Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib
33 Gin witziger Diener eines sehr lustigen Herrn, wurde mit einigen Röcken, welche seinem Herren zu enge waren, zum Schneider gesandt, um sie weiter machen zu lassen. Mit einem Seufzer übergab er die Röcke dem Schneider. Warum denn so traurig? fragte dieser. Ach, antwortete der Bediente, mit meinem Herrn wird jetzt kein Auskommen mehr seyn, er ist schon jetzt so lustig, daß es kaum auszuhalten ist, und jetzt bekommt er auch noch lauter ausgelassene Röcke. Ein Bauernbursch, der sehr schwer krank war, gestand unter andern auch, daß er feinem Nachbar ein Stück Leinwand gestohlen habe. Der Nachbar rief, »Nein, das ist zu grob!« Ihr habt recht, erwiederte der Bursch, die Mutter hat auch gesagt, ich hätte eine feinere nehmen sollen. Ein Kutscher trat zu seinem Herrn, der ein Wucherer und von der ganzen Welt gehaßt war, in's Zimmer und sündigte ihm den Dienst. Warum willst du mich verlassen? fragte der Herr. —Wenn wir ausfahren, versetzte der Kutscher, sv mutz ich immer hören, wie die Leute auf der Straße sagen: Da fährt der Spitzbub, da weiß ich mm nicht wen's angeht, und das kränkt mich. Der Wirth eines Dorfes beklagte sich beim Bäcker, baß er so schlechtes Brod backe. »Wenn ich gutes Brvd haben will,« sagte er, »so muß ich nach der Stadt schicken." »So geht mir'sauch," antwortete der Bäcker, »wenn ich guten Wein haben will." Ein Blumenfreund wollte die vortheilhafte Lage seines Gärtchens damit herausstrctchen, daß er versicherte: es scheine die Morgen sonne den ganzen Tag hinein. Ein Mann trank öfters in einem Bierhause den Andern, wenn sie wegsahen, ihre Gläser aus. Man ertappte ihn endlich dabei. Zur Entschuldigung bezvg er sich auf das Schild vor dem Wirthshause, welches ihn dazu berechtigte. Es stehe ausdrücklich darauf: Hier trinkt man fremde Biere. Einem berühmten Arzt erzählte ein Mann von den chronischen Uebeln seiner Frau, um ihn darüber zu consul- tircn, und setzte endlich hinzu: Sie glauben gar nicht, wie viel mich die Naturgeschichte meiner Frau schon Geld gekostet hat. Ich ging vor Kurzem mit einem Bekannten nach Th., um daselbst mit zwei Freunden, welche ihren Aufenthalt in F. haben und die ich lange Zeit nicht gesehen hatte, zusammenzutreffen. Es war bereits finster, als wir im Gasthofe anlangten. Der Hausknecht, mit einem Lichte an der Thüre harrend, begrüßte uns und führte uns, ohne zu fragen, in eine hübsche Stube des ersten Stockwerks, woselbst ein Tisch für zwei Personen gedeckt war und zwei frisch überzogene Betten sich befanden. Er zündete die Wachskerzen an und entfernte sich darauf mit den Wvr- ten, das Essen werde sogleich fertig seyn. Als ich mit mci- uem Reisegefährten allein war, konnte ich nicht umhin, gegen ihn meine Verwunderung über den uns gewordenen Empfang auszudrücken, welche er theilte. Nicht wenig aber erstaunte ich, als die umhergestreuten Kleidungsstücke und andere Effekten mir zeigten, daß offenbar kurz vor uns jemand die Stube Urne gehabt hatte. Ich unterdrückte tte in mir darüber auistrigenden Zweifel, ob das Zimmer wirklich für uns bestimmt sei, indem mir, weil ich sehr ermüdet war, an einer diese Frage verneinenden Aufklärung durchaus nichts gelegen haben würde. Wir machten es rm6 bequem, entledigten uns der Stiefeln, zogen die dastehenden eleganten Pantoffeln an und setzten uns erwartungsvoll an den Tisch. Es dauerte nicht lange, so erschien daS Abendessen in mehren, vortrefflich zubereiteten Gerichten, und mit ihm wurden zwei Bouteillcn recht guten Rheinweins herbeigebracht. Meine Zweifel nahmen jetzt zu, aber ich schwieg, tüchtig von den Speisen und Getränken zulangend. Ich war neugierig auf den Ausgang. Der Tisch war abgedeckt, der Kellner hatte uns eine gute Nacht gewünscht, wir begannen uns auszukleiden, um uns niederzulegen, da öffnete sich die Thür und herein sah ein Mannskopf, de» jedoch, als er uns ansichtig ward, sofort wieder zurückfuhr, stammelnd: «Entschuldigen Sie, ich habe mich geirrt." — Nach fünf Minuten, als wir bereits in den weichen Federa lagen, öffnete sich die Thür von Neuem; es guckte abermals ein männliches Antlitz herein, lispelte: »Verzeihung, ich bin falsch gekommen,“ und verschwand. Wir löschten die Lichter aus, da that sich zum dritten Mal ungestüm die Pforte auf und es erschien die Magd mit einem Lichte, hiir- tev ihr der Kellner und der Hausknecht mit einer Laterne. »Was gibt es?" fragte ich, die Entwickelung ahnend. »Herr Jesus," lautete die kreischende Antwort des Frauen- bildes, »sind Sie denn nicht die beiden Herren?" »Allerdings, erwiederte ich ruhig, „sind wir zwei Herren, wie Sic sich bald überzeugen kann, liebe Jungfer." Sie: »Aber Sie können dvch nicht die beiden Herren sein?" Ich: »Wir sind erbötig, uns nöthigenfalls der Autvpste zu unterwerfen." »Ach Gott, sie können ja nicht die beiden Herren sein," stimmten jetzt der Hausknecht und Kellner im Duett an, «es ist nicht möglich, denn sie stehen vorder Thüre." »Wer?" fragte barsch mein Freund, der so eben aus einem sanften Schlummer erwachte. »Nun die beiden Herren, die heute um 5 Uhr hier ankamen, die Stube hier, die Eie innehaben, und das Essen, das Sie gegessen, bestellten, denen die Kleider hier gehören, und die nur einen Spaziergang in die Stadt machten, bis das Abendbrvd fertig sei." »Ich habe Sie in der Finsterniß dafür angesehn, meine Herren," heulte der Hausknecht, »ach Gott, sein Sie doch so gütig und gehen Sie aus der Stube, sonst weiß ich nicht, wie das werden soll." »Närrischer Mann « entgegnete ich, kaum fähig, das Lachen zu unterdrücken, «wir liegen, wie Er mit weniger Mühe sieht, schon im' Bette und sind ungemein schläfrig; das kann unmöglich geschehen. Placire Er die beiden Herren diese Nacht in ein anderes Zimmer. Morgen wollen wir ihnen gern den Platz räumen.“ Das Dreiblatt versuchte noch viele Gegenvorstellungen, bis ich endlich unwillig ward. «Nu, wenn sie denn durchaus nicht heraus wollen,“ sprach jetzt der Hausknecht, -da müssen die beiden Herren auf dem grv5