Folia archeologica 23.

Endre Tóth: Figürlich verzierte Loculus-Platte aus Savaria

LOCULUS-PLATTE 65 Unser Fragment kann leider genauer nicht datiert werden. Die mit ähnlicher Meißeltechnik verzierten Loculus-Platten oder Sarkophagen in der Stadt Rom ver­mehren sich von der Mitte des 3. Jahrhunderts an. 2 2 Die Loculus-Platte von Savaria kann - in pannonischer Umgebung und Relation - vielmehr als ein Stück aus dem 4. Jahrhundert als aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts betrachtet werden. Wie bereits erwähnt, ist in Pannonién und in den benachbarten Provinzen sowohl die Darstellung als auch die Technik fast völlig unbekannt. Eine durch Meißeltechnik gefertigte Schafträgerdarstellung ist uns auf einer Grabplatte über­haupt nicht bekannt. Eine Darstellung des Guten Hirten - in sepulkraler Umge­bung - kennen wir von einem Sarkophagfragment aus Virunum ; 2 3 von dem ein Teil der Inschrift und die eine Ecke des Sarkophags mit einer Schafträgerdarstellung erhalten geblieben ist. Das Fragment hält Egger 2 4 und Noll 2 5 für ein Stück von christlichem Charakter, jedoch kann nach Klauser diese Feststellung stark bestrit­ten werden : sein Charakter läßt sich nicht entscheiden. In Pannonién hält die For­schung außerdem noch zwei in Ringgefaßte Steine in Evidenz, auf welchen die Gestalt des Schafträgers bzw. des Flirten beobachtet werden kann. Der eine kam in Carnuntum, 2 6 der andere in Pécs 2 7 zum Vorschein. Eine Darstellung, deren Tech­nik der der Loculus-Platte von Savaria gleich wäre, ist uns in Pannonién oder in den benachbarten Provinzen weder in sepulkraler Kreis, noch von woanders her bekannt. Das Stück kann demnach weder aus Pannonién, noch aus den benach­barten Provinzen hergeleitet werden. Setzen wir den christlichen Charakter der Grabplatte voraus, so kann in Betracht kommen, daß in der über eine bedeutende christliche Gemeinschaft verfügenden Stadt Savaria 2 8 eine Steinhauerei tätig war, die mit ähnlicher Technik und figürlicher Verzierung versehene Grabdenkmäler erzeugt hat. Wir müssen die Herkunftsfrage auch in diesem Falle aufwerfen, jedoch nur in der Form, von wo die Werkstätte den Typ und die Technik herge­nommen hat. Unter den aus dem 4. Jahrhundert stammenden Inschriften von Savaria befinden sich jedoch keine anderen, mit ähnlicher Technik hergestellten Stücke, obwohl uns in Pannonién nördlich der Drau gerade die größte Zahl der 2 2 Unter den Sarkophagen der Stadt Rom und Ostia (Bovini , G.-Brandenburg, H., Reper­tórium der christlich-antiken Sarkophage. I. Hg.v.F.W. Deichmann. Wiesbaden 1967) befindet sich kein einziger der früher als die Mitte des 3. Jahruhndcrts datiert wäre. Jene Sarkophage, auf welchen sich eine mit der, auf der Grabplatte von Savaria ähnlichen Meißeltechnik gefertigte Darstellung befindet (a.a.O. Nr. 223, 238, 301, 326, 570, 914.), stammen gleichzeitig nicht aus früheren Zeiten als die Mitte des 3. Jahrhunderts. 2 3 Leclercq, H., a.a.O. Fig. 9937.; CIL III 4921.; Noll, R., Frühes Christentum in Öster­reich. (Wien 1954) Taf.I. 2 4 Egger , R., Frühchristliche Kirchenbauten im südlichen Norikum. Sonderschrift d.Öst. Arch.Inst. 9. (Wien 1916) 105-106. 25 Noll, R., a.a.O. 76., Taf. I. 28 Nagy, L., Pannónia sacra. SzIE I. (Bp. 1938) 98-99., Abb. 62.; Noll, R., a.a.O. 76., Taf. VIII. Bild I. 2 7 Fülep, F., Arch. Ért. 96(1969) 16., Abb. 26. 2 8 Nagy, T., A pannóniai kereszténység története a római védőrendszer összeomlásáig. DissPann IL12. (Bp.1939) 210.; Vgl. Passió Quirini (BHL 7035).

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