Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839 (pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1839. - Allerlei zum Zeitvertreib
31 chem Lichte sie mpfloß und bedeute, dergestalt, daß ich, umhüllt davon, durch seinen unendlichen Glanz, kaum mich hindurch zu arbeiten vermochte." So sprach der König. Der Offizier merkte sich den Traum und die Zeit genau und — — i n derselben Nacht wurde Napoleon geboren. Der Magistrat einer Kreishauptstadt erließ an den Magistrat eines Lanbstädtchens ein Geschäftsschreiben, welches mit der herkömmlichen Anrede: „Achtbarer, w o l- w ec ser Magistrat!^ begann. Sich hochgeehrt fühlend, beriethen die Väter des Städtchens, um wie viel höher ihnen gegenüber der Magistrat der Kreishauptstadt stehen möge und gediehen zum Ergebniß, daß dieß gerade das Doppelte betrage. Die Anrede in dem Antwortschreiben lautete dem gemäß: „S e chz eh n b a r e r, schneeweißer Ma g ist rä t!“' Al s einst ein Offizier auf der Reise in einem Gasthofe einkehrte, sagte der Wirtb, welcher den Namen und Stand des Offiziers gern ausforschen wollte, ohne gerade darnach zu fragen, zu demselben: „Ich glaube Sie schon irgendwo gesehen zu haben." — Der Offizier wollte sich mit ihm nicht einlassen und antwortete ganz kurz: „Wahrscheinlich! denn ich komme oft dahin." Am Tage vor der Schlacht 6ei*% der Ort will mir grade jetzt nicht einfallen , als-es um die Angelegenheiten Friedrichs des Großen ebeu nicht züm besten stand, ward ihm ein Grenadier vorgeführt, welcher desertiren wollte, den man aber erwischt hatte. „Warum wolltest du fort?" fragte der König. „Ei," erwiederte der Grenadier, „Ew. Majestät Angelegenheiten stehen gar zu schlecht, da wollte ich mein Glück einmal anderswo versuchen." „Da warte du bis morgen," versetzte Friedrich, „steht es nach der Schlacht um mich nicht besser, so wollen wir zusammen davon laufen." Ein Reisender besuchte eine Herrnhuter-Gemeinde zu K. W. Die alte Vorsteherin, welche fast einer Abtissin ähnlich sah, zeigte ihm mehrere Säcke voller Lebensmittel, die sie an so eben abgebrannte Nichtherrnhuter schicken ließ, und machte ihn darauf aufmerksam, wie alle Arten Handwerke und Geschäfte im Hause selbst betrieben, und nur allein Schuhe von außerhalb desselben bezogen würden. „Alles was wir brauchen," fügte sie in ihrer sechzigjährigen Unschuld komisch genug hinzu, besorgen wir nns selbst, nur den Untertheil müssen wir den Brüdern überlassen. Eine jugendliche und hübsche Priesterin Thaliens, deren Dienste sie sich erst seit kurzer Zeit gewidmet hatte, genoß eines Abends den ihr unerwarteten Triumpf, nach Beendigung des Stücks, in welchem sie beschäftigt gewesen war, hervorgerufen zu werden. „Nein, nein!" sprach sie, als der Director sie aufforderte, sich bei dem Publiko zu bedanken. „Ich gehe nicht hinaus! Ich weiß ja gar nicht, was ich sagen soll." Dieser aber sprach: „Gehen sie nur vor bis an das Proscenium und verneigen Sie sich; ich werde mich vorn hinter daS Portal stellen und Ihnen foufli- ren, was Sie sagen sollen. Nach einigem Weigern verstand sie sich endlich hierzu, that, wie ihr geheißen war und dör Direktor flüsterte auf seinem Posten: „Der herzlichste Dank, bleibt: »stumm " Allein das schöne Kind war zu sehr befangen, hratte daher die Worte unrecht verstanden und sagte: „D i e herrlichste Gans bleibt dum m." In einer Stadt wurde das Schauspiel Ludwig der Springer gegeben, worin der Pfalzgraf Friedrich von Sachsen den eintretenden Abt- welcher dessen Gemahlin, Adelheid von Stade, im Kerker besucht hat, fragt: „Was macht Adelheid?" und der Angeredcte hat zu antworten: „Sie seufzt und weint." Der den Abt darstellende Scha-uspieler aber, welcher seinem mönchischen Charakter auch außer dem Theater Ehre machte, da er als ein tapferer Zechbruder bekannt war, versprach sich Und sagte: „Sie säuft und weint." — „Da wette ich, daß er mitgesoffen hat!" riefeine Stimme im Parterre. Der Schauspielunternehmer E......N befand sich bei seiner Abreise von G...a in Geldverlegenheit, und wendete sich mit der Bitte um ein Dartehn von lOOTHlr. auf Wechsel an den dortigen Hofrath *** Dieser aber, der wohl wußte, daß Schauspieldirektoren nicht wechselfähkg sind, wollte sich hierauf nicht cinlassen, setzte jedoch hinzu: „Können sie mir Pretiosa zum Unterpfande geben, so will ich Ihnen darauf 100 Thaler leihen." Voller Freuden 6<* willigte der Anlethesucher das Verlangte, eilte sogleich nach seiner Wohnung und ließ Buch, Rollen, Partitur, Orchester- und Singstimmen des romantischen Schauspiels mit Gesang und Tanz, Preciosa, von Alexander Wolf, zu- sammenpacken und dem hohen Gönner überbringen. Allein es fand ein kleiner und doch bedeutender Jrrthum dabei statt', und der Bereitwillige erklärte, man solle ihm mit solchen lumpigen Kostbarkeiten vom Halse bleiben. Er hatte nämlich nicht Wolf's Pretiosa, sondern Pretiosen (Juwelen und anderes echtes Geschmeide) gemeint, die ihm leider nicht zum Unterpfande gegeben werden konnten, weil keine vorhanden waren. Der junge Bettler. Ein junger Bettler zieht au einer Thüre Den Klingeldraht, die Glocke schellt. Ma n fragt: Wer draußen wohl die Klingel rühre, Er bittet um ein Reisegeld. „Sogleich mein Freund !" — Man hört die Thür erschließen Und in die Thüre tritt ein Mann, Betrachtet ihn von Kopf bis 'ju den Füßen. Und ganz verwundert spricht er dann: „D er Herr sieht ja so jung aus und so blühend — Welch ein Genwrb betreibt er denn— Der sagt, den Klincreldrahtchoch eimal ziehend : ,,„Drah tzi e h e r bin ich, wie sie fclftj' K, Henriette Sonntag und t er Maschinist. Als die Gräfin Rosst, damals noch die gefeierte deutsche Nack- tigall, Dem. Henrietre Sonntag, im Jahre 1829 in9Jtoé« kau ihre Triumphe feierte >. und-durch ihren melodiösen Zepter wie mit einem Zauberstabe, trotz der drückenden Schwüle, Bürger und Hofleute zwang-, kn den geschlossenen Raum des Theaters zu strömen, als die Einnahme, wenn sie sang, täglich gegen 12,000 Rübe? betrug und der? Di-