Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

28 Im südlichen Europa ist der Knoblauch > den schon Gaten „rusticorunV4 theriacam nennt, die allgemeine Magenpanacee. Obschon er dem Athen: einen unerträg­lichen Geruch mittheilt, genießen ihn Vornehme und Ge­ringe täglich, indem sie ihn für ein unschätzbares Stärk­ungsmittel halten. Friederich Hoffmann empfahl, um den Magen zu stärke»:, vor der Mahlzeit 10 ganze Pfefferkörner zu ver­schlucken. Ebenso gehören überzuckerter Calinus und Ing­wer zu den schätzbaren wärmenden Mageinnittcln. Gegen Mangel an Appetit, mit bitterem Geschmack und belegter Zunge, als Folge eines heftigen Aergers, soll man reife Pomeranzen essen. Gegen habituelle Magens ä u r e und Sodbren­nen wirkt, Morgens nüchtern ein Glas Zucker»vasser ge­trunken, oft mehr als bittere und absorbirende Arzeneien. Do n guter Wirkung ist in diesem Falle der Genuß des Schiffszwiebacks, selbst harten trockenen Brodes, wel­che als absorbirende Mittel gegen Blähung und Säure wirken. x Jemand befreite sich durch eine Stockfischku'r von die­se»:: Uebel. Nachdem er lange Zeit an Säure und Unver­daulichkeit gelitten, so daß ihm nach den: Genuß der leich­testen Speise der Leib aufschwvll, ficng er an, ein ganzes Jahr lang, fast täglich, Stockfisch mit Erdäpfeln und Senf zu essen, wodurch er hergestellt wurde. Eine Frau, die «n beständiger Magensäure und Sodbrennen litt, verschaffte sich dadurch. Erleichterung, daß sie täglich eine gewisse Menge Krcbsaugcn verzehrte, die sie stets bei sich führte. Eine andere hatte sich aus eben dem Grunde an den Ge­nuß von Rechnentafelschiefcr gewöhnt, wovon sie in 30 Jahren mehrere Centncr verzehrt haben soll. Wenn absorbirende Tinge nichts nützen, leisten oft gerade Säuren, wie Citronensast oder Weinessig, einige Theelöffel voll mehrmals des Tags genommen, gute Dienste. Gegen Sodbrennen sollen auch 2 frische Eicheln, ge­gessen, dienlich seyn. Gegen ranziges Ausstößen, nach dem Genuß sehr fetter Speisen, helfen einige geschälte süße Mandeln. Schwängern, die oft an Sodbrennen leiden, bekommt das Kauen des Thces, der Süßholz»vurzcl und der Genuß »vn Bockshörner gut. Gegen den Magen kr am pf empfiehlt Friederich Hoffmann als Hausmittel den Schafgarbenthce. Andere trinken sehr starken Kamillenthce, deßgleichen Thee vom Mexikanischen Traubeukraut, Fenchelthee, Jngwerthee oder ven Reinfaru (Flor. Tanaceti) und Schleheublüthe. Eispillen haben sich im Magenkrampf ebenfalls nützlich be­wiesen. Ein Schäfer vervrdnete mit ausgezeichnetem Er­folge seine gepulverte Feuersteine gegen den Magenkrampf. Ei n neunjähriger Knabe, welcher lange Zeit an Ma- qenwch und Erbrechen litt, wogegen weder Opium noch Attbcre Arzeneien fruchteten, wurde durch den Genuß von Vlvßer Milch und Oeleinrcibnngcn in die Magcngegend hergesickt. Die Franzosen lassen in allen Eardialgien häufig b finnt Hühner- oder Kalbfleischbrühe trinken und warm baden. Einige Eßlöffel voll Leinöl verschaffen bisweilen in den hefttgsten Magenschmerzen schnelle Linderung. Ei nigen hilft gewärmter Haber auf den Magen gelegt, andern ein mit Rum befeuchteter Bogen Löschpapier. Die Neger binden in solchen Fällen einen Strick fest um den Leib. Gegen den Magenkrampf, von unterdrückten Fußschweis- sen soll man die Füße in einen Sack stecken, der mit fri­schem warmen Malz, oder »nit abgestreiftem, frischem Bir­kentaub angefütlt ist. Gegen das lästige S ch lu ck se n (Schnakerl), was sich auf das Mittagessen einstellt, soll mau kaltes Wasser trinken. Manche vertreiben den Zufall dadurch, daß fle Nießeu erregen. Andere durch willkührtiches öfteres Aus­stößen , »vas manche Menschen zu jeder Zeit bewirken kön­nen. Auch kaltes Waschen der Hände ist wirksam. VII. Mittel beim Erbrechen. Um , bei Neigung zum Brechen, diese rvohlthätkge Naturhilfe zu begünstigen, empfiehlt schon Celsus laues Wasser häufig zu trinken. Von vielen Küstenbewohnern wird das Mcerwasser, dessen Ecket erregender Geschmack von aufgelösten organi- scheu Materien herzurühren scheint, als Brechmittel benutzt. Bei schon vorhandener Uebelkeit, befördert auch ein starker Kamillenthee das Erbrechen. Um übermäßiges Erbrechen zu stillen, soll man in kat- tcs Wasser gedauchte Leinwand um den Hals schlagen. Uebelkeiten von verdorbenem Magen, fordern zum Genuß gesalzener Speisen auf, daher starken Weintrinkern ihre Morgenübelkeiten durch Sardellen, gesalzenes und geräuchertes Fleisch gehoben werden. Zu den Brechen stillenden und Uebelkeit vertreibenden Mitteln gehört nicht völlig ausgegohrencs Bier, welches des kohlensaures Gases wegen, wie der Rivcrische Trank »virkt. Wenn ans den Magen versetzter Gichtstoff Erbrechen erregt, ist ein starker Kaffee ohne Milch von schneller, guter Wirkung. Beim chronischen Erbrechen, wenn der Magen nichts bei sich behalten will, hat man zuweiten eiskaltes Wasser mit dem besten Erfolge trinken lassen. Daher lei­stet gegen das anhaltende Erbrechen der Schwän­gern Vanillegefrornes oft mehr als alle Arzeneimittel. We nn bei Verhärtung des M a g e n m u n d c s die Kranken alles wieder ausbrechen , behalten sie oft noch rohes Eygelb bei sich. Ge gen habituelles Erbrechen hat man bisweilen rohe Austern »virksam gefunden. Gegen das furchtbare Erbrechen, welches die Darm­entzündung bei eingeklernmtem Bruch begleitet, und zuletzt in Kotherbrechen übergeht, empfiehlt Brandis dringend eiskaltes Wasser reichlich zu trinken und damit Umschläge auf der: Unterleib zu mache».

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