Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

25 Gegen daö Wundfeyn, woran viele, selbst rein­lich gehaltene, Kinder leiden, sind Kleicnbädcr und das Bestreuen mit gewöhnlichem Haarpuder, sehr lindernd. Zugleich ist hier Salbeithee, innerlich gebraucht, heilsam. In der Gelbsucht der Neugebvrnen sind einige warme Bäder oft zweckmäßiger als Purgiermittet. In der Bla «sucht, so ricth ein preußischer Arzt, soll man das Kind brav schreien lassen, um den kleinen Kreislauf in Ordnung zu bringen. Gegen Kolik der Kinder, wobei übermäßige Luft­entwicklung und Säure im Darmkanale stattfindet, sind Anisthee, Reiben des Leibes mit der bloßen Hand, dcß- gleichen Klysticre aus Kamillenthcc oder Haferschleim cm- pfehlenswerth. In der Z e l lg e w c b 6 v crh ä r tu n g hat man das Elnhüllen der starren und kalten Glieder in erwärmte, frische, fette Wolle und das Bedecken mit Wachstaffct, dienlich gefunden. Warme Salbeibädcr und Dunstbädcr, innerlich Pfeffermünzthee und Wein, sind die Mittel, deren man sich noch jetzt im Pariser Findcllranse gegen dieses Ücbcí bedient, welches dort von Erkältung hcrgelcitet wird. Bei Convulsionen der Kinder, welche mit Mund­sperre und verhindertem Schlingen verbunden sind, passen warme Kräuterbäder und Klystiere. Den vor gefallenen Mastdarm läßt man mit rothem Wein waschen und damit angefeuchtete Schwämme auf den After binden. Sehr wirksam ist auch ein Pulver aus Cvlvphvnium und arabischen Gummi zu gleichen Thci- len, welches auf den vorgefatteuen Mastdarm gestreut, und dieser hernach zurückgebracht wird. Gegen langwierige Diarrhoe ist der Genuß von Reis und Milch oder Fleischbrühe gekocht und mit viel Muskatnuß bestreut, sehr heilsam. Gegen das nächtliche Ein pissen der Kinder, was bei manchen weit über das siebente Jahr dauert, hat man Eichenlaubwasser zu trinken empfohlen. Die Hauptsache ist aber: daß man das Kind wenigstens ein Mal des Nachts »ufweckt und an die Befriedigung der Harnausleerung erin­nert. Auch unterlasse man, ihm abends Thee oder andere wässerige Getränke in Menge zu geben. Bei Anlage zum Wasserkopf wird gerathen, das Kind sv viel als möglich aufrecht zu halten, daher man chm das Bett so zurichten soll, damit der Kopf hoch liege. Zugleich wird ein kühles Verhalten des Kopfes empfohlen. Die Darrsucht der Kinder, wobei der Leib an- fchwillt, während der übrige Körper abmagert, eine häu­fige Krankheit derjenigen, die ohne Mutterbrust anferzo- gcn werden, findet in einer guten Ammcnbrust ihr sicher­stes Heilmittel. Auch ist der Eichelkaffee hier von großem Nutzen. Bei der englischen Krank he lt hat eine zweck­mäßige Diät den größten Werth. Durch eine gesunde, ge­gen die Mittagsseite gelegene Wohnung, durch Aufenthalt <wf dem Lande, häufige Bewegung, in freier Luft, warme 1 Flanettkleidung, Bäder, Fleischkost und Wein ist man oft noch im Stande, eine Säfteverderbniß zu heben, die, wen» sic nicht beachtet wird, zwar selten tobtet, aber den Kör­per schmählich verunstaltet. Der Eichelkaffee ist auch hier ein gutes, stärkendes Mittel; deßgleichcn bekommen wei­che Eyer solchen Kranken besonders gut. In England, wo diese Krankheit sehr häufig ist, wendet man Seebäder und das Regenbad mit Erfolg dagegen an. Ebenso hat man die nützliche Anwendung eines warmen Bades aus einer Ab­kochung von Kastanienrinde als sehr heilsam erfahren. II. Hausmittel und Diät bei Fieber und Entzündung. ] Auch den rohesten Völkern ist das entzündungswidrige Verfahren in hitzigen Krankheiten nicht fremd, denen sie mit Diät, kühlenden Getränken, Blutentziehungen und ableitenden Hautreizen begegnen. Die nordamcrikanischcn Indianer trinken in Fiebern nichts als Wasser. Sie foigftt darin der Natur, die in Fie­bern nichts als Wasser verlangt; denn der menschliche Körper verbraucht in Fiebern eine enorme Menge von Säf­ten, daher die Nvthwendigkcit, viel wässeriges Getränk zu trinken. Auch befördert das kalte Wasser in hitzigen Fie­bern die Krisen durchSchweiß, Urin und Stuhlabgang. Das älteste und berühmteste Krankengetränk ist die Gerstentisane des Hippokrates. Sie war nichts anders als unser Gcrstenwasser, welchem man etwas Essig, Honig und Ocl zusetzte. De n meisten Fieberkranken ist ein Trunk frisches Waf­er das größte Labsal. Statt des gewöhnlichen Brunnenwassers kann man zuweilen durstenden Fieberkranken ein angenehmes kohlev- saures Mineralwasser darreichen. Bei Katharrfiebern, Masern, Blattern und Schar­lach eignet sich kaltes Brunnenwasser mit einem kleinen Zusatz von warmer Kuhmilch als mildes, schweißtreibende» Getränk. Ei nige Schnitten über Kohlen geröstetes Weitzenbrot, in frischem Wasser eingeweicht, theilt demselben einen am genehmen Geschmack mit, und paßt als Krankengetränk. Dagegen Brotwasscr, wie es häufig ans einer Menge ver brannter Rinden vvn saurem Brvde bereitet wird, unpas­send ist. Das Hufcland'sche Krystallwasser ist ein treffliches Getränk in hitzigen.Fiebern. Man nimmt 1 Loth Cremoc Tartari, kocht es mit 6 Pfund Wasser in einem neue* Topf sv lange, bis das Pulver ganz zergeht, dann, nach­dem es vom Feuer genommen, schneidet man eine Citrouc in Scheiben hinein und fügt einige Loth Zucker bei. Für entkräftete Fieberkranke ist in manchen Füllen Wasser mit Wein das passendste Getränk. Bei den Franzosen ist gegenwärtig Znckerwasser mit einem kleinen Zuwachs von Pvmeranzenblüthenwaffer das beliebteste Getränk. 4

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