Folia archeologica 54.
Tibor Kemenczei: Funde der skythisch geprägten Aföld-gruppe in Trans-danubien
120 TIBOR KF.MENCZEI lermes). 3 8 Das Motiv kann auf die vorderasiatische Kunst südlich des Kaukasus zurückgeführt werden. Auf dem Stempel von Bátaszék wurde unter dem geflügelten Greif auch eine kleine Tierfigur dargestellt. Ähnlich geordnete Darstellungen von verschiedenen Tierfiguren, Hirschen findet man unter den Denkmälern der skythischen Kunst im Steppengebiet und im Ciskaukasusraum. 3 9 Nur in einigen Fällen kommt eine Tierdarstellung auf den Tonstempeln aus der Tiefebene und aus dem Nordgebiet (Gyula, Kecel, Preselany nad Iplom) 4 0 und aus Transdanubien (Sé-Dobredó: Abb. 6, 1) vor. Von diesen kann die Formgebung des Krallen des Tiers auf dem Exemplar von Sé mit der des Tieres von Bátaszék verglichen werden. Was den Ursprung der fur die Alföld Grappe typischen meistens reliefartigen geometrischen Motive (konzentrische Kreise, Spiralen, Hakenkreuze, Quadrate, Rhomben) tragenden Tonstempel betrifft, gelang es der Forschung bis jetzt nicht, einen überzeugenden Standpunkt zu vertreten. Auf Grund der im Ciskaukasusraum zum Vorschein gekommenen ähnlichen, vorskythenzeitlichen Fundstücke hielt Mihály Párclucz für vorstellbar, dass die Stempel von der Tiefebene einen östlichen Ursprung haben. Aber er hielt diese Hypothese wegen der großen Entfernung zwischen den zwei Gebieten für nicht belegbar. 4 1 Neuerlich tauchte auf Grund eines bei Odessa gefundenen skythischen Stempels die Hypothese wieder auf, wonach der Gebrauch der Herstellung und Benutzung der Tonstempel aus dem Steppengebiet ins Karpatenbecken gelangte. 4 2 Die Figur auf dem Tonstempel von Bátaszék trägt die Merkmale des skythischen Tierstils, daher hat dieses Stück zweifellos einen östlichen Ursprung. Sein Fundort liegt in Transdanubien, trotzdem kann es nicht für das Produkt der Kunst der dortigen Hallstattkultur gehalten werden, es soll ins Gebiet westlich der Donau aus einem Gebiet gelangt sein, wo der skythische Stil verbreitet war. Dieses Gebiet ist die Ungarische Tiefebene, wo zahlreiche Gegenstände verschiedener Funktion mit Tiermotiven verziert wurden. Diese Gegenstände (z.B. Goldhirschfiguren, Dolche, Köcherverzierungen, Pferdegeschirrteile, Spiegel) widerspiegeln das gleiche Weltbild, die gleiche Glaubenswelt, die die Völker von Skythien ihr eigen hatten. Ein Teil der Produkte des skythischen Tierstils konnte aus dem Steppengebiet in die Ungarische Tiefebene gelangt sein, aber die Mehrzahl wurde von örtlichen Handwerkern nach östlichen Vorbildern angefertigt. Die Darstellung auf dem Stempel von Bátaszék entspricht dermaßen dem skythischen Tierstil, dass das Fundstück sowohl für das Produkt einer Werkstatt der Tiefebene wie auch für das einer des Steppengebietes gehalten werden kann. Die Mehrzahl der Tonstempel der Tiefebene gelangte aus Gräbern ans Tageslicht, aber einige Stücke wurden in Gruben und Häusern von Siedlungen gefunden. Auch ein Teil der Exemplare aus Transdanubien ist Siedlungsfund. Das geometrische Motiv zeigte nicht die Position je einer Person in der Gemeinschaft, es war lieber ein Verzierungselement der Bekleidung. Die Größe und Darstellung des Exemplars von Bátaszék weisen darauf hin, dass es zur Verzierung einer Textilie besonderer Funktion diente. Unter den Denkmälern der Hallstattkultur in Transdanubien kommen auch scheibengedrehte Tongefäße, graue Schüsseln, Krüge und derartige Bruchstücke vor (Bâta: Abb. 2, 1, Budapest-Békásmegyer: Abb. 2, 2, Ménfőcsanak: Abb. 4, 3-5, 3 8 GALANINA 1997, Taf. 1, Taf. 9. 3 9 ARTAMONOV 1970, Taf. 113: "Sieben-Brüder"-Kurgan. 4 0 KISFALUDI 1997, 77. Abb. 2, 2-4. 4 1 PÁRDUCZ 1973, 33. 4 2 CHOCHORIWSKI 1998, 484-486.