Folia archeologica 25.
Edit B. Thomas: Martyres Pannoniae
MARTYRES PANNONIA K 143 Aus den Passionen der pannonischen Märtyren Ireneus :i 5 und Quirinus 36 können wir aber darauf schließen, daß 303 die Laienchristen sich noch frei bewegen konnten, bei den Hinrichtungen zugegen sein durften und einen großen Volksauflauf bildeten. — Dasselbe stellt auch R. Noll fest und schließt daraus auf die große Anzahl der Christen. 3 7 Es ist nicht unser Ziel, hier über die pannonischen Märtyrer eine Zusammenfassung zu geben, sondern wir wünschen bloß zu bemerken, daß uns aus der Zeit der diokletianischen Christenverfolgungen Märtyrer bzw. Christen nur aus den südpannonischen Städten Singidunum, Siscia und Sirmium bekannt sind. In Westpannonien wurde ein Martyrium nur in Savaria aufgezeichnet. 3 8 Aus dem Inneren der Provinz und aus der Limesgegend bewahrte die kirchliche Tradition keinen einzigen Märtyrer. Die Märtyrer, über deren Hinrichtung die Ziegelinschrift aus Brigetio berichtet, wurden noch in den Friedensjahren unter Gallienus geboren und lebten zu seiner Zeit. Ob sie zum Klerus, zu den Laien, zur Zivilbevölkerung, oder zum Militär gehört haben, — wissen wir nicht. Wären sie Träger irgendeines kirchlichen Amtes gewesen, so hätte man es nicht versäumt dies in der Inschrift zu erwähnen. 3 U Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit dessen, daß auf der Inschrift Leiden und Tod der laiischen Märtyrer verewigt wurde. — Es ist anzunehmen, daß alle Christen sowohl die Märtyrer, wie auch die über das Martyrium berichtende Person zur Strafe ebenfalls in der Ziegelei gearbeitet haben, denn von den einfachen Ziegelarbeitern konnte kaum einer in der Ortho- und Kalligraphie eine von der Inschrift bezeugte so große Übung und Intelligenz aufweisen. Eine allgemein bekannte Tatsache ist, daß nach der Konstitution von Mediolanum die offizielle Verfolgung der Christen aufgehört hat, sie konnten ihren Glauben bekennen und den Kult frei ausüben. Blutige Verfolgungen, die die Glaubensbrüder und -schwestern so tief beeindruckt haben, daß sie von einem innerlichen Zwang gedrungen das Ereignis durch einen in Lehm eingeritzten spontanen Text aufzuzeichnen wünschten, können in den folgenden Jahren kaum mehr vorkommen. Natürlich konnte es in Einzelfällen auch später noch dazu kommen, dennoch sind wir der Meinung, daß das von der Inschrift für uns verewigte Ereignis kein solcher sporadischer Fall war. Das Vorgeführte zusammenfassend, scheinen also die historischen Daten zu unterstützen, daß die Märtyrer von Brigetio das Martyrium für ihren Glauben im Jahre 303 oder 304 erlitten haben. Da kein Zeichen darauf hinweist, daß die Inschrift das Leiden der dem Klerus angehörenden Personen festgehalten hätte, nehmen wir für das Jahr des Martyriums der vermutlichen Laienmärtyrer eher 304 an. Untersuchen wir den Zweck und die Bestimmung der Inschrift, so geht klar hervor, daß sie nicht für die Bezeichnung einer Märtyrergrabstätte bestimmt war und nicht die übliche christliche Grabinschriftformeln enthält. — Die spontan 3 5 Passio Iren., 3,1. 3 0 Passio Quirini, 4,5. 3 7 Noll, R., Frühes Christentum in Österreich von den Anfängen bis um 600 nach Chr. (Wien 1954) 3 8 Nagy, T., a.a.O. 31.; Noll, R., a.a.O. 116. 3 9 Vgl. Kaufmann, C. M., a.a.O. 231., 255.