Folia archeologica 36.
Mesterházy Károly: Népvándorlás kori cserépüstök
VÖLKERWANDERUNGSZEITLICHE TONKESSEL Die ungarischen Forscher der Früharpadenzeit wurden zu Beginn der Jahre 1930 auf den charakteristischen Gefaßtyp des 10—13. Jhs, auf die Tonkessel aufmerksam. Schon zu dieser Zeit wurde ein eigenartiges, mit der freien Hand erzeugtes Stück bekannt, das Ferenc Móra in einem spätawarenzeitlichen Grab des Gräberfeldes von Szőreg В gefunden hat. Die späteren, ausgedehnten Dorfausgrabungen haben die ungarischen Forscher dennoch auf den Gedanken gebracht, daß die Tonkessel mit den landnehmenden Ungarn in das Karpatenbecken gelangt sind, also sich zur ethnischen Bestimmung und sogar bis zu einem gewissen Grade auch zur Zeitbestimmung eignen. Zwischen 1970 und 1984 sind aber immer mehr mit der freien Hand gefertigte Kesselfragmente zum Vorschein gekommen, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Awarenzeit stammen. Diese wurden hauptsächlich im Komitat Békés bei Geländebegehungen und Kontrollausgrabungen gefunden. In Veresegyház kamen auch in zwei sicherlich spätawarenzeitlichen Siedlungen Kessel vor, sodann wurden uns auch solche aus der Spätsarmatenzeit bekannt. Gegenwärtig registrieren wir von mehr als 20 Fundstellen mit der freien Hand erzeugte Kesselfragmente aus dem 8—10. Jh., von welchen 11 für awarenzeitlich angesehen werden können. Die Tonkessel gehen gewiß auf Metal'kessel zurück. Die sarmatenzeitlichen Exemplare bewahren gut die Formeigenartigkeiten der Metallgefäße: an der Stelle der Henkel wurde die Wand des Gefäßes erhöht und durchbohrt. Sie sind uns nur aus Siedlungen bekannt. An den awarenzeitlichen Kesselnachahmungen wurden die Henkel zuerst nach dem Muster der Metallgefäße in der Form eines „Korbhenkels" gefertigt (Szőreg—Gräberfeld B, Csongrád—Bokros), jedoch waren diese sehr fragil. Später wurde die Gefäßwand durchbohrt und man klebte an die Außenwand einer Schutzklappe (Veresegyház, Doboz). So war das über das Feuer gehängte Gefäß schon stabil. Die beste Lösung war die Erfindung der inneren Henkel, als man anstatt der zwei Aufhängepunkte schon vier angebracht hat (Veresegyház, Dunaújváros, Endrőd usw.). Diese haben auch die Varianten mit Schutzklappen im Karpatenbecken verdrängt. Den Kesseln ähnlich hat man auch die Töpfe mit zum Aufhängen dienenden Henkeln versehen. Eine derartige Gebrauchsweise der Gefäße wurde aber auch anderswo entdeckt: in der Sa'tovo-Ku'tur, an der Unteren Donau, in Dänemark, Holland, England und Niedersachsen ganz bis Quedlinburg, ja taucht sogar im Spätmittelalter in Italien, am südwestlichen Ufer des Gardasees und in der Umgebung von Brescia auf. Zuweilen können wir auf Grund der erhalten gebliebenen Fragmente auch nicht einmal entscheiden, ob es sich um Kessel oder um aufhängbare Töpfe handelt. Die Töpfe können einen geraden (SaltovoKultur) oder einen rundlichen Boden (Haithabu, Ezinge) haben. Bei beiden Grundformen kommt auch die Variante mit Schutzklappen (Ezinge, Mogorjelo) und mit inneren Henkeln (Topola) vor. Es wurde auch der Rand oder die Topf-