Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten
R a ch c der F r a u e n. Ein Schuhmacher in Paris hatte, nm sich viele Kundschaften zu verschaffen, ein höchst auffallendes Schild vvr seiner Wohnung aushängen lassen. Es war darauf ein großer Stiefel genialen, aus welchem eine weibliche Gestalt, ein Affe und eine Katze hervorragten. Darunter stand: »Zum Stiefel voll Heimtücke.» Die benachbarten Frauen und Mädchen sannen ans Rache. Nur gab cs vielen Zwist auf welche Weise dies geschehen sollte? — Der Schuster hatte allerdings Ursache, auf das schöne Geschlecht zu zürnen; er war mit einer bösen Frau verbunden, die überdies noch mit einem Grenadier <vtf einem freundschaftlichen Fuße lebte. Sie kam mit Zwillingen nieder. Bald darauf war das Schild eines Morgens verschwunden, und an deßen Stelle hing ein Anderes, worauf ein Füllhorn gemalt war, aus dem ein Paar Kinder mit Grenadiermützen hervorkamen, mit der Ueberschrift: »Der gesegnete Stiefel.« Der Ty roter. Im siebenjährigen Krieg wurde ein Tyroter von den Preußen gefangen. Man brachte ihn zu dem commandirenden General. Dieser fragte ihn, wie stark ist euer Kaiser? — »Wie kann ich das wissen,« versetzteer, »keinem Tyroler ist es noch eingefallen, sich mit seinem Kaiser zu raufen.'« Das Exame n. Ein junger Mensch hatte sich um eine Anstellung bei dem Berg- und Hütten - Departement beworben. Er mußte sich deshalb einer Prüfung unterziehen. Einer seiner Examinatoren war der Professor der Chemie, K......... und diesem war er besonders empfohlen worden. Der Examinator suchte daher dem jungen Manne die Prüfung möglichst zu erleichtern , und stellte seine Fragen so, daß darin die richtige Antwort fast schon versteckt lag. Endlich fragte er ihn: »Was geschieht, wenn man Sauerstoff oder Oxyden sättigt ?« Der Befragte schwieg. Der Examinator wollte ihm auf die Antwort: er oxydirt! helfen, lind sagte. »Er ox— nun — er ox— Der junge Mensch Die gute Absicht nicht ahnend , nahm dies gewaltig übet und sagte : »Herr Professor-! wenn ich auch nicht alle ihre Fra- ;en beantworten kann; so muß ich mir doch dergleichen Grobheiten verbiethen.« D k e Pfleg matike r. Zwei Lords begegneten sich in ihren Cabrioleten, selbst kutschirend, in einem engen Gäßchen, ohne daß einer dem andern ausweichen wollte. Endlich stopfte sich der Eine pstegmatisch seine Tabakspfeife, nahm die Zeitung aus der Tasche, und fing an zu lesen. Der andre ließ sich aber dadurch nicht aus seinem pflegma bringen, sondern rief seinem Gegner höflich zu; Mylord! darf ich hernach mir die Zeitung ansbitten, wenn Sie ausgelesen haben?« Die Flügelmanns-Witwe. Eine Frau kam zu dem Leichen-Commissair und bestellte dieAbholung ihres verstorbenen Mannes zum Kirchhof zu einer gewissen Stunde. Das geht nicht an versetzte der Leichen- Commissair, das kann erst später geschehen, denn um diese Srunde habe ich ttne große.Leiche. »Nun größer gls die meinige, kann sie doch wohl nicht sein,« rief die Frau verdrießlich aus, »mein Mann war früher -Flügelmann bei der Garde!« Der st a m m e l n d e Lord. Ein Knabe ging, eine Elster tragend, in.London über die Straße. Lord D. welcher stammelte, fragte den Knaben: »He! Bn — Bn — Bursche / kann die Elster spre — sprechen?« Besser wie sie versetzte der Knabe, sonst würde ich ihr den Hals umdreheu. Der überraschte Dieb. Ein junger Mann verließ einst spät eine Abendunterhaltnng. Ihm begegnete ein großer, baumstarker Mensch, und fragte ihn mit barscher Stimme: »Wie viel zeigt ihre Uhr ?» Der junge Mann zog eine Pistole, hielt sie ihm vor, und sagte: »Scheuste selbst zu, hier ist der Zeiger!« Wortspiel. Ein türk. Offlzier erlaubte sich in einer zahlreichen Gesellschaft einige Freiheiten gegen eine junge Dame,und da sie ihn eben nicht auf die scboncndste Art in die gebührende Schranken zurückwics, sv rief er ans: »wissen Sie, gnädige Frau, daß ich Offizier bin?« »Gemeiner könnten sie nicht seyn!« erwiedcrte sie. Rumpe di P u m p. Als Hamburg von französischen Truppen besetzt war verlor einer ihrer Lieferungs- Beamten einen Geldbeutel mit hundert Dukaten. Kaum bemerkte er seinen Verlust, so eilt er zu einem Ausrufer, und befiehlt ihm, seinen Unfall durch Trommelschlag in den Gassen zu verkünden , und dem redlichen Finder zur Zurückgabe aufzufordern. Der Ausrufer, der den Franzosen sehr abhold war, fing sogleich zu trommeln an, und rief: »Der Mensch hat da hundert Ducaten verloren, der Kerl ist ein Franzos, versteht nichts deutsch, ist steinreich, wer's gefunden hat, der behalte es!» •— Der Franzose hatte richtig kein Wort davon verstanden, da ihm aber der Eifer gefiel, sv klopfte er vergnügt den Schelm auf die Schulter, und sagte: »Reckt sv, reckt sv, mon ami, geh' Sie an die andre Straßeck, und mack Sie wieder Rumpe die Pump.« Das griechische Schiff aus Spezzia segelte im Frühjahre von Holland nach St. Petersburg ab, welches 2 Sphinxe von rvthem und weißen Granit am Bord hatte, deren jede 540 medert. Ellen lang, 180 breit und 560 hoch, ans dem Jfistempel in Athen stammend, und für den Kaiser von Rußland bestimmt waren. Handschuh und Britté. @in Richter war, der sah nicht wohl, Grin Färber kommt, verschwören soll. Der Färber hebt die blaue Hand, Da ruft der Richter: Unverstand, Mer schwört in Handschuh , Handschuh aus r "Rein— ruft der Färber, Drill heraus. — Das Herz auf der Unrechten Stekte. Ein Stutzerchen, das einen jungen Mann beteidigt hatte und von ihm gefordert worden war, kroch zu Kreuz , und sagte zu seiner Entschutdigung unter Andern; »Es ist ein Unglück; das Herz sitzt mir immer auf der Zunge.« »Hm, sagte der Andre, daß Sie es nicht auf der rechten Stelle haben merkte ich wohl!« 6