Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

27 vor dem Schlafengehen, befreite eine Frau von ihrem chro­nischen Kopfweh. Andere haben von dem Abrasiven der Haare die beste Wirkung gesehen. Wenn der Schmerz sich auf eine bestimmte Stelle be­schränkt, hat man die Haare da abgcschnittcn und Schröpf­köpfe aufgesetzt. Zu den besten äußerlichen Mitteln gehört noch starkes Reiben der Füße mit rauhen Tüchern nach dem Fußbade. Auch das Salben der Füße mit Ocl nach dem Fußbade ist sehr wohlthätig. Einer Frau in Wien, die an furchtbarem periodischem Kopfschmerz litt, wurde gerathen, zwei Blätter Gvldpa- pier so in den Schuhen zu tragen, daß die metallischen Flächen sich berührten, wodurch sie von ihrem Nebel be­freit worden seyn soll. Da wo Kvpfcongestionen dem chronischen Kopfschmerz zum Grunde liegen, soll der Kranke abends nichts essen. Manche haben sich durch Reisen von ihrer Migraine befrOt. V. Witt ei gegen Schnupfen und Husten. Für die meisten Menschen, wenn sie am Schnupfen leiden, ist es besser, sich warm gekleidet, bei irgend erträg­lichem Wetter, täglich der freien Luft auszusetzen, als sich in heiße Zimmer cinznschließen und zu Bette zu legen. Der berühmte Professor Hildenbrand in Wien, pflegte seinen Zuhörern zu sagen, der Schnupfen daure ohne Arzt vier­zehn Tage, und mit einem Arzte einen halben Monat. Um einem langwierigen Husten, der bei vorhandener Anlage leicht in Schwindsucht übergehen kann, lvszuwer- den, ist nichts wirksamer, als eine Luftveränderung, am liebsten eine Reise in ein Schwefelbad. In der Regel wird man schon unterwegs Husten, Auswurf, Fieber, Appetit und Geruchlosigkeit sich vermindern sehen. Schon das verlassen eines kalten, feuchten, zu ebener Erde oder gegen Norden gelegenen Zimmers und das Beziehen eines höher-und südlich gelegenen ist in vielen Fällen hülfreich. Bei Anlage zu Catarrh und übermäßiger Empfind­lichkeit gegen jede Luftveränderung ist es vernünftiger sich an Kälte zu gewöhnen, als sich in Pelze einzuhüllen und beständig itt heißen Zimmern sich auszuhalten. Daher cs auch nützlich ist, Kinder daran zu gewöhnen, sich täglich den Kopf mit kaltem Wasser zu waschen. Ein gutes Mittet, um sich gegen Schnupfen abzuhär­ten, ist: täglich Morgens beim Aufstehen frisches Brun­nenwasser aus der hohlen Hand in die Nase einzuziehen. Dies hat zugleich eine erheiternde Wirkung. Diejenigen, welche sich in heißen und kalten Klimaten dem Wechsel der Temperatur bei Tag und Nacht aussetzen müssen, wie Matrosen und Soldaten, schützt das Tragen wollener Hemde oder Flanctlivestcu auf der bloßen Haut, vor Erkältung und ihren Folgen. Für die Bewohner nördlicher Länder und für Seefah­rer, ist der PUufch das allgemeine Schutz- und Heilmittel der Erkaltung und des Catarrhs. Warme, süßliche Getränke befördern den Auswurf, mindern den Reiz zum Husten und stellen die unterdrückt« Ausdünstung wieder her, z. B. Hollunder * oder Eibisch, thee mit oder ohne Milch und Zucker getrunken. Selbst der bloßein Wasser aufgelöste Zucker ist als ein wirksames Mittel in solchen Fällen anzusehen; ebenso heißes Zucker- wasser, worin ein frischer Eydvtter verrührt worden. Die Russen lassen ein brennendes Talglicht in ein Glas Bier abtropfen, und trinken das Bier mit dem Talg als Heil- mittel des Hustens. Ein altes Volksmittet gegen veralteten Catarrh ist Häringsmilch öfter zu verschlucken. Eines der schätzbarsten Getränke im Catarrhal- und Schwindsnchtshnsten ist Setzerwasser mit heißer Milch ver­mischt. Ein großes Stück Flanell mit Campfer eingeriebe» und auf der bloßen Brust getragen, lindert die Heftigkeit des Hustens. Die Araber heilen den Husten, indem s'e den wohl, riechenden Duft der Justicia triflora cinathmen lassen. Aehntiche Wirkung scheint bei uns ein großes Bouquet Schlüsselblumen zu'haben. Gegen den Schnupfen rathen einige, die Füße' in wa*. me Kleie zu stecken. Tabacksrauch durch die Nase auszusto­ßen, gehört zu den Mitteln der nordamerikanischen. Indianer. Manche wollten dadurch den Ausbruch eines drohen­den Schnupfens verhüten, daß sie Abends flüssiges Talg auf den Rücken der Nase eiureibcn. Im S k o cks ch n u p f e n, wo durch das Anschwelkeu der Schleimhaut der Nase, das Athemhvlcn auf diesem Wege erschwert ist, leisten Wasserdämpfe, mit einem Zu­satz von etwas Weinessig, gute Dienste. Auch warmes Wasser, aus der hohlen Hand in die Nase eingezogen, verschafft große Erleichterung; dcßgleichen der aufsteigeude Dunst von gekochtem Kaffee. VI. Mittel gegen verdorbenen Magen, S ä it r e, Magenkrampf und Schluckse n. Nach Uebcrladung des Magens mit Speisen und geisti­gen Getränken, ist kaltes Wasser in Menge getrunken, das beste Mittel, die Verdauung zu befördern und die Übeln Folgen der Uebcrladung abzuwenden. Di e Römer tranken in solchen Fällen bloß heißes Wasser. In Frankreich wird Zuckerwasser allgemein für Verdauung befördernd angesessen und auch von Hufeland dafür erklärt. Di e Russen trinken Gnrkenlacke als kühlendes Abfüh­rungsmittel, um den verlornen Appetit wieder zu erwecken. In derselben Absicht trinken die Bewohner von Nukahiwc Seewasser, dessen sich auch bereits die Griechen bedienten. In manchen Gegenden Deutschlands wird ein Glas Waffe. , worin ein Eßlöffel voll Kochsalz aufgelöst ist, als Magen, mittel, zumal nach Berauschung, getrunken. Von mau« chcn ein gesalzener Häring mit den Gräten gegessen. 1 *

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