Folia archeologica 24.
Fodor István: Honfoglalás kori régészetünk néhány őstörténeti vonatkozásáról
176 I. FODOR Nahestehende Parallelen dieser Totenmasken-Platten finden wir bei den nächsten Sprachverwandten des Ungartums, bei den Ob-Ugriern. Nicht nur in den späten Gräberfeldern der Ob-Ugrier (17.-19. Jahrhundert 34-3 5), sondern auch im Gräberfeld des 8.-10. Jahrhunderts von Barsoff Gorodok, 3 6 wo eine viereckige Bronzeplatte 3 8 und zwei runde Silberplatten um die Augen ans Tageslicht gekommen sind 3 0 (Abb. 1, 4-5). Die weiteren Analogien finden wir in den Gräbern des 7.-10. Jahrhunderts in der Wolga-Kamagegend und in Baschkirien (Abb. 3). 7 4 Dort begegnen wir zweierlei Platten: 1. das Auge und den Mund bedeckende Platten,in die rhomboide Spalten geschnitten wurden (z. B. Gorbunjata: 4 2 Abb. 2, 4-5; Demenki: 4 7 Abb. 5, 1-2; Sterlitamak: 5 4" 5 5 Abb. 5, 3-6) ; 2. das ganze Gesicht bedeckende Silbermasken (z. B. Pleso: 4 3" 4 4 Abb. 4, 1-2); Roshdjestwenskoe: 4" Abb. 4, 3; Tankejewka: 58 Abb. 6, 1). In mehreren Gräbern wurden unter den Platten Textilreste einer Gesichtshülle entdeckt, an die man die Silberplatten aufgenäht hat. 4 0" 4 7' 5 8 (Abb. 6, 2). In zwei Fällen kamen Goldplatten zum Vorschein (Gorbunjata: 4 2 Abb. 4, 4-5; Sterlitamak: 5 5 Abb. 5, 3-4). Der Gebrauch der silbernen Platten war demnach in den erwähnten Gebieten der Uralgegend in den Zeiten zwischen dem 7.-11. Jahrhundert allgemein. Obwohl die Form der Platten nicht überall gleich war, wurzelt ihr kultischer Gebrauch in denselben Gedanken. (Die Entfernung des Toten aus der Welt der Lebenden und der Schutz des Verstorbenen gegen die bösen Mächte des Jenseits.) Die Gesichtsplatten kamen - von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen - in reichen Männergräbern vor. Laut unserer Meinung ist der Gebrauch dieser Platten in der bezeichneten Epoche bei den finnisch-ugrischen Völkern der Uralgegend selbständig, von äußeren Einwirkungen unabhängig zur Sitte geworden. Das Silbermaterial der Platten steht damit im Zusammenhang, daß diese Völker das Silber für ein „heiliges Metall" gehalten und die Silbergegenstände mit besonderer Ehre behandelt haben/' 9 Der Gebrauch dieser Augen- und Mundplatten bildete sich also auch bei den Ungarn in der Uralgegend aus, als sie noch in den ihren Verwandten (vor allem den Vorfahren der Ob-Ugrier) naheliegenden Gebieten lebten und diesen Brauch von dort in ihre spätere Heimat mit sich brachten. Da diese auch zur Landnahmezeit in reichen Männergräbern zum Vorschein kommen, dienen sie zugleich auch als Beweis dafür, daß die vornehme Schicht der ungarischen Gesellschaft des 10. Jahrhunderts ugrisch (d. h. ungarisch) und nicht türkisch war, wie dies einige Forscher vorausgesetzt haben.