Folia historica 14
Veres Lujza: Festett herendi porcelánportrék a Magyar Nemzeti Múzeumban
Den Einfluss der Fotografie kann man nicht ausser Acht lassen, da die erste Periode in der Geschichte der ungarischen Fotografie zwischen den 50er und den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts Hegt. Imre Fejős berichtet über die fotografische Tätigkeit mehrerer Maler (z.B. Barabás, Munkácsy). Sie und viele andere von ihren Landsleuten stellten diese neue und billige Errungenschaft der Technik für die Schaffung einer Nationalkunst in den Dienst ihrer visuellkünstlerischen Betrachtung. Kein Zufall, dass die erste Amateurphotographengesellschaft von Vince Wartha, dem ,Apostel" des Kunstgewerbes organisiert wurde. Antal Országh machte in Paris Versuche mit Porzellanfotos. Demgegenüber brachte Ferenc Veress (aus Klausenburg, Kolozsvár) selbst eine Neuerung: er entdeckte die für Fotokeramik geeignete Emailemulsion, die er nachher auch färben konnte. Seine Erfindung war nicht vergeblich. Das Porzellanfoto kann als eine eklektische Art aufgefasst werden, die ein Zwischending von Bildnis, Foto und Suvenier bildet. Als erstes aus der Sammlung behandelt die Studie ein kleines Kniestück eines jungen Mannes (Abbildung 1), dessen Stil von der traditionellen Bildnismalerei der 30er und 40er Jahre bestimmt wurde. Nach einigen Meinungen stelle das Modell den jungen Mór Fischer dar, das scheint aber unwahrscheinlich zu sein. Das Stück ist ohne Signatur. Die lockere Einstellung und Haltung der Gestalt schliesst nicht aus, dass es sich um ein Selbstporträt handelt. Zur frühzeitigen Analogie dient das Selbstbildnis von Miklós Gyula Gál aus den 1820er Jahren. Die Einstellung, das kleine Ausmassund das Zirkelmotiv bezeugen die Verwandtschaft. Ein späteres Porzellanporträtsvon Fischer, welches in der (mit dem ersten) gleichen Grösse und mit Rahmen verfertigt wurde, stellte man zum hundertjährigen Jubiläum von Herend aus (das Bild entstand 1851). Dieses trägt schon den obenerwähnten fotografieartigen, naturalistischen Charakter. Als zweites beschreibt die Verfasserin ein ovales Kniestück aus dem Jahre 1846, wo das Modell Graf Károly Esterházy vor einer Waldlandschaft dargestellt wurde (Abbildung 2). Die Malweise des Gesichts zeugt für die Kenntnis von Barabás. Es wurde meisterhaft verfertigt. Sein Vorbild war eine Lithografie von Gabriel Decker aus dem Jahre 1845. Das Bild ist auch bezüglich der Geschichte der Fabrik wichtig. Auch die Entwicklung der Fabrik von Herend entsprach den Zielsetzungen des Schutzvereines. Für die Weiterentwicklung suchte Mór Fischer um ein Darlehen in Paris an und Esterházy leistete die Bürgschaft dafür. Der Graf Esterházy unterstützte Fischer seit langem, er liess ihm, seinem Wirtshausmieter, die Fabrik zukom60