Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

40 G u t angewandte Worte der Bibel. Schleunig ward ein Arzt zu einem Töpfer gerufen, über den der Stubenofen, den er eben gesetzt hatte, wieder zusammengebrochen war. Da er ihn ohne Lebenszeichen fand, wandte er sich zu den Umstehenden, und sprach mit Pathos Stimme jene Bibelworte: »Selig sind die Todren! denn ste ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach.« D e r n e u g i e r i g e B a u e r. In einer Registratur, wo die letzten Witlensmeinungen in Pappüberdeckeln auf­bewahrt wurden, fragte ein Bauer: »Sind's lauter Bibeln?» — »Nein !« sagte der Canzellist, »alte und neue Tes­tamente!« Der V e r s e n m a ch e r. Gerichte verfaßt er schlecht, und verkauft sie zum Besten der Armen, Er, der Arme am Geist, sorgt für die Armen am Leid. Der voreilige Gesandte. Sparta sandte einst an den König Jminetrius einen Gesandten. Dieser fühlte sich aber bei der Audienz beleidigt. »Was«, sagte er, »nur einen Gesandten haben die Spartaner an mich, den König, gesendet? »Ja,« versetzte rasch und kalt der Ge­sandte , »E i n e n an E i n e n.« So n der barer Schlu ß. Ich stehe folglich steht die Erde auch. Sep nicht dumm, wenn sich derl Bratspieß dreht. Dreht sich die Gans mit um. Richtiger Schluß. Wenn die Frauen in die Jahre kommen, hören sie ans in die Wochen zu kommen. Verwunderung. Als in Körners Drama, Hed­wig am Schlüße den Räuber Rudolph erschießt und dieser fällt, rief einer der Zuhörer laut auf: »Ach, das ist stark!« Man fragte ihn, worüber er so erstaunt sey? Er antwor­tete: »Ich wundere mich, daß das Mädchen so gut schie­ßen kann, jetzt seh ich das Stück schon sieben Mal, und nicht ein einziges Mat hat sie den Kerl noch gefehlt. Mißverstand. Nun , was sagen sie zum Barbier? fragte ein Gönner der wälschen Oper einen eben in Wien angekommenen N. »Was für Barbier?« erwiederte dieser. »Nun zum Barbier von Sevilla? versetzte jener. Ey, was kümmert mich Barbier!« rief N. »ich rastre mich selber!« Der taube Bäcker. Ein Bäcker wohnte neben einem Hanse, welches einen grünen Esel zum Schilde hatte und aus welcher Ursache mau ihn scherzweise den Esels­bäcker nannte. Einst wurde er, einer gewissen Angelegen­heit wegen vvr Gericht gefordert, und einer der Rechts- gelehrten, der wegen seiner Grobheit allgemein verachtet war, fuhr ihn mit den Worten an : Ist er der Eselsbäcker? Dieser , dadurch beleidigt, stellte sich taub! und trat, als der Dvctor dieselbe Frage das zweite und dritte Mal wieder­holte, immer näher zu ihm heran, so daß er endlich qanz dicht neben ihm stand, und sagte nun, da er ihn wieder gan; zornig fragte: »ist er der Eselsbäcker?« Nein, Ew: Hochedlen! ich bin nur der Bäcker neben dem Esel!« — Vicém pro vice. Ein Junger Handtungsdiener küßte bei einem Pfänderspiel einem Mädchen die Hand, und sagte da er einem kostbaren Ring an ihrem Finger er­blickte zu seinem nahe stehenden Freunde: »der Ring wäre mir lieber, als die Hand !« Das Mädchen , welches dieses vernahm, griff nach der gvldnen Uhrkette, die der Handlungs« diencr um den Hals hatte, und entgegnete; »Und mir der Strick lieber, als der Esel.« Der Schloßvogk. Dies Schloß ist an Kostbarkeit reich; Ich zeige den vorder» Flügel sogleich , Dann zeigt mein Väschen den Hinteren Euch. Der Prozeßsüchtige Bauer. Ein gewissen­hafter Advvcat rieht einen Bauern, von seiner gegen eine« andern Bauer angebrachten Klage abzustchen, da es sich offenbar aus der ganzen Lage der Sache ergebe , daß er unrecht habe. Dennoch ließ sich dieser nicht dazu bewegen, und ob er gleich selbst sich von . der Ungerechtigkeit seiner Forderung überzeugte, meinte er endlich; »Es ist doch möglich, daß ich gewinne, die Richter können sich ja irren!« G r a b sch r i f t e n. n) Auf e in e n G c iz h a l s. Er lebte kaum und ward begraben; Sein erst' und letztes Wort war — haben» b) Qi u feinen Müßiggänger. Don diesem find't man nicht geschrieben» Daß er was sonderlich getrieben. c) Auf einen Rechenmeister. Des Rechnens satt lieg ich nun hiev im Grabe, Denn drüben müßt ich in die Brüche geh'». We nn ich mich nicht verrechnet habe. So werd' ich wieder auserstel/n. d) Auf Dentosus v. Hau g. Er machte Schulden und Gedichte, Doch jene nur sind vom Gewichte. Der gute Rath. Dem Dichter Pfeffel brachte ein junger Mann mehrere seiner poetischen Versuche, die aber keinen Funken eigcnthümlichen dichterischen Geistes, sondern nur Reminiscensen aus andern Dichtern verriethen , um sein Urtheil darüber zu fällen. Pfeffel gab ihm mit vieler Scho­nung zu verstehen, daß er an seinem innern Berns zum Dichter zweifle, und machte ihn auf mehrere Worte oder solche Stellen aufmerksam, wo lediglich der Reim den Ge, danken oder ein oft spielendes Bile erzeugt hatte. Der Dichterling, darüber empfindlich, meinte, in dem Feuer der Begeisterung könne man nicht immer die Worte auf die Goldwage legen. Da sagte endlich Pfeffel ungeduldig; »von dem dichterischen Feuer habe ich nichts verspürt« Ich will Ihnen meine aufrichtige Meinung nun für allemal nnverholen sagen: entweder bringen sic mehr Feuer in ihre Gedichte, oder werfen sie solche in's Feuer.«

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