Folia archeologica 49-50.

Zsolt Mráv: Egy litterae aureae felirat Intercisából

EINE LITTERAE AUREAE-INSC.HRIFT 225 ganz am Rand des Inschriftfeldes gebohrt. Die meisten Buchstaben würden mit dem rechten oder unteren Rand wahrscheinlich über das Schriftfeld hinausragen. Das Verhältnis der beiden Dübellöcher zueinander engt die verbleibenden Möglichkeiten auf die Buchstaben C oder G ein, wobei es naheliegender scheint, ein G anzunehmen, da das in der kaiserlichen Titulatur vorkommende Wort AUG mit einem Ci endet. Zudem kann man die beiden vor dem G gebohrten und durch einen Schrägstrich zu verbindenden Dübelllöcher nur als ein V deuten, während das erste Dübelloch den rechten Balken eines A-Buchstabens festhielt. Die Platzierung des Textes sowie die in der ersten Zeile niedergeschriebene Wendung pro salute et victoria setzen einen die ganze Länge der zweiten Zeile einnehmenden, voll ausgeschriebenen Kaisernamen voraus. Vor dem Wort AVG läßt sich an der verfügbaren Stelle - und innerhalb des besagten Zeitintervalls (Severerzeit) ­außer Caracalla kein anderer Kaisername einfügen. Die zu ergänzende, am häufigsten vorkommende Namensvariante ist: [Imp(eratoris) Caes(aris) M(arci) Aur(elii) Antonini pii felicis] Aug(usti). 4> > Das den senkrechten Balken des letzten Buchstabens der dritten Zeile fixierende obere Dübelloch wurde höher ausgebohrt als die am oberen Abschluss der Zeile verlaufenden übrigen Löcher. Diese höher angesetzte Bohrung diente eindeutig zur Befestigung einer I-longa, welche als letzter Buchstabe eines Namenwortes gut zu der durch die Dedizierung Vorausgesetzen Genitivfor­mulierimg passt. (Die Benutzung der litterae longae wird nicht datierend gewertet, da ihr Vorkommen während der ganzen Kaiserzeit - so auch im 3. Jh. n. Chr. ­nachweisbar ist. 5 0 In Intercisa findet man sie beispielsweise an der Inschrift der Basis einer 240 n. Chr. für Gordianus III. gestifteten Statue. 5 1) Der erste erhalten gebliebene Buchstabe dieser Reihe (von hinten gerechnet der dritte) war mittels drei Dübeln an der die Inschrift tragenden Steintafel befestigt. Die in den Spitzen auf den Kopf gestellter Dreiecke gebohrten Dübellöcher weisen eindeutig auf die Befestigung eines T-Buchstabens hin. Das letzte Wort der dritten Zeile endet also mit den Buchstaben [— J X [-] I. Unter den in der kaiserlichen Titulatur vorkommenden Namen und Titeln kann man zur Ergänzung ausschließlich den Ausdruck [nosjtri in Betracht ziehen. Die vier zwischen dem T- und dem I­Buchstaben befindlichen Dübellöcher könnten problemlos einen R-Buchstaben fixiert haben. Das Wort [nosjtri wurde nach dem Namen des Kaiser aufgeschrie­ben, es dürfte also - die Möglichkeit einer Interpretierung als Dominus noster ausschließend — nicht zum Namen und zur Titulatur des Imperators gehört haben. Bleibt als einzige Möglichkeit zur Deutung des Wortes nostri, auch den Namen und die Titel der Iulia Domna - die in den während der Alleinherrschaft Caracallas enstandenen Ehreninschriften oftmals mit ihm gemeinsam genannt wird - im Text der Inschrift unterzubringen, und zwar in der Form [Iuliae Aug(ustae) matris Angusti nosjtri. Diese Formulierung läßt sich an der verfügbaren Stelle der Zeile exakt einfügen. In der folgenden vierten Zeile waren gewiss die Titel mater castrorum et senatus et patriae, die Iulia Domna vor dem 4. Februar 211 n. Chr. erhalten hatte, angeführt. 5 2 Diese füllen die Zeile nicht in voller Länge aus, und auch die beiden 4 9 Zu den vorkommenden Formen des offiziellen Namens von Caracalla s.: Mastino 1981; Kienast 1996, 163-164. 5 0 Litterae longae sind in den Inschriften der Stadl Rom, mit wechselnder Häufigkeit, ab dem 1.-2. Jahrhundert v. Chr. bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. anzutreffen. RICCI 1992. 18. 5 1 RIU 1143. 5 2 Benario 1958, 67-70; Kettenhofen 1979, 86-97; Mastino 1981, 142; Keinast 1996,

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