Folia archeologica 19.

Zoltán Kádár: Ikonographische und religionsgeschichtliche Bemerkungen zu den Zierscheiben von Rakamaz

112 Z. KADAR sich heraus, daß das Roß ein verzauberter, wunderschöner, junger Mann, ein Königssohn ist. :i 4 Auf Grund unserer obigen Erörterungen ist es, unserer Meinung nach, gelun­gen nachzuweisen, daß die auf der Zierscheibe von Rakamaz vorkommende Symbolik ein künstlerischer Ausdruck eines sehr weiten mythischen Weltbildes ist. Der Falke ist der Himmel, die im Schnabel gehaltene Pflanze bedeutet die Urvege­tation, die Wasservögel gehören vor allem der „anderen Welt" und oft dem weib­lichen Prinzip des schamanistisch-totemistischen Symbolsystems an. Auch auf dem Krug Nr. 7 des Hortes von Nagyszentmiklós kommen dieselben Symbole vor, jedoch erhält dort der große Falke das Wasser symbolisierende Gefäß und den die Vegetation andeutenden Zweig von der Mutter Erde. All diese große kosmische Symbolik, wie wir dies aus den wogulischen Mythen gesehen haben, paßt sich den Zierscheiben, die die weiblichen Haarflechten geschmückt haben, gut an. Ein weiteres Problem bildet, welche gesellschaftliche Bedeutung diesen Zierscheiben zugefallen ist? Es steht fest, daß ihre Träger der vornehmen Schicht der landnehmenden Gesellschaft angehört haben, jedoch ist es problematisch, ob der auf der Scheibe sichtbare triumphale Bildtvpus eine konkrete totemistische Stammesbeziehung hatte, 3 5 oder bloß von apotropäischer Bedeutung ist und sei­nen Träger von den bösen Geistern geschützt hat. Diese Probleme könnten wir in beruhigender Weise nur dann lösen, wenn uns weitere ähnliche Denkmäler be­kannt wären. ZOLTÁN KÁDÁR 3 4 Ebd; Vgl. das buddhistische Märchen von dem Falken und der Taube: Le Coq,A., a. a. O. S. 69., Abb. 10. (Kvzil). 3 5 Vgl. Csalläny , £>., a. a. O. S. 324—325 führt auch die ,,Turul"-Darstellungen des Hor­tes von Nagyszentmiklós vor: Abb. 6,1—2., Abb. 7,1. siehe noch: Györffy , Gy., Sz 92 (1958) S. 495f., Abb. i —3. Vom Adler und vom Falken als „Kulturbringer" neuerdings: Findeisen, H., Adler als Kulturbringer. ZfE 91 (1962), vor allem S. 71—75, früheres Schrifttum: S. 80. (Freundliche mündliche Mitteilung von B. Gunda). ; Györffy, Gy., Tanulmányok a magyar állam eredetéről (Studien über den Ursprung des ungarischen Staates). (Bp. 1959) passim, insbesondere S. 4ff.

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