Folia archeologica 27.
Endre Tóth: Savaria és környéke IV-IX. századi történeti problémáihoz
SAVARIA 99 Mit dem Namen des durch Savaria fließenden Baches mit natürlichem Bett stellt sich noch ein weiteres Problem: die Frage des Wassernamens Savarias bei Ptolemaios 2 7 und im Zusammenhang damit, ob die Namensform Sibaris der passio Quirini als Ergebnis einer Namenverstümmelung betrachtet werden kann. Es ist zu bedenken, daß bei Ptolemaios ein Wassername Savarias erwähnt wird. Dieser Fluß ist auf Grund der Beschreibung unzweifelhaft die Mur. Jedoch die Übereinstimmung des Stadt- und Flußnamens kann darauf verweisen, daß die Angabe von Ptolemaios mit dem des durch die colonia Savaria fließenden Baches in Zusammenhang steht. Ich halte es für möglich, daß Ptolemaios über schlechte Quellenangaben verfügte bzw. die Daten miteinander vermischte: in der Beschreibung wurde tatsächlich die Mur dargestellt, jedoch benannte er sie irrtümlicherweise durch einen anderen, ihm aus Pannonién bekannten Wassernamen Savarias. In diesem Falle wurde der durch die colonia fließende Bach im Altertum Savarias genannt und dies konnte nur die Perint sein. Auf Grund des künstlichen Gyöngyös-Bettes ist es unwahrscheinlich, daß der im 2. Jahrhundert gelebte Ptolemaios den Namen des in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts erbauten künstlichen Kanals gekannt hätte bzw. dürfte letzterer nur als fossa oder ähnlich bezeichnet worden sein. Diese Annahme hat aber nur dann festen Fuß, wenn die Namensform Sibaris der passio Quirini die verstümmelte Form des Wortes Savaria (s) ist. Da das älteste, erhalten gebliebene Manuskript der Passion aus dem 12. Jahrhundert stammt, ist die verstümmelte Namenveränderung leicht möglich. 2 8 2 7 Ptolem. geogr. Ed. C. Müller. (Paris 1883) II. 15, 297.; Stevenson , E. L., Geography of Claudius Ptolemy. (New York 1932) V. Europe Tabula: eine Kartenkopie des um 1460 geschriebenen Kodexes. Auf Grund des Textes von Ptolemaios liegt es auf der Hand, daß unter Savaria nur die Mur verstanden werden kann (vgl. Graf, А., а. а. O. 64. Anm. 4). Es besteht jedoch die Möglichkeit dessen, daß Ptolemaios schlechte Quellenangaben zur Verfügung gestanden haben bzw. daß er die Angaben miteinander verwechselt und die Mur irrtümlicherweise mit irgendeinem Flußnamen identifiziert hat. Zur langobardischen Namengebung der Mur: Steinhäuser, W., Der Name der Raab und ihrer Nebenflüsse. Unsere Heimat 43(1972) 115.; Ders-. Burg und Herrschaft Raabs a. d. Thaya. JbLN 38(1968-70) 385, Anm. 43. Den Vorstellungen Steinhausers kann ich - vor allem aus historischen Bedenken - nicht beistimmen. Ich halte die Bewahrung des antiken Namens auch weiterhin für möglich. Vgl. noch: Me/ich, ]., A honfoglalás kori Magvarország. (Bp. 1929) 890-.; Holder, A., Alt-celtischer Sprachschatz. II. (Graz 1961) 654. 2" Die im Band Acta SS Junii I. (Venetiis 1747. 380) mitgeteilte Textausgabe der passio Quirini (BHL 7035) ist aus den früheren Ausgaben von Ii. Mombritius (Medionali, s. a., vor 1480, II. 232) und L. Sarins) De propatis sanctorum III. Coloniae Agrip. 1579. 568) übernommen worden, jedoch wurde sie auch mit dem im Kodex Nr. 1191 der Vatikan-Bibliothek aufbewahrten Manuskript, das nach den Bollandisten пес diu post Innocentii II. aetate scripto verglichen. Falls die von Ptolemaios gebrauchte Flußbenennung Savarias - unabhängig von dem hydrographischen Irrtum - tatsächlich der Name des durch Savaria colonia fließenden Baches war, konnte dies lediglich die Perint gewesen sein, da die Bauzeit des bei Szombathely in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts errichteten künstlichen Kanals der Gyöngyös ausschließt, daß der im 2. Jahrhundert (oder früher) gelebte Ptolemaios den Namen gekannt hätte. Der Name dieses Kanals war ansonsten wahrscheinlich das mit irgendeinem Attribut versehene Wort: fossa. Da die Sibaris der passio Quirini nur die Perint gewesen sein konnte, so ist die Angabe der Passion eine infolge des mehrfachen Abschreibens entstandene Namenverstümmelung. - Zwar ist diese Annahme (im Zusammenhang mit der Angabe von Ptolemaios) tatsächlich nicht beweisbar (vgl. Mócsy, A., Acta Arch. Hung. 25. 1973. 375), ist aber auch nicht unmöglich. Zur Lösung der Frage bieten noch die karolingischen Quellen eine Hilfe: wo man doch die Perint (in hydrographischem Sinne, also auch den oberen Lauf der Gyöngyös hinzugerechnet) im Quellgebiet (also den heutigen Zöbernbach) 844?: Sevira, 860: Savaria genannt hat (MG D Karol. I. Ludovici Germ. Nr. 38, 49.; Nr. 101, 146). Der Ort, der unter diesem