Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

26 Bei Diarrhoe und Harnbeschwerden ist Mandelmilch das passendste Getränk. Einige dünne Scheiben Reincttenäpfel, mit kvchev- dem Wasser aufgegossen, geben den Apfelthee der Englän­Er wird warm getrunken. Einige sehen noch Citro- neu fast und Zucker hinzu. Schwache Kalbfleisch - Boniklon , wobei ein Stück ma­geres Kalbfleisch ohne Salz mit viel Wasser gekocht und mit Sauerampferblättern abgebrüht wird, bildet eines der gewöhnlichsten für antiphlogistisch angesehenen Krankenge» tränke der Franzosen, unter dem Namen Tisane de Yeau vder Bouillon aux herbes. In Rußland ist in entzündlichen Krankheiten die Fischsuppe eine sehr beliebte Krankenspeise. Sic besteht auS einem dünnen Absud von kleinen Fischen mit Cltrv- uensaft und Gurkentake gewürzt. Zu den ab leitenden Hautreizen können als Hansmitel angesehen werden: Zerriebener Mcerrcttig, Senfmehl und Essig, ein Teig von Jugwerpulver und Branntwein, Sauerteig, zerqueschte scharfe Pflanzen, na­mentlich Zwiebeln, Knoblauch, Schöllkraut, Mauerpfeffer, Hauslauch, selbst die Seife, zumal die Schlechten Sorten gehören zu den wirksammen, die Hant röthcnde Mit­teln, wenn sie, dick ans Leinwand gestrichen, aufgelegt wird. Di e Griechen um Athen brauchen in allen hitzigen Krankheiten Umschläge von zerflossenen Schnecken mit Fleisch und Schaale auf die Fußsohlen. Dieß wirkt als roth- machendes Mittel und zieht selbst Blasen. Die berühmtesten, als ableitende Hautreize wirken­den Lvlksmittel, sind die im Orient gebräuchlichen Mvxen. In Asien hält man nämlich gewisse Dünste oder Blähungen für die Ursache der meisten Krankheiten, und glaubt, daß diese nicht besser, als durch Brennen, geho­ben werden können. Die Araber bedienen sich als Moxa eines blauen baumwollenen Stückchen Tuches. Die Bedui­nen brauchen dazu gemeine Baumwolle, die Kamtsehada- len Zunder, den sie komisch anfrvllen, binden und oben anzündcn; die Braminen das Mark eines Binsenrohres; die Chinesen und Japanesen eine weiche faserige Materie von aschgrauer Farbe von den jungen Blättern einer Ar­temisia. In Frankreich , wo man in neu ein Zeiten viele günstige Erfahrungen von der Anwendung der Mvxen, un­ter andern in der Schwindsuchtgemacht hat, werden die Brenncylinder entweder aus feinem Flachs, mit Kattun umwickelt und in eine Salpeterauflösung getaucht, oder aus dem Mark der großen Sonnenblume, welches Salpeter auf seiner Oberfläche enthält, bereitet. II!. Mittel gegen den Gesichtsschmerz. Hier wirkt starker Druck und das reiben der Backen mit rauhen Tüchern lindernd. Nichts aber soll die wüthen- den Schmerzen mehr besänftigen, als kaltes Wasser, mit­telst Compressen aufgelegt. Auch heiße Dämpfe von sie­dendem Wasser einige Sccunden lang auf die schmerzhafte Stelle geleitet, hoben vollkommen und auf die Dauer einen Gesi'chtsschmerz, der 2 Jahre gedauert hatte. Bei einem jungen Frauenzimmer, die ihre Krankheit von Erkältung herleitete und beständig an kalten Füßen litt, wandte man mit gutem Erfolg, das Peitschen der Füße bis zu den Knien mit Brcnncsseln, an. Bei einigen an Gcsichtsschmerz Lei­denden, hat mau den reichlichen Genuß von rothem Wein hülsreich gefunden. IV. Mittel gegen Kopfweh und Migraine. Gegen Anfälle von habituellem Kopfweh soll man ein großes Glas frisches Wasser trinken und darnach in freier Luft spazieren gehen. Das Kopfweh bei hysterischen Frauenzimmern weicht aber oft nicht eher, als bis die Patientin sich ruhig m>* derlegt und Alles dunkel und still um sie ist. Be lästigen unverdauliche Speisen den Magen, so vergeht daS daher entstandene Kopfweh nach Erbrechen, welches man daher zu befördern trachten muß. Auch ein Klystier erleichtert durch seine ableitende Wirkung oft schneller, als jedes andere Mittel. Marmvntcl wurde von einem siebenjährigen einseitigen Kopfschmerz (Migraine) durch Wassertrinkcn vollkommen befreit. Bocrhaave rieth einem an chronischem Kopfschmerz leidenden Manne, öfters warme Fußbäder zu nehmen und ftcdcsmal darnach die Füße mit Flanell zu reiben; ferner alle Morgen den Kopf und die Schläfe mit einem in kaltes Wasser gcdauchtcm Tuche zu reiben; während des Anfalles aber warmes Wasser aus der hohlen Hand in die Nase einzuziehen, wodurch der Schmerz besonders gelindert werde. Die Neger am Senegal reiben sich, wenn sic an Kopf­weh leiden, die Stirn mit einer lebendigen Kröte, und finden sieh dadurch erleichtert. Unzer hat folgendes unzählige Mal gegen Kopfweh versucht: man schält von einer Citrone ein Stück der Schaale, von der Größe eines Zwanzigers, so daß kein Weißes da­ran bleibt, und legt dieß mit der nassen Seite an einen der Schläfe, wo cs fest klebt und in kurzem einen rothen Fleck zieht und brennendes Zucken verursacht, wovon der Kopfschmerz in wenigen Minuten verschwindet. Nach Galen sott man zerstoßene bittere Mandel auf die Stirn binden, und bei einem nach einem Rausch ent­standenen Kopfweh einen Kranz von frischen Rosen aufsetzen. Du rch eine Prise Spaniol, tief in die Nase einge­schnupft, finden sich manche die an Migraine^lciven sehr erleichtert. Manche haben sich durch Gewöhnung ans Tabackschnupfcn von ihrer Migraine völlig befreit. In Prag wird aus wilden Kastanien ein Pulver berei­tet und verkauft, welches wie Taback geschnupft, als Spe- cisicum gegen Migraine angesehen wird. Bloßes sorgfältiges Kämmen der Haare, jedesmal

Next

/
Oldalképek
Tartalom