputation und lebten noch mehrere Jahre nachher. Der babilonische Thurm bau. — Derselbe sollte bekanntlich nach dem Plane Nimrod's des Großen, den Himmel erreichen. Nur bis zur Mondbahn geführt, würden 6 Planeten von der Größe und Beschaffenheit des unfern kaum hinreichen, ihn mit den nöthigen Baumaterialien zu versehen, und seine Last die Erde aus Ihrer Baku vertrau- gen. Der Bau würde zu dem einer wöchentlichen Zunahme von 5000 Fuß und 4 Millionen rühriger Arbeiter bedür­fen, um nach Vierthalbtausend Jahren beendet zu seyn, der übrigen geringem Schwierigkeiten nickt zu gedenken. — Stiegen diese Leutchen endlich von der fertigen Spitze her­ab, so konnten sie bei ausdauernder Gesundheit, wenn sie täglich mehr als sieben deutsche Meilen zurücklegken, bestimmt darauf rechnen, nach Verlauf von 800 Jahren am Fuße desselben, und in der Nähe der lieben Ihrigen zu seyn. Auf dem literarischen Kampfplatze gibt es ebenfalls Karhegorien, Branchen und Chargen. Die klassischen Schriftsteller sind die Generale, die Moralisten sind die Feldcaplane, die Journalisten sind die Volontärs, die Sa- tprikcr sind die Korporäle mit dem Haslinger, die Roma- ncnfchreibcr und Dichter sind Bandisicn, welche ober sehr vst verwünschte Disharmonie prvducircn, die Recensenten sind Auditoren, die Copisten und Mundisten sind Fouricr- schützen und Privatdiencr, — die Buchdruckerei ist die Ge­wehrfabrik und Stuckgießerel, — die Buchhandlungen sind die Vcrpflegsmagaztne, daö Honorar des Schriftstellers ist dle Gage oder der Sold. Die Vornehmen, sagte einst Jemand im Scherze, sind Leute, dle viel vornehmen und versprechen,aber wenig thun. Ein Kornlieferant hatte stark betrogen, aber viel ver­dient; er wurde verklagt, und — frelgesprochen. Da sagte Jemand: Er hat nicht allein für sich genug gestohlen, svw- dem so viel, daß er auch die Kosten der Beweise bezahlen konnte. Diogenes, der sich durch seine betteihafte JMeibtmg auszeichncte, kam einst in die prächtigen Zimmer des Plato. Hier ging er auf den kostbaren Teppichen auf und ab , und sagte: „Ich Ir te den Stolz des Plato mit Füße-'." „Ja," erwiderte Plato, „aber nur durch eine andere Art Stolz." Scarron, der bekannte Burleske und satyrische Dich­ter der Franzosen, ein sehr witziger und belustigender Mann, als Gesellschafter sehr gesucht, starb am 14. Octvber 1660. Seine Hausgenossen und Verwandten vergaßen Thronen an seinem Sterbebette. „O Kinderchen!" rief er ihnen zu: „ich werte Euch nicht so viel zu weinen machen, wie ich Euch lachen gemacht habe." Als der französische Admiral Quene mit Renaud^s Hülse Algier kn Asche legte, sagte der Dey, nachdem er erfahren hatte, was dem Könige das Bombardement geko­stet: „Der König hätte mir ja nur die Hälfte der Summe geben dürfen, so würde ich die Stadt selbst an allen vier Ecken angezündet haben." Schneider-Calembour. — Als ein allgeliebttr Fürst durch eine kleine Stadt reiste, stand an dem Fenster eines Schneiders, das links einen Frack und rechts einen Modcmantel zeigte, Folgendes: Dem hohen Kaiserpaar zum Kleid Nehm ich statt Tuch die Herrlichkeit, Zum Unterfutter Glück, watt irt mit Macht, Genäht mit Unterthanentreu, gestickt mit Pracht, Statt Per len knöpfe der Völker Freudenzähren. Ich dächte solch' ein Kleid müßt' ewig währen! In das Stammbuch eines Verwandten, der ein Brau­sekopf war, und stets von Freiheit sprach, schrieb Utz: Frei willst du seyn! So s ys, dvch nicht als Geck und Schreker, Werd' immer redlicher, so wirst tu immer freier! Eine wichtige Person am persischen Hofe ist der Er­zähler; die Stelle erfordert eine große Gewandtheit ftn Sprechen, ein glückliches Gedächtniß und viel Einbildungs­kraft. Man kann sich unmöglich eine Vorstellung von der Leidenschaft der Perser für diese Art von angenehmen Zeit- vertreibe und von der Vollkommenheit machen, zu welcher sie die Kunst des Erzählens gebracht haben. Die Erzäh­lungen vertreten bei ihnen die Stelle der Schauspiele. Eine Frau, die so bescheiden war, daß ste sich für häßlich hielt, sagte einst, als ste stch km Spiegel sah: „Wahrlich, ich bin nicht hübsch genug, um mir herausney- men zu dürfen, meinem Manne je zu widersprechen." Verschiedene Ansichten übermenschliche Schönheit. — Der Trieb, ihre körperlichen Vorzüge und Vollkommenheiten geltend zu machen, und in das ihnen vortheilhafteste Licht zu stellen, ist vorzüglich de» schönen Gefchlechte unter allen Himmelsstrichen, io allen Theilen der Welt gemein. — Die Verschiedenheit der M"»

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