Folia archeologica 38.
Kemenczei Tibor: A békéscsabai aranylemez
152 KEMENCZEI TIBOR Hippokampus darstellt. 2 1 Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch das Goldblech von Békéscsaba ein ähnliches Wesen zeigt. Der Stil bei der Formgebung des Tieres entspricht der Betrachtungsweise der spätskythischen und thrakischen Kunst. 2 2 Es soll noch erwähnt werden, daß auch längliche, ovale Ziernadeln aus Gold in Nesebär (Thrakien) zum Vorschein gekommen sind. Der obere Teil dieser Form zeigt aber einen Frauenkopf. Ihr mittlerer, aus Blech gefertiger Teil ist von einer aus kleinen Buckeln bestehenden Verzierung bedeckt. Ihre Zeit wurde auf das 3. Jh. v. u. Z. bestimmt. 2 3 Kein einziger aufgezählter Gegenstand zeigt gänzlich dieselbe Form und Verzierung, wie der Fund von Békéscsaba. Im ganzen genommen verrät aber dieser Gegenstand die engste Verwandtschaft mit den aus dem 5—4. Jh. v. u. Z. stammenden Denkmälern der thrakischen Goldschmiedekunst, die die Elemente der griechischen, iranischen und skythischen Kunst übernommen 2 4 einen selbständigen Kunststil erschaffen hat. Die Bevölkerung des Alföld hatte im 5—4. Jh. v. u. Z. nicht mit Thrakien, sondern mit dem Gebiet der Illyrier im NW-Balkan engere Beziehungen. 26 Es gibt aber auch solche Meinungen, wonach das Alföld zu dieser Zeit von Thrakern und Dakern bevölkert war. 2 7 Das Siedlungsgebiet der dakisch-getischen Stämme lag zwischen dem Balkangebirge und den Südkarpaten, 2 8 dort wo in der Spätbronzezeit und in der Früheisenzeit sich das Zentrum der gestempelten Keramik befand. 2 9 Die Töpferei der im ungarischen Alföld gelebten Bevölkerung erzeugte die aus Mitteleuropa stammende, kannelierte Keramik. 3 0 So können die Meinungen nicht akzeptiert werden, die die Vorgänger der irakischen Kunst in diesem Gebiet suchen. 31-3 2 Untersucht man den historischen Hintergrund und die Umstände, wie das Goldblech von Békéscsaba auf das ungarische Alföld gekommen ist, so müssen wir bis zum 9—8. Jh. v. u. Z. zurückblicken. Zu dieser Zeit gelangten sowohl auf das Alföld, 33 - 3 4 wie auch auf das Gebiet von NO-Bulgarien 35-3 6 aus der Steppenzone stammende Elemente kimmerischen Typs. Das aus dieser Zeit stammende, ähnliche Denkmalmaterial der beiden Gebiete bedeuten aber noch nicht, daß zwischen ihnen enge Beziehungen gewesen wären. Die Mehrheit der gemeinsamen Elemente kann auf dieselbe Quelle, auf das Steppengebiet zurückgeführt werden. Die Lage hat sich auch im 6. Jh. v. u. Z. nicht verändert. Dies ist das Zeitalter als sich im Alföld im allgemeinen die Gegenstände skythischen Typs und die scheibengedrehte Keramik verbreitet haben. 3 7 In Thrakien wurde zu dieser Zeit von diesen nur die scheibengedrehte Keramik hergestellt, auf das Alföld dürfte aber die Kenntnis dieser Technik von der Dnepr-Dnestr-Gegend 3 9 gekommen sein. Thrakien stand im ausgehenden 6. Jh. und in der ersten Hälfte des 5. Jh. v. u. Z. unter persicher Oberhoheit, 4 0 sodann machte sich in seinem Gebeiet der Einfluß der spätskythischen Kultur geltend. 4 1 Auf das Alföld kamen aber die Schöpfungen der persischen akhamenidischen Kunst nicht und auch den Gegenstand späten Typs der Steppenlandschaft treffen wir dort nur ausnahmsweise an. Thrakien hat das Alföld mit der griechischen Welt vor allem durch die von der Adria über die NW-Balkanhalbinsel führende Straße verbunden. 4 2 Dafür, daß die Produkte der im thrakischen Gebiet gelegenen, grieschischen Werkstätten hierhergelangt wären, sind keine unbezweifelbare Beweise.