Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib

32 mtor Duruszewsky an den andern Tagen seinen Mitglie­dern Beiufize gab, die wenig Ertrag lieferten, lebte dort ein armer polnischer Maschinist. Vater von, zahlreicher Nachkommenschaft, dessen karger Gehalt kaum ausreicht?, jene kümmerlich zu ernähren, und dieser sah mit Bangig­keit sein Benefiz herannahcn, von welchem er mehrere Gläubiger bezahlen sollte, und — auch wollte. So betrübt und sorgenvoll der arme auch war, horte er doch mit einer Are von krampfhafter Freude, in der Coulisse, das wunder­bare „Steh nur auf“ u. f. w der Künstlerin, und.es schien, als habe das Schicksal ihn zum Schutze derselben hingestellt, denn als sie unter dem stürmischen Beifalls­jubel des Publikums abging, gerieth sie in Gefahr, in eine schlecht verschlossene Oeffnung des Podiums zu fallen., und großen Schaden zu erleiden, vielmehr lebensgefährlich ver­wundet zu werden. Der Maschinist sprang schnell herbei, um sie aufrecht zu halten, stüstzte aber dabei selbst in die Oeffnung und brach einen Arm. .Alles drängte .sich um ihn, dem armen Teufel Hilfe zu bieten, und nicht die letzte war Dem. Sonntag, welche ihm ihre Dankbarkeit nicht wirksa­mer bezeigen zu können glaubte, als daß sie auf die Nach­richt, Morgen sei der Tag seiner freien Einnahme, ausrief: „Wohlan, wir wiederholen die heutige Vorstellungi“ — „Ach, Madame, das ist zu viel !“ rief der Verwundete, „um das zu verdienen, müßte ich mir den andern Arm auch noch brechen “ — Der folgende Abend war ein wah­res Jubelfest für den Maschinisten, dem die Gläubiger mit abgezogenen Hüten auf's Neue ihre Dienste anboten, und er brummte bei der Arbeit, und wo er ging und stand, im­mer das glückliche: „Steh nur auf.“— Der Kaiser von Rußland wohnte dieser Vorstellung bei, und sandte Dem. Sonntag einen kostbaren Schmuck, den sie aber gleichfalls dem Benefizianten zuwies. Nach der Vorstellung erschien ein kaiserlicher Adjutant auf der Bühne, um im Namen des Czars die Gräfin Rossi zu bitten, im Palaste zu Abend zu speisen. „Die Einladung des Kaisers,“ eutgegnete die Künstlerin, „ist mir Befehl, und ich werde nicht versäu­men, im Palaste zu erscheinen.“ Vor einiger Zeit enthielten alle Pariser Journale eine scherzhafte Erzählung von einem italienischen Charlatan, der vermittelst eines von ihm erfundenen Brusttrankes den berühmten Duprez nicht allein vor dem Verlust seiner herr­lichen Stimme bewahrt, sondern ihm auch die wunderbare Kraft, das hohe C und D m t der Brutststimme anzugeben, verliehen habe. Alle Welt lachte über den Spaß; nur ein Figurant der Opera comique hielt die Sache für Ernst, und wandte sich schriftlich an den beliebten Säuger, mit der Bitte, ihm doch den Namen und die Adresse des „mu­sikalischen Syrupfabrikanten« mitzutheilen, der ihm zu sei­ner Tcnvrstimme verholten habe. Duprez, der sich des La­chens beim Lesen des Briefes nicht enthalten konnte, ließ die sonderbare Zuschrift im Foyer der »Academie royale“ jírfuíímr. Vor Allem war besonders die Schlußphrase ko­misch, die wir hier wörtlich folgen lassen: »Wenn Sie mir, verehrter Herr, daS Geheimniß dieser Sache anvcrtraueu, $© Eöemctt sie dabei ganz außer Sorge fcfc. Ich sollte ein | Undankbarer iverden! Ich mich zu Ihres Gleichen, zu tf» nem kvnkurrirendrn Rival, emporfchwtugen!! Oh ! Nein! Niemals!! — Ich achte und schätze Ihren Tenor; ich habe die tiefste Ehrfurcht vor Ihrem hohen C, und schwöre eS Ihnen mit dem heiligsten Eide, nur so viel Syrup nehmen zu wollen, als nöthig ist, der beste Baritonist zu werden.« Anekdote von Seribe. Es war in der Nacht unmittelbar nach Aufführung des Stücks: »Malvina, oder: die Heirath nach Neigung.« — Eben hatte es zwei Uhr Morgens geschlagen, und der Verfasser suchte vergebens die Ruhe; ein dumpfer Widerhall von den Beisallsbezeu- gungen des Abends traf sein Ohr und weckte ihn wieder auf, so oft er die Augen schließen wollte, und sich selbst zum Trotz, begann sein Geist einem neuen Erfolge nachzu­jagen. Plötzlich hört er Tritte in der rue Olivier-SainU George«. Man klopft an die Thür des Hotels. Auf der Treppe und in den Zimmern entsteht Bewegung und es lassen sich Stimmen vernehmen. Ein Bediente kommt herauf, öff­net und tritt mit einer Kerze ein. — Was geht denn vor? Was will man von mir? — Mein Herr, entgegnete dev Bediente, ein großer Bewunderer des Herren Bordler und seines Amtes: . . , Mein Herr, hier ist ein Brief, Den in ihre Hände zu geben man mich berief. »Um diese Stunde! Gib her! Wer hat ihn gebracht? Gib das Licht her.« »Eine dicke Frau, mit rvthem Ge­sichte, unordentlichen Haaren und ganz außer Athem, aus der wir nicht ein einziges Wort bringen konnten.« Der Brief wird entsiegelt und mit den Augen verschlungen. — »Gut; es ist keine Antwort darauf. Zünde die Lampe wie« der an." Und als der Bediente fort ist, wird der Brief • wieder gelesen, zugemacht, wieder geöffnet und abermals gelesen. Ihr glaubt wohl ein süßes Geheimniß, ein Liebes­brief? Nein, kein Wort von Liebe. Etwas Besseres als das. Der Brief war mit zitternder Hand von einer alten, vielleicht armen Frau geschrieben, von einer Mutter, blos einige Zeilen, die aber das Herz mit Stolz erfüllen mußten. — »Mein Herr, ich wohnte diesen Abend mit meinen Kin­dern der ersten Vorstellung von »Malvina« bei. Nach un­serer Rückkehr wartete meine älteste Tochter, bis ich allein war, und warf sich mir zu Füßen; sie gestand mir unter Schluchzen, daß sie auf dem Punkte stehe, sich einem jun­gen Menschen hinzugeben, der- ihrer unwürdig sei; Ihr Stück hat ihr die Augen geöffnet, ihr Gewissen beruhigt und ihre Liebe zerstört; sie fühlt aufrichtige Reue und ist in meinen Armen. Meine ganze Familie schläft. Ich und sie, wir wachen allein, und weinen vor Freude, vor Dank­barkeit. Sie werden uns nie kennen lernen, aber sein Sie uberzeugt, daß Ihr Name uns stets heilig bleiben wird- Könnte doch dieser Gedanke einigen Werth für Sie haben; Sie haben uns die Ehre und das Leben gerettet! Ein Weiuwirth sagte zu einem seiner Gäste: „I«, Ew. Gnade»! mein Brot ist g'wiß a saures Brot!“ „Das glaub ich wohlerwiedcrte der Gast, aber «vch saur«r wär's, tw au Jhr's in eures Wein »suchtet.?

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