Folia archeologica 49-50.

Endre Tóth: A magyar Szent Koronáról. (Kutatástörténeti beszámoló)

DIE UNGARISCHE HEILIGE KRONE 321 Die Heilige Krone wurde aus zwei Hauptteilen zusammengesetzt. Vom unte­ren Teil (corona graeca) unterscheidet sich der obere Teil (corona latina 1 4) sowohl goldschmiedetechnisch als auch im Stil der Zellenemailbilder. Der das Gerüst der Krone bildende untere Reif und das Kreuzband wurden gesondert, mittels Hartlötung hergestellt. Beide Teile wurden dann aber mittels Nieten zusammengepaßt (und repariert: Abb. 5). Das konstruktionsmäßig aus zwei Teilen bestehende Gerüst harmoniert mit dem unterschiedlichen Stil der auf dem unteren und oberen Kronenteil angebrachten Emailbilder. Die corona latina wie die corona graeca sind einheitlich mit Perlendraht umrahmt, aber dessen Muster unterscheidet sich auf dem unteren und dem oberen Teil. 1 5 Unbestreitbar ist der Reif (corona graeca) wegen der Giebelverzierungen eine typische byzantinische Frauenkrone, die deshalb nicht dei ungarische König Géza I., sondern nur seine Ehefrau griechischer Abstammung bekommen konnte. 16 Unabhängig davon konnte sie aber in Ungarn später auch der König tragen. Nichts spricht dafür, daß sie in Ungarn wesentlich umgestaltet worden sei. Die Struktur der corona graeca steht wohl auch dann in ihrem ursprünglichen Zustand vor uns, wenn Fragen übrigbleiben, die heute noch nicht befriedigend beantwortet werden können. 1 7 An der corona graeca sind zwei Änderungen zu beobachten, aber keine von ihnen hat die Konstruktion modifiziert. 1 8 Von der Unterkante des Reifs hingen ursprünglich seitlich je zwei und hinten ein Kettenanhänger herab. Die fünf Ose, in die die Ketten eingehängt sind, sind auch heute unten am Reif zu sehen. Noch je zwei weitere Seitenanhänger wurden an die Krone angefügt 1 9 (Abb. 6). Dies ist zwar im ersten Moment ein winziges Detail, aber dennoch ein gewichtiges Argument gegen eine Umgestaltung in Ungarn. Hätte man nämlich die griechische Krone in Ungarn umgestaltet und die Emailbilder auf einen neuen Kronreif montiert (während der Regierungszeit Bêlas III. oder später), wären unten an den Reif nicht Ösen für zwei, sondern für vier seitliche Anhänger angelötet worden. Es wäre nicht nötig gewesen, das Reifblech selbst zu durchlöchern, um erneut Ketten anzubringen. Die zweite Änderung der corona graeca spricht ebenfalls gegen eine Umges­taltung in Ungarn. Die wesentlichste Beobachtung nach der Heimkehr der Krone war die Präzisierung einer Wahrnehmung von Magda Oberschall 2 0: Die Kaiser Michael darstellende Platte verdeckt nicht nur die den Reif oben säumende Perlenreihe, sondern paßt auch nicht in den Rahmen, weil das Emailbild größer ist als der zur Verfügung stehende Platz. Es war eine wesentliche Änderung, daß 1 4 Ich behalte die Bezeichnung corona latina bei, obwohl das Kreuzband an sich keine Krone war. 1 5 Beobachtung von Bogyay 1991, 31 1 6 Über die byzantinische Frauenkrone s. Den /.. Mittelalterliche Frauenkronen in Ost und West, in: Schramm, E. P., Herrschaftszeichen und Staatssymbolik II, 1955, 418—449 1 7 Dabei denke ich an die Steinfassungen mit Krallen auf dem Reif der corona graeca, die József Deér mit der Fassung mit Krallen des Fingerringes aus dem Székesfehérvárer Grab Bêlas III. verglichen hat. Die Fassung des Ringes ist aber kein ausreichendes Argument für die Kralleneinfassung der Steine auf der corona graeca. Die Krallenfassung kommt selten auch auf byzantinischen Gegenständen vor, so auf einer Buchdecke von der Wende 10.-11. Jh.: FLat. San Marco 1984, Nr. 13., 157. Als dritte sind die Steine zu nennen, wobei ich nicht an den in der Regierungszeit Matthias' II. auf der Rückseite der Krone montierten Aquamarin denke. Einzelne Steine (die rechteckigen dunkelgrünen Glassteine) sind kleiner als die Fassung: möglicherweise spätere Ergänzungen. 1 9 Die beiden äußeren Ketten hängen auf der Seite von Cosmas und Georg an Ringen, die an den Reif angelötet wurden, in 55 mm Entfernung voneinander; auf der anderen ist die Entfernung 59 mm. Die beiden mittleren wurden später angebracht, indem sie in den gelochten Reif eingehängt wurden. 2 0 Bárányné Oberschall 1947, 91

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