Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840. - Mannigfaltigkeiten
37 griffe von Schönheit ist aber oft so auffallend , daß sie unfern Untersuchungsvermögen ein nicht uninteressantes Feld bieten würde. — Die Tartaren finden eine Person nicht schön, wenn sie nicht tiefliegende kleine Augen, eine breite platte Nase, und ein sehr zusammengedrücktes Gesicht hat, und mit diesem tyflen (besonders das Mädchen) ein breite Taille und einen dicken kurzen Hals verbindet. — Bei den Negern gelten die plattesten Naien und die aufgeworfensten Lippen für die schönsten. — Bei den ch i- nefischen Damen geht keine körperliche Schönheit über die kleinen Füße. Deßhalb werden den Mädchen, sobald sie drei Jahre alt sind, die Zehen gewaltsam unter das Fußblatt berabgebogen, und in eine Haut gebunden, welche die Eigenschaft hat, das Fleisch zu verzehren. Sodann umgibt man den Fuß mit einer Menge Bandagen, bis er die gewünschte Form angenommen hat. Die Frauen verspüren während ihrer ganzen Lebenszeit die traurigen Folgen, iinrr eben so unnatürlichen als grausamen Operation, denn nur mit großer Anstrengung vermögen sie zn gehen. Die ihren Füssen vollkommen angemessenen Schuhe sind so klein und eng, daß sie beides viel zu sehr für ein zweijähriges Kind seyn würden Auch sitzen die chinesischen Schönen auf ihre recht kleinen Augen großen Werth. Dagegen lieben sie sehr breite und weit herabhängende Ohren. Diese vorgebliche Vollkommenheit ist so sehr nach dem Geschmack der Chinesen, daß ein Mädchen, bei welchem man sie nicht antrifft, äußerst selten Gelegenheit finden dürfte, sich zu verheirathen. — Es gibt Völkerschaften, z. B. die Spar- tcr (nicht Spartaner), wo man hagere und entfleischte Personen als schön achtet. Bei andern hingegen (z.B.denGor- dicrn) ist es ein so großes Verdienst, einen dicken Leib zu haben, daß. wenn sie einen König wählen, ihr Augenmerk vorzüglich dahin gerichtet ist, daß er ja nur ein rechter Diekbauch und korpulenter Mann sey. Ein alter Mann in B. lag an der Entkräftung seines Körpers darnieder. Da er ein leidenschaftlicher Liebhaber der Musik war, so schafften ihm seine Freunde durch ein Concert, welches sie auf seinem Zimmer gaben, die beste und angenehmste Unterhaltung. Eines Tages, als sie sich in dieser Abficht bei ihm versammelt hatten, geriet!) er auf den Einfall, ihnen mit dem Triangel zu aceompagniren. (Sr sprang aus dem Bette und schlug an sein Lieb.'ingsinstru- ment mit einer zunehmenden Geschwindigkeit. Endlich, da seine Entzückung den stärksten Grad erreicht, und das Nervensystem desselben gleichsam die höchste Spannung erhal. tea hatte, fiel er nieder und starb. Ein Galanterkehändler und ein Kammacher standen auf der Leipziger Messe neben einander. „Nun das ist wahr!“ sagte der Galanteriehändler, „das ist eine recht lausigte Messe gewesen.“ — „Ich kann's eben nicht sagen,“ erwiderte der Kammhändler, „sonst würden meine Kämme besser abgegangen seyn.“ Ein langer, sehr hagerer Mann begegnete ln Wien efnem Betrunkenen. Der Knochenmann blieb stehen und sagte: „Ei, ei Freund! Ich glaube Er hat ein Bischen zu *iet grtrunken “ — „Und i,“ versetzte Jener, „glaube, Sö hab'n z'wenig geffen.“ Ein jüdischer Witzbold wurde einer Frau, die zwar sehr schön aber geistesarm war, vorgestellt, welche sehr freundlich mit ihm sprach. Als man ihn um sein Urtheil über sie befragte, antwortete er: „Sv lange sie mich nicht a n sp r a ch, bat sie mhf sehr an gesprochen; als sie mi ch aber angesprochen satte, sprach sie mir nicht mehr a n.“ In B. sind zwei Stadtuhrcn; die eine bei der Uni» versität, die andere beim Derfahamte. Ein jüdischer Student, der sehr flott lebte, beklagte sich einsi bei einem Uhrmacher, daß seine Uhr schlecht gehe, mit den Worten : „Ich weiß nicht, was ich mit meiner Uhr machen soll; ich richte sie immer nach der Universität, und sic geht meistens nach dem Versatzamt e.“ Unter Carl 11. Regierung in Englomd sollte ein Matrose, Namens Skissto» ergriffen auf einem Diebstahle, nach Urtheil und Recht aufgehenkt werden. In dieser Noth schrieb er in fe nem Knker an den König also: König Earl! Einer Deiner Untertanen i)(it mir vor Kurzem des Nachts 40 Pfuud Sterling entwendet. Ich aber habe, um mich wieder zu entschädigen, einem Andern diese Summe ebenfalls abgenvmmen. Dieser letztere hat auf eine unmenschliche Weise mich fest machen lassen und nach Newgate geschickt; er hat geschworen, daß ich gehenkt werden solle. Deßhalb und auch um Deinetwillen bitte ich, rette mein Leben. Denn Gott verdamme mich! Du verlierst an mir den allerbesten Matrosen auf deiner Flotte. Dein Jack Skifftvn. Arithmetische Aufgaben. 1) Welche ist die möglichst kleinste Zahl, welche mit 2, 3, 4,5, 6 bividlrt, jedesmal 1 zum Reste hat, mit 7 aber aufgeht? L) Welche ist die möglichst kleinste Zahl, die sich mit 2, 3, 4, 5, 6 jedesmal ohne Rest dividiren läßt, mit 7 aber 1 zum Reste hat? 3) Ein Faß Wein wurde mit Verlust für 224 fl. verkauft, wäre es aber für 260 fl. verkauft worden, so wäre der Gewinn noch dreimal so groß gewesen, als der Verlust war. Wie theuer ist es eingekauft worden? 4) Karl hat 37 Stück Siebzehncr und Siebner, ihrWerth beträgt 7 fl. 29 kr. Wie viel € tück hat er von jeder Sorte insbesondere ? 5) In einer zahlreichen Ges tlschaft waren 3mal so viel Männer als Frauen, und da 4 Männer mit ihren Frauen weggingen, blieben noch 4mal so viel Männer als Frauen. Wie stark war die Gesellschaft? 6) Am 1. Mai 1820 sah ich zu Brünn eine frei und allein schwebende Wolke am Nordost-Himmel, in einer Höhe von 45 Grad über dem Horizonte, genau 30 Minuten vor Sonnenaufgang zum ersten Mal von der Sonne beleuchtet. Wie hoch stand diese Wolke über der Erde, und wie weit war der Ort von Brünn entfernt, über dem diese Wolke senkrecht stand? Lösungen: 1)301. 2) 120. 3)8ür 233 ff. 4) 19 Siebzehner und 18 Siebner. .5) 48 Personen. 6) Zur Lösung einzuladen