Folia archeologica 23.
László Barkóczi: Spätrömische Glasbecher mit aufgelegten Nuppen aus Pannonien
SPÄTRÖMISCHE GLASBECHER 87 Von den in drei Gruppen geteilten Bechern sind die ersten zwei nach ihrem Typ und ihrer Chronologie gut umgrenzbar. Die dritte bildet im wesentlichen keine selbständige Gruppe, die hierhergezählten Stücke sind verschiedene Becher und kamen durch den Import oder als hergebrachte Ware in die Provinz. Die Becher der ersten zwei Gruppen können nicht abgesondert behandelt werden, sondern gehören eng zu jenem Kreis der Glasindustrie, der im gegebenen Zeitpunkt in Pannonién vorherrschend war. Die Becher der ersten Gruppe bilden mit mehreren Typenvarianten die Begleiterscheinungen der zur Zeit der konstantinischen Dynastie erscheinenden reichen Glasfunde, die wir zumindest bis Valentinianus verfolgen können. Die untere Grenze der Becher wird von den münzdatierten Gräbern von Ságvár mit den |ahren um 350 bestimmt, die obere Grenze legt die valentinianische Münzbeigabe des Bechers von Intercisa fest. Die Becher könnten auch um einzwei Jahrzehnten früher in Gebrauch gekommen sein und mit ein-zwei Jahrzehnten länger als die Zeit des Valentinianus angehalten haben. Diese Periode der Gräberfelder, in der auch die Becher vorkommen, hat die Todeszeit von Valentinianus unbedingt mit ein-zwei Jahrzehnten überschritten 5 5. Wie wir sehen werden, sind im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts schon die Becher der zweiten Gruppe in Gebrauch, für die andere Umstände charakteristisch sind und die mit der anderen Gruppe in ein und demselben Gräberfeld nicht vorkommen. In der Schaffung der pannonischen Glasindustrie des 4. jahrhunderts spielte das Erscheinen der östlichen Gläsermeister in den 2о~зоег Jahren des Jahrhunderts eine große Rolle. 5 6 Neben den örtlichen Erzeugnissen müssen wir auch noch mit den importierten und noch mehr mit den mitgebrachten Stücken rechnen, deren Einzelstücke dann auch hier örtlich hergestellt worden sind. Solche mitgebrachten oder importierten primären Stücke sind in jedem Typ der Becher der ersten Gruppe vorzufinden, doch kann eine Nachfabrikation nur im Falle der halbeiförmigen Becher und ihrer Varianten beobachtet werden. Im Falle der konischen — eventuell den Becher von Ságvár ausgenommen - und der blütenkelchförmigen Becher deutet weder die Ausarbeitung noch die geringe Zahl ihres Vorkommens auf eine örtliche Erzeugung. Diese sowie die gut ausgeführten Stücke der halbeiförmigen Becher sind völlig gleicher Ausarbeitung wie ihre östlichen Parallelen. Eine verhältnismäßig große Zahl innerhalb des halbeiförmigen Bechertyps bildet jene Gruppe, die aus anderem Glas gefertigt wurde, eine schwächere Ausführung zeigt und mit einer einheitlich — nicht immer regelmäßig angebrachten — umlaufenden Nuppenreihe verziert ist. Der Erzeugungsort der kleinen und großen Formen oder zumindest der eine Erzeugungsort kann wegen des häufigen Vorkommens Gorsium (Tác) gewesen sein. Es scheint wahrscheinlich zu sein, daß in der Ausbildung der großen Form auch die Wirkung der rheinländischen Glasindustrie eine Rolle gespielt hat. Die Parallelen, in mehreren Fällen die gleichen Parallelen der zu der ersten Gruppe gehörenden Becher können zum größten Teil im Osten und in den unmittelbar diesem sich anschließenden Gebieten vorgefunden werden. Sie fügen sich samt den sonstigen gleichaltrigen Glasfunden, die hier nicht zur Erörterung 5 5 Vgl. Barkóczi, L.-Salamon, Л., a.a.O. 37fr. 5 6 Darüber möchte ich in einer folgenden Abhandlung ausführlicher berichten.