Folia archeologica 36.
V. Kocztur Éva: Adalék Solymár római kori történetéhez
84 V. KOCZTUR ÉVA Dies scheint das bereits erwähnte großangelegte frühkaiserzeitliche Gräberfeld mit seinem außerordentlich wertvollen Fundstoff zu bekräftigen. Im Ritus des Gräberfeldes kann man die derzeitige bedeutende politische Umwandlung und die darauf folgende wirtschaftliche Entwicklung — die „Romanisation", den beginnenden Reichtum — verfolgen. Sie sind auf die Veränderung des Status quo der führenden Schicht in Aquincum, das 124 den Rang eines Municipiums errang, zurückzuführen. Darauf verweist auch die Tatsache, daß aus dem betreffenden Bereich in höherer Zahl Gräber mit Inschriften aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts bekannt sind, als aus anderen Fundorten der Umgebung von Aquincum. Wir wollen also betonen: das Material unseres Fundortes belegt , daß hier in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts eine Siedlung existierte, die — wie wir aufgrund der Funde des Gräberfeldes annehmen — bis цит Beginn der Markomannenkriege aufrecht blieb. Die Steinbauten verweisen also nicht auf eine Villenwirtschaft (praedium). G. Alföldy 1 6 stellt nämlich in seiner Studie aufgrund der bekannten Steine mit Inschriften aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts fest, daß in der Umgebung von Aquincum erst nach den Markomannenkriegen Villenwirtschaften entstanden sind. Die Freilegung der Villen belegt diese Tatsache, die Ergebnisse dieser Grabungen wurden von K. Póczy 1 4 in einer Studie zusammengefaßt. Die Autorin macht auf die geographischen Begebenheiten der Umgebung aufmerksam, die die Entwicklung der Landwirtschaft und des Handels dieser Gegend bestimmten. Diese Begebenheiten waren sowohl für den behandelten Bereich als auch für die unmittelbare Umgebung von Aquincum typisch. In Solymár befand sich eine der Siedlungen, die die Einheimischen überall den zwischen den Hügeln verlaufenden Straßen entlang errichteten. Diese Siedlung lag an dem die Limesstraße bedeutend verkürzernden Weg, unweit von der Limes-Kreuzung. 1 5 Bei dem Krautgarten handelt es sich also nicht um den Fundstoff der sog. Villenwirtschaften (praedium), 1 9 sondern die Funde belegen die Existenz einer früheren bis zu den Markomannenkriegen aufrecht gebliebenen Siedlung. Das sind die in der Umgebung der Siedlung und des Gräberfeldes freigelegten Steindenkmäler mit Anschriften, die man in die 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts datieren kann: — VIVIANUS-Grabstein 2 0" 2 1 {Abb. 1, Fundort 13), — Grabstein aus der Nähe der Rochuskapelle 2 2 (Abb. 1, Fundort 18), — Grabsteinfragment aus der Privatsammlung von A. Valkö 2 3 (Abb. 1 , Fundort 6.). 2 4 Der veränderte Status quo der Führungsschicht von Aquincum, das 124 den Rang eines Municipium errang, begründet die Entstehung einer neuen, reichen Führungsschicht der Einheimischen in diesem Bereich. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum bereits in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts Steingebäude errichtet, die Toten mit neuem Ritus bestattet wurden, und warum man so häufig Grabsteine stellte. In Kenntnis des Fundstoffes nehmen wir an, daß diese Siedlung bis Ende des 3. Jahrhunderts bestand. Zeugnisse aus der späteren Periode konnten weder freigelegt noch bei den Geländebegehungen gefunden werden. 2 5 Es wäre erforderlich, im Bereich von Zöldfavölgy Freilegungen durchzuführen, in deren Ergebnis vielleicht die Fragen über die Zusammenhänge zwischen Gräberfeld und Siedlung genauer beantwortet werden könnten.