Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840. - Mannigfaltigkeiten

35 ^ranzrsen. Einmal machte er bei dieser Gelegenheit den General en Chef, Herzog von Dendvme, zum Gefangenen, Mb darauf hätte der General Vitterot das nämliche Schick- sal gehabt. Als man dovon am Hofe zu Wien sprach, sagte die Gräfin v. S. Ich hätte nicht geglaubt, daß der lieben-- tv-ürdige Prinz Eugen ein solcher Seneraldkeb wäre. Der Finanzrath R.,welcher in ganz Berlin als äußerst zerstreut bekannt war, befand sich unwohl und schickte deß- halb um den Arzt. Als man die Ankunft desselben meldete, gab er zur Antwort: „Der Herr Doetor möchte die Güte haben, sich ein andermal herzubcmühen, da ec ihn heute nicht sprechen könne, indem er sich unpäßlich fühle. Jemand hatte auf seinen Freund lange vergeblich ge­wartet, endlich ging er aus, schrieb aber folgenden Avis an denselben aufseine Stubenthür: Um zehn Uhr komme ich zurück, solltest Du aber kommen, wenn cs schon finster ist, so begehre nur Licht nebenan. Großherziges Opfer eines edlen M usel- manns. — Bei den Türken ist es eine Gunstbezeugung, wenn die Obern den Untergebenen erlauben, das Gewand zu küssen, ja auch nur berühren darf es der Sclave, und küßt dann die berührende Hand. Wie 1739 der Marquis von Vitteneüve den Frieden von Belgrad beschlossen, ging er zu einer Audienz beim Großvezir in das Arsenal. Zwei französische Sclaven, welche den Gesandten erblickten, drängten sich zu ihm, stürzten zu seinen Füßrn und fleh­ten , sie loszukaufen. Ihr Herr eilte schnell hinzu, und der Marquis fragte ihn, was er für ihr Lösegcld forderte? /Tie sind frei, und gehören nicht mehr mein, seit sie das Glück hatten, das Gewand des französischen Gesandten zu berühren," antwortete der edle Muselmann. Vitteneüve war von der einfachen Größe dieses Betragens gerührt und so auch alle Umstehenden mit ihm. Er zog seine sehr schöne Uhr heraus, und reichte sie dem Hochherzigen, als Zcichco seiner Achtung, dar. Ein Student verkaufte seine Bücher, um seinen Hang zum lustigen Leben zu fröhnen, und schrieb an seine Mut­ter, er fange nun schon an, sich von seinen Büchern zu nähren, worüber diese nicht wenig entzückt war. Ein Dorfschullehrer legte bei einer öffentlichen Prür fung einem vierzehnjährigen Mädchen die Frage vor: „Was ist dein einziger Trost auf dieser Welt?" — „Ach!" ant­wortete sie verschämt, „der junge Kirschner in der Feld­gasse." Ein Stutzer begegnete einem Mädchen, Me er „meine Schöne" anredete. — Entrüstet über diese Vertraulichkeit sagte sie: „Ich kann Ihnen wahrhaftig Ihr Compliment nicht zurückgeben." — „Warum nicht," meinte er, „lügen Sie nur wie ich." Ein Mann wollte seiner Fra» ein Compliment ma­chen und sagte zu ihr: „Ich kenne wahrhaftig in der gan­zen Stadt nur eine Frau, die ihrem Manne getreu ist, da wirst sie wohl auch kennen?" — „Auf meine Ehre gab st« zur Antwort, „ich mag nachstuue» wie ich will, ti fällt mir keine ein." Dke Zahl Fünfzig durch ein Jubelfest ar­tig gefeiert. — Ein reicher Engländer in London feierte sein fünfzigjähriges Jubelfest auf eine eigene Art, indem bei diesem Feste alles auf die Zahl SO Bezug hatte. Er lud 50 Gäste, von denen jeder 50 Jahr alt war, eS wurden 50 Schüsseln aufgetrage», 50 Flaschen Porter, SO Fla­schen edler Wein. Man brachte SO Toaste aus; sang SO Lieder und 50 Fiaker- führten die Gäste nach Hause. Ein junger Ehemann von geringem Vermögen beklagte sich bei feinem reichen Schwiegervater über das unerträg­lich störrische und zänkische Betragen seiner Frau. „Gut," sagte dieser, „in einigen Wochen kommen Eie wieder z« mir, und hat sich meine Tochter bis dahin nicht gebessert^ so soll sie bei meinem Tode keinen Heller erben." — Dev Schwiegersohn kam mit feiner Klage mehr. Ein Hausherr ließ einen Ofen setzen und fragte de« Töpfer, wie lange er wohl glaube daß derselbe dauern werde. — Wenigstens 30 Jahre, sagte dieser. Das ist ja kaum möglich, waudte jener ein. — O! versichert« der Tö­pfer, ich habe schon Öfen gesetzt, die wohl viermal so lange dauerten. Eine juridische Merkwürdigkeit. — Das sonst nicht sehr merkwürdige Bagncnthal, in der Schweiz, hat gleichwohl die juridische Merkwürdigkeit, daß unter seinen Bewohn-rn seit einem Jahrhundert kein einziger Proceß vorgefallcn ist. Seltsame Entschädigungsklage. — In Lon­don wurde ein seltsamer Prvceß verhandelt, nämlich eine Entschädigungsklage gegen einen Chirurgen, wegen leicht- sinniger und ungeschickter Behandlung. Der Kläger hatte sich den Arm ausgefallen, und ließ dcn beklagten Chirur­gen rufen; dieser aber schickte nur einen Gesellen, der die Cur so unglücklich vollendete, daß dem Kläger der Arm lahm blieb. Zwei Chirurgen mußten ihr Gutachten abgeben, daß nur die Ungeschicktheit des zu Hülfe gerufenen Chirur­gen das Unglück veranlaßt. Die Geschwornen erklärten nach kurzer Berathung den Beklagten für schuldig, und sprachen dem Kläger eine Entschädigungssumme von 9000 fl. zu. — Gott bewahre die deutschen Ärzte und Chirurgen vor ähn­lichen Entschädigungüklagcn! rufen die Zeitschwingen aus. Jemand erzählte, daß er mehrere Ratten, die er bt seinem Hause gefangen, in einen Käfig gesperrt und ihnen keine Nahrung vorgcsetzt habe, worauf sie sich unter einan­der aufgefressen, so, daß am Ende nichts als ein Endchen Schwanz übrig geblieben sek. Das Reich der Wunder untergrub Natur­lehre. — Die Hottentotten sprachen zu den ersten Hollän­dern, die bei ihnen landeten: „Ihr seyd weit hergekom­men, meine Freunde, seyd doch bei allem dem nur Men­schen wke wir. Wenn Ihr mehr versteht als wir, so th»t ein Wunder in unserer Gegenwart, und wir wollen an Euch glauben; wennJhr noch dazu gerecht und billig seyd, so wollen wir Eure Freunde seyn , und Euch in allem gerne dienen." — Adrian Vandersteel, Kommandant des Forts auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung, kam allsogteich in eine Versammlung der Hottentotten, nahm «inen großen Becher

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