Folia archeologica 51.
Endre Tóth: Római űrmértékek a Magyar Nemzeti Múzeumban
144 ENDRE TÓ TH Die grammatische Deutung des Wortes Sermiense der Inschrift ist fraglich. Zuerst dachte ich, 2 5 der letzte Buchstabe des Wortes sei ein ebensolches Zeichen wie der Buchstabe S am Zeilenende: Sermienses. Nach Vorschlag der Année Epigraphique 2 6 ist S ein epigraphisches Zeichen, das das Ende der Inschrift angibt: das ist tatsächlich glaubhafter. „La forme Sermiensa, au lieu de Sirmiensis ..., résulte vraisemblablement d'une réfection analogique effectuée a l'exemple des mots qui précèdent". Demnach hieße die Auflösung der Wortes der Inschrift: Sermiens(a)e. Das halte ich aber wegen der Sarkophaginschrift der Sirmiumer Äbtissin Iohanna, 2 7 die im selben Jahrhundert wie die des Meßgefäßes eingemeißelt wurde, für unwahrscheinlich. Auf der Inschrift steht requiescit in pace sanct(a) abtissa Iohanna Serm(i)enses, also hat die Endung -a der drei Wörter vor Sermienses die Endung des Ortsnamens nicht beeinflußt. Im Falle des Meßgefäßes halte ich die Auflösung Sermiense(s) für möglich. Wegen der historischen Bedeutung der Stadt sind zahlreiche Erwähnungen Sirmiums in den Quellen und auf epigraphischen Denkmälern erhalten geblieben. Unter ihnen 2 8 kommt häufig vor, daß bei der Adjektivform das -i- im Stammauslaut ausfallt: Es wurde Sinnenses statt Sirmiensis eingemeißelt. 2 9 In den handschriftlichen Textvarianten kommt der Stamm Serm- vor. 3 0 Der Stadtname blieb auch in den frühmittelalterlichen byzantinischen griechischsprachigen Quellen unverändert. Allerdings überlieferte Hierocles 3 1 die Namensform Sermion und Orosius Sermium (vor 535). 3 2 Selbst wenn der Name Sirmion in den späteren byzantinischen Quellen ebenfalls bewahrt wurde, hieß der Stadtname vor der ungarischen Landnahme doch Sermion oder Sermium. Nur aus solchen Namensformen konnte - wie János Melit h festgestellt hat 3 3 - durch awarische und slawische Vermittlung der ungarische geographische Name Szerém(ség) entstehen. Ein epigraphisches Zeugnis für die Namensform Sermium ist die erwähnte Inschrift 3 4 der Äbtissin Johanna (Salona, Monastil ine): Hic requiescit in pace / sanct(a) abtissa Johanna / Serm(i)enses qui bixit ann(os) XL / die Veneres exiit de corpore / IIII Idus Maias indictione qufar oder in ]/ta decima. Das i des Wortstammes wurde mit e und das Adjektivsuffix -ensis als -enses geschrieben. Sermium spricht dafür, daß der Stadtname im 6. Jahrhundert (auch) Sermium gelautet bat, die Frage ist, wann dieser Wortgebrauch begonnen hat. Daraus, daß die Namensform aus dem 6. Jahrhundert erhalten ist, folgt nicht notwendigerweise, daß das Meßgefäß wegen der Form Sermienses nur ins 6. Jahrhundert datiert werden kann. Dennoch spricht die Schreibung Sermienses dafür, die Gravierungszeit der Inschrift in die Tóth 2000. 2f> AÉ 1999:1256 27 CIL III 9551 = AÉ 1976:522 Ith habe die Sammlung von A. I lolder (Alt-celtischer Sprachschat/ I-III) und E. Höring (Die geographischen Namen des antiken Pannonién, Inaugural-Dissertration, 1950) sowie das Material der Heidelberger Datenbank (HDU) Année Epigraphique benutzt, wofür ich mich auch auf diesem Wege bedanken möchte. 29 AE 1910 Nr. 172 (Singidunum): dee. col. Sirmens.; CIL VI 37213 = ILS 4044: ...nat. Pannon, pede Sirmese pago Martio vico Budalia; CIL III 1987 (Salona) Fidentius ex comitibus Sirmesis; ND occ. 9,18: Fabrica in Illyrico: Sirmensis scutorum, scordiscorum el armorum. 1 1,47: procurator gynecii Sirmensis, Pannoniae secundae, 32,54: ala Sirmensis; Cassiodorus, var. ad expedicionem (a.504) directus est Sirmensem. 3" Siehe diese bei Höring 1950, 69. si Hierocles, synekdémos 657,8. PL 113, 141-156; Parthey, 8166; Burckhardt, A., Teunb. 1893, Honigmann 1939. 32 Orosius VII 24,3: Pannónia prima in qua est Sermium. (CSEL 5, 1882, 1889). Raymond 1936. 33 Melich 1927, 76-79; Kiss 1988 4, II, 573 3-1 CIL III 9551 = AÉ 1976, 522 = Dobó 250