Folia archeologica 25.
Edit B. Thomas: Martyres Pannoniae
MARTYRES PANNONIA K 145 der Begräbniszeremonie wird der Sarg des Verstorbenen, oder sein Grab betend umgangen und der Leichnam mit Öl begossen. 4 5 Zum Schluß legte man die Gläser ins Grab. Die in Grab Nr. 1 bestattete Person war also sehr wahrscheinlich ein in den Klerus gehörender Bischof oder Presbyter. Grab 2. Von den Funden dürften der fein ausgearbeitete, mit Rippen gegliederte Glasbecher von durchbrochener Verzierung 4 0 und der Glaskrug im Grabe 4 7 ebenfalls zur Aufbewahrung des an die Eucharistie erinnernden Weines und Brotes gedient haben. Grab 3. Zwischen den Funden des Grabes kommt der Krug und Becher auch in zwei Garnituren zusammen vor, 4 8 was die Annahme des christlichen Zusammenhanges zuläßt. Grab 4. Zwischen den Funden unterstützen gleichfalls ein in schöner Form hergestellter Glaskrug und -becher unsere Annahme. 41 1 In demselben Grab befindet sich auf der zum III. Skelett gehörenden Hand auf einem Bronzering eine Glaspastascheibe in Bronzerahmen. 5 0 Laut der Beschreibung von Barkóczi „Bronze ring made of wire. In its coat-of-arms two washed out half length portraits." Auf dem Kopf des Ringes befinden sich in einem von Perlen umrahmten Feld zwei einander zugewendete Häupter. Zwischen den Köpfen sind oben ein Stern, oder der obere Teil eines Christusmonogramms zu sehen. Zwischen den beiden Büsten befindet sich eine zwei Finger aufrechthaltende Hand. 5 1 Die Szene im Ring ist eine typische Darstellung, die die einander gegenüber stehenden Apostel Petrus und Paulus in einem Perlenkranz gefaßt mit dem Christusmonogramm und der Handbewegung des Credo, der Glaubensbekenntnis veranschaulicht. — Das Fundobjekt ist für uns nicht nur deshalb von Belang, weil es die christliche Angehörigkeit der in Grab 4 bestatteten Person beweist, sondern auch darum, da in Pannonién die Darstellung der Apostelfürsten ziemlich selten ist. Die Gegenwart des Christogramms datiert den Ring auf die Zeiten nach Konstantin d. Gr. und ist als solcher einer der spätesten Gegenstände des kleinen Friedhofes. Grab 5. Zwischen seinen Funden treffen wir wiederum die große spindelförmige Ölflasche an, 5 2 was die Schlußfolgerung zuläßt, daß eine der begrabenen Personen dem Klerus angehört hat. Grab 6. Zwischen den Funden fällt unter den Skeletten am meisten das auf die Brust des ganzen Skeletts gelegte rechteckförmige Steinplättchenins Auge, 5 3 dessen Material das sog. „porfiro verde antico" ist und das zuweilen auch christliche Beziehungen hat. Der Becher mit dem Krug ist auch in diesem Grabe anzutreffen. Der Glaskrug ist ein kugelförmiges, zweihenkliges, sehr schönes Exemplar, das vermutlich in Pannonién hergestellt worden ist. 5 4 4 5 Auson. epithapia 30, MGH Aa V:2, 78. Hieron. epist. LXVI ad Pammachium, PL XXII. Coli. 642, August, enarratio in Psalm. XLVIII. PL XXVI. Coli. 552. 4 6 Barkóczi, L., a.a.O. 225., Fig. 9:3., Taf. XIII. 2. 4 7 Ebd. 225., Fig. 9:1, 2, 4. Taf. XII. 1, 2., Taf. XIII. 1. 4 8 Ebd. 228., Fig. 12:1—5., Taf. XVII. 2, 3. 4 9 Ebd. 232., Fig. 15:1, 2., Taf. XXII. 1, 2. 5 0 Ebd. 230., Fig. 13. Fund Nr. 6, und S. 232. Fig. 15. Fundobjekte Nr. 11 völlig falsch abgezeichnet. Taf. XXI. 3. 5 1 Ebd. 240. schreibt Barkóczi, daß die aufgezählten Funde, unter ihnen auch die Ringe, die Datierung des 3. Jhs. unterstützen. 5 2 Ebd. 234., Fig. 16. Fund Nr. 1. Taf. XXV. 1. 5 3 Ebd. 235., Fig. 17. Fund Nr. 2. 5 4 Ebenfalls ein pannonisches Erzeugnis scheint die auf der Abb. 2. der Taf. VII des Grabes Nr. 1 sichtbare kugelige Glasflasche zu sein. Die Herstellungsstätte dieses Typs ist uns in Pannonién, aus Carnuntum bekannt. B. Thomas, E., Römisches Glas aus Carnuntum. Annales du 4 e Congrès International d'Étude Historique du Verre. (Ravenne-Venise 1967) 90.; Dies., Die Gläser des Espelmayr-Feldes. In : Kloiber , A., Die Gräberfelder von Lauriacum. (Linz 1962) 109. 10 Folia Archaeologica 1974