Folia archeologica 25.

Edit B. Thomas: Martyres Pannoniae

144 E. В. THOMAS verfaßte Inschrift auf dem Ziegel ist eine Manifestation, die fast mit riportartiger Lebendigkeit, als Verewigung eines tragischen und auch für die Umgebung erschütternden Ereignisses betrachtet werden kann. Die in der Inschrift sich anhäufenden grammatischen Gleichzeitigkeiten, die die Wörter hoc die, suntpersecuti und non est victa ausdrücken, legen noch ausgeprägter das Geschehnis der letzten Minuten fest. In der Militärziegelei der LEG I AD zu Brigetio dürften bei der mühsamen, schweren, eine besondere Fachkenntnis nicht beanspruchenden Arbeit verurteilte Christen beschäftigt gewesen sein, von denen man zwei oder vielleicht mehrere Glaubensbrüder wahrscheinlich herausgehoben, zur Opferdarbringung der heid­nischen Reichsgötter gezwungen und verfolgt hat. Wie jedoch der Text darüber berichtet, hat man ihre Seele nicht bezwungen, — ihr Körper wurde getötet und so erfreut sich ihre Seele — die Krone des Martyriums erlangt — auch weiter­hin im Herrn in der Ewigkeit. Der all dies überlebende Christengenosse, vor dessen Augen sich das Mar­tyrium abgespielt hat, war derart erschüttert, daß der Text, mit dem er die furcht­bare, zugleich aber glorreiche Geschichte der Märtyrer von Brigetio für die Nach­welt, wenn auch nicht in Marmor, doch in pannonischer Hinsicht in bleibendem Material verewigen wollte, spontan seiner Seele entsproß. Die relative Unversehrtheit des Ziegeltextes spricht dafür, daß der Ziegel mit der in weichem Ton eingeritzten Inschrift durch zahlreiche Arbeitsphasen — Aufheben, Auflegen auf die Planschetten, Unterbringen in dem Brennofen — im Laufe derer einige Tage, ja vielleicht Wochen vergangen sein dürften — von sorgfältigen Händen bewegt und bewahrt worden ist, bis er schließlich ganz hart und rotgebrannt aus dem Ofen kam. — All dies spricht dafür, daß in der Ziegelei nicht nur diese drei Glaubensbrüder gearbeitet haben. Schließlich untersuchen wir ganz kurz auf dem Fundort des Ziegels in Brigetio und an Ort und Stelle des Martyriums die Umgebung in der Relation der frühchristlichen Funde. Funde frühchristlicher Beziehung waren uns aus Brigetio (heute Szöny), von dem Fundort des das Martyrium verewigenden Ziegels bisher nicht bekannt. Obwohl unserer Meinung nach der christliche Charakter einiger Gräber des von L. Barkóczi südlich vom Lager freigelegten und publizierten Friedhofsabschnittes nach der von diesem Gesichtspunkt aus unternommenen Revision sehr wahr­scheinlich ist. 4 0 Christliche Beziehungen sind in den folgenden Funden zu erblicken: Grab 1. Von den Funden halten wir das von Barkóczi für einen „Augurenstab" angesehene Abzeichen mit Silber-, Gold- und Nielloeinlagen für den Stab eines Bischofs, oder eines Presbyters. 4 1 Die geschliffene Glasschüssel 4 2 und die kugelige Flasche, 4 3 der Krug und der Becher rufen christliche Reminiszenzen wach. Die spindelförmige große Ölflasche aus Glas im Grabe 4 4 weist auf die Sitte hin, die in der orientalischen Kirche auch heute noch üblich ist, wenn kirchliche Personen bestattet werden. Während 4 0 Barkóczi, L., Acta Ant 13(1965) 214—257., Taf. I— XXVIII. 4 1 Ebd. Taf. II—IV., 219f. Fig. 3.; Vgl. Kaufmann, С. M., a.a.O. 256., Abb. 179. 4 2 Barkóczi, L., a.a.O. Taf. V. 4 3 Ebd. Taf. VII. 2. 4 4 Ebd. Taf. VII. 1.

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