Folia archeologica 49-50.
Csaba Tóth: A „szerecsendenár”
FOLIA ARC.HAELOC.ICA XL.IX-I.. 2001-2002. BUDAPEST DER „SARACH EN-DEN AR" Csaba TÓTH Ein typischer Zug der ungarischen Geldgeschichte in der Anjou-Zeit ist der besonders differenzierte Gebrauch der Münzbenennungen, der ganz bis zur Neuzeit beispiellos ist. Die numismatische Forschung, die etwa zweihundert Jahre hinter sich hat, identifizierte die Mehrheit dieser Münzbenennungen verläßlich, und verband sie mit konkreten Münztypen. Trotzdem sind noch immer mehrere solche Ausdrücke geblieben, bei denen es noch nicht gelungen ist, den Ursprung auf Grund unserer heutigen Kenntnisse zu klären. Im folgenden Aufsatz beschäftigen wir uns mit einer solchen Münzbenennung, die um die Wende des 14.-15. Jahrhunderts in unseren mittelalterlichen Urkunden in verschiedenen Zusammenhängen oft vorkommt, die aber trotz mehrerer Versuche bis jetzt nicht identifiziert ist. Es gelang noch immer nicht, mit aller Sicherheit festzustellen, welche Münze darunter zu verstehen ist. Dieser Ausdruck heißt „bardus", dessen Identifizierung grundlegend für das Begreifen der Geldgeschichte der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist. Um diejenige Struktur rekonstruieren zu können, in der diese Münzbenennung entstand, um diese Benennung mit einem konkreten Münztyp identifizieren zu können, ihre Herkunft und Entwicklung klären zu können, braucht man die Verwendung eines weitumfassenden Quellenmaterials, welches möglichst alle aus den schriftlichen und gegenständlichen Quellen gezogenen Folgerungen umfasst. Damit machen wir im Folgenden einen Versuch. FORSCH UNGSGESH1CHTE Im Jahre 1801 erschien das geldgeschichtliche Werk von István Schönvisner, der erste ungarische Münzkatalog. Der Verfasser des Katalogs versuchte nicht bloss das gegenständliche Material zusammenzusammeln, er beschäftigte sich auch mit den der Münzprägung bezüglichen schriftlichen Quellen. Schon in diesem Werk wurde der Ausdruck „bardus" erwähnt, aber Schönvisner versuchte ihn noch nicht zu deuten. 1 Auch das Kapitel „Pénztani böngészet" [„Münzkundliche Schmökerei"] des 1846 erschienenen Werkes von Jakab Rupp erörtert kurz diesen Ausdruck und hält die Münze für einen ausländischen, genauer nicht bestimmten lombardischen Typ.- Die Erklärung ist wohlklingend, obwohl diese Etymologie nur fonetisch - (lom) bardo - eine Analogie aufweist, wurde trotzdem in der Forschung so sehr tief angewurzelt, dass auch etwa neun Jahrzehnte später Alfred Schulek diese 1 Schönvisner 1801. 324-325. 2 „A bai dói (Bardus) vagy lombardi pénz leginkább Zsigmond alatt volt forgásban; ezekből kettő ért egy kisebb garast, s eleinte 100. azután 72. sőt még 38. is egy forintot." ["Die bardische (bardus) oder lombardische Münze war zumeist zur Zeit der 1 lerrschaft von Sigismund im Geldverkehr; zwei davon waren einen kleineren Heller wert, und anfangs 100 dann 72 dann sogar 38 davon einen Gulden wert"! Rupp 1846. 152.