Folia archeologica 23.
László Barkóczi: Spätrömische Glasbecher mit aufgelegten Nuppen aus Pannonien
7° L. BARKÓCZI kommen, gut in die von den östlichen Meistern ausgebildete pannonische Glasindustrie ein. Im Westen ist dieser Typ selten, nicht einheimisch und kommt nur gelegentlich vor. Dort herrschen die Kölner Typen vor. Wie lange die Zeit der unter Constantinus einsetzenden, ausgedehnten pannonischen Glasindustrie angehalten hat, wissen wir nicht. Das Erscheinen der neue Typen erzeugenden Glasindustrie und auch der aller Wahrscheinlichkeit nach neuen Glasbläser, zu deren Kreis auch die Becher der zweiten Gruppe gehören, läßt sich auf das letzte Jahrzehnt oder auf die letzten zwei Jahrzehnte des 4. Jahrhunderts setzen. Dieses neue Handgewerbe können wir heute noch am besten mit dem Kreis von Csákvár charakterisieren und nach den Funden der Grabkomplexe hat sie am Ende des 4. und zu Beginn des 5. Jahrhunderts mit den alten Werkstätten eine Zeit lang noch parallel gemeinsam gearbeitet. 5 7 Wie bereits erwähnt, erscheinen die Becher der zweiten Gruppe bereits in diesem neuen Glasindustriekreis, knüpfen sich - was für ihr Vorkommen charakteristisch ist - zugleich eng an die von dem römischen wesentlich abweichenden Grabbeigaben an. Dieses Begleitmaterial - das auch das Zeitalter des Beginns der neuen Kunst und gleichzeitig damit auch das Erscheinen der Becher anzeigt brachten wir mit den unter Grafianus 379 in Pannonién angesiedelten hunnischen, gotischen und alanischen foederati in Verbindung. 5 8 Das von dem römischen abweichende fremde Begleitmaterial kann bei einem jeden authentischen Stück beobachtet werden. Das beste Beispiel hierfür ist das Grab von Regöly, wo nur der Becher römisch war, die übrigen Funde stehen mit irgendeiner Gruppe der foederati, vielleicht mit den Alanen in Verbindung. 5 9 Diese Änderung hat im Leben der Provinz des ethnische Bild vieler Lagerstätten des Limes und vieler innenpannonischer Städte umgewandelt, ließ andere wiederum unberührt. Das Entstehungsgebiet dieser Becher sind der ersten Gruppe ähnlich die östlichen Provinzen. Man kann sie in Ägypten beobachten, 6 0 ja es sind dort von unserer Gruppe abweichend auch die kegelförmigen Formen vorzufinden. In den Donauprovinzen kommen sie am Limes versteut vor, zur Zeit sind uns die meisten aus Pannonién bekannt. In diesem Gebiet ist dieser Becher für die Fundkomplexe charakteristisch. Mit schöner Zahl ist dieser Typ auch in Norditalien vertreten. 6 1 Zur gleichen Zeit wurden diese Becher in großer Menge auch im Schwarzmeergebiet in der Gegend von Kertsch und Pantikapaion hergestellt. 62 In Pannonién erscheint dieser Bechertyp gleichzeitig mit dem bereits erwähnten Begleitmaterial der Schwarzmeergegend, doch kann noch nicht entschieden werden, ob die beiden miteinander in Verbindung stehen oder ob es sich um zwei verschiedene, jedoch gleichzeitige Erscheinungen handelt. Jedenfalls läßt das häufigere Vorkommen in Norditalien und das zerstreute in Westeuropa 5 7 Salamon, A.-Barkóczj, J-., Alba Regia 1971. 74. 5 8 Ebd. und Várady, L., Das letzte Jahrhundert Pannoniens 376-476. (Bp. 1969) zzí. 3if., 162., 379. 5 9 Mészáros, Gy., Arch. Ert. 97(1970) 91. 6 0 Harden, D. В., loc. cit. 6 1 Vgl. Anm. 22, 34, 48. 62 Vgl. Anm. 45.