Folia archeologica 27.

József Korek: Die Ausgrabungstätigkeit des Ungarischen Nationalmuseums im Jahre 1974 - II. Pál Patay: Vorbericht über die Ausgrabungen zu Poroszló-Aponhát

196 P. PATAY war die Zielsetzung, durch die Freilegung einer größeren Fläche an einer für geeignet gehaltenen Stelle die Beobachtungen und Kenntnisse zu erweitern. Der Aponhát liegt in der Gemarkung von Poroszló, nördlich der Theißbrücke unmittel­bar am rechten Ufer der Theiß. Der zur Zeit schon verstümmelte, etwa 240 m lange, am nörd­lichen Teil etwa 110 m breite, nach Süden zu sich verschmälernde, dreieckförmige, natürliche Erdrücken hebt sich an der Nordseite durchschnittlich 200 cm, an der Ostseite 180-300 cm aus dem Überschwemmungsgebiet hervor (Abb. 1 ), 9 Die Siedlung selbst erstreckt sich wahr­scheinlich nicht über das ganze Gebiet, sondern liegt nur auf seinem nördlichen, größeren Teil. Sőregi hat in dem damaligen Sturzufer der Theiß das Vorhandensein der Kulturschicht noch in 160 m-Länge wahrgenommen. Heute kann die Ausdehnung der einstigen Siedlung dem gegenwärtigen Flußufer entlang auf etwa 120 m geschätzt werden. Auch daraus ist ersichtlich, daß die Theiß den beträchtlichen Teil der einst unbedingt größeren Siedlung vernichtet hat, uzw. im Laufe der letzten hundert Jahre. Die 1929 begonnenen Uferschutzarbeiten haben die Zerstörungstätigkeit des Flusses eingedämmt und von der Uferabspülung, worüber Zoltai und Sőregi noch berichteten, kann heute nichst mehr gesehen werden. 1969 legten wir an der Nordseite der Siedlung eine darauf senkrechte, 5 m breite und 36 m lange Fläche frei (I.), in deren Verlängerung wir nach Norden mit einem Abstand von 4 m noch eine 2 x3 m große Fläche öffneten. Eine ähnliche 5 x35 m große Fläche legten wir auch an der O-Seite frei (II.). In der Mitte der Höhe, jedoch wahrscheinlich schon im südlichen Teil des einstigen Siedlungsgebietes haben wir eine 7x10 m (III.), während an der östlichen Seite entlang des Theißufers eine 4x10 m (IV.) große Fläche ausgegraben. Im Jahre 1971 erstreckte sich die Ausgrabung - der letzten anschließend - mit weiteren 8, einzeln 5 X 5 m großen Flächen (V.—XII.) auf ein größeres, zusammenhängendes Gebiet (das zum Teil auch die eine Probefläche von T. Kovács berührte). Jene frühere Meinung, laut der die Siedlung befestigt gewesen wäre, hat sich nicht für richtig erwiesen. Die Ausgrabung der Fläche I., mit der wir die am nördlichen Rand des Fund­ortes vorhandene Böschung durchgeschnitten haben, führte zum Ergebnis, daß letztere mit der Siedlung nicht gleichaltrig ist. Es konnte gut beobachtet werden, daß die Oberfläche unter der Böschung ursprünglich auf derselben Terrainhöhe, wie das Innere der Siedlung war. Die Böschung wurde demnach erst zu jener Zeit erhoben, als sich die gegenwärtige Oberfläche schon ausgebildet hat, also nach dem Aufhören der Siedlung. Die Böschung dürfte das im 19.— 20. Jahrhundert gebaute Zeilenwehr gewesen sein, mit dem der Besitzer den als Holzladestelle benützten Erdrücken (so wie dies der eine ältere Arbeiter bei der Ausgrabung erwähnte) vor dem Hochwasser der Theiß schützen wollte. In der Fläche II., wo wir ebenfalls diese Frage näher untersuchen wollten, trafen wir gleichfalls keine einstige Festung an. Für die Siedlung hat das um sie herum liegende Überschwemmungsgebiet einen gewissen Schutz gebildet. Im Laufe der Erschließungen haben wir uns davon überzeugt, daß der Aponhát zu jenen wenigen Fundstellen des Alföld gehört, wo fast ausschließlich nur Funde einer einzigen Periode, und zwar die der Spätbronzezeit zu finden sind. Die allererste Siedlung stammt zwar in diesem Gebiet aus der Spätkupferzeit (Bolerazer Gruppe der Badener Kultur). Dies dürfte jedoch un­bedeutend gewesen sein; es kam bloß aus zwei Gruben Fundmaterial in geringerer Menge zum Vorschein. In ganz sonderbarer Weise stießen wir hier auf keine sarmatenzeitliche Siedlung und selbst árpádenzeitliche Funde gab es nur in ganz verschwindender Menge. Die Kulturschicht ist ziemlich gleichmäßig; sie bewegt sich zwischen 80-120 cm (in der Fläche III. betrug sie nur max. 95 cm, in der Fläche II. 100 cm, in den Flächen IV-XII. war sie hingegen fast überall mehr als 100 cm dick. In dem Unterboden gab es fast überall zahlreiche, im allgemeinen runde Gruben; darunter befanden sich auch solche, die 2 m unter die ursprüngliche, vor der Siedlung bestandene Ober­fläche reichten (Grube VIII/C). Leider haben die ungünstigen Bodenverhältnisse es nicht ermöglicht festzustellen, aus welchem Niveau die einzelnen Gruben hervorgegangen sind, in welcher Tiefe ihre Mündung war. Über dem einstigen Boden konnte man in den Flächen IV.-XII. manchenorts eine max. 15 cm dicke, schlammartige Schicht beobachten, die steril zu sein scheint. Obwohl es in der auf die ursprüngliche Oberfläche oder über dem Schlamm gelagerten Kulturschicht Lehmstreifen (Fußbodenbeschmierungen) vorhanden waren, konnten diese fast nur in den senkrechten 9 Diese heutige Lage überdeckt überhaupt nicht die einstigen Verhältnisse, da die Ober­fläche des Überschwemmungsgebietes im Laufe der Zeiten, insbesondere aber seit der Fluß­regelung sich ständig hebt, gleichzeitig wurde infolge der Siedlung auch die Oberfläche des Aponhát um 80-120 cm höher.

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