Folia archeologica 18.
László Barkóczi: Die datierten Glasfunde aus dem II. Jahrhundert von Brigetio
DIE DATIERTEN GLASFUNDE AUS DEM II. JAHRHUNDERT VON BRIGETIO Die Glasfunde von Pannonién — und so auch die von Brigetio — versuchte man bereits zwischen 1940 und 1944 zusammenfassend aufzuarbeiten. Diese Arbeit blieb jedoch wegen des zweiten Weltkrieges unvollendet. 1 Während der seither verstrichenen Zeit erschienen zwei Arbeiten die sich mit den Gläsern je einer pannonischen Stadt selbständig befassen. Die eine derartige Zusammenfassung erschien im Rahmen der Monographie über Intercisa 2 und die andere beschrieb das Material von Aquincum. 3 Nebst diesen wurden auch mehrere solche Teilarbeiten veröffentlicht, in welchen man das Glasmaterial gelegentlich der Publikation je eines Gräberfeldes oder bloß eines Gräberfeldabschnittes bearbeitete. Im Laufe der Forschungen der vergangenen Jahre vermehrten sich die pannonischen Glasfunde in bedeutendem Maße. Bezüglich der Fundumstände verfügen wir über authentische Beobachtungen und so wurde die Aufarbeitung der Gläser in einem selbständigen Rahmen noch mehr aktuell. In Pannonién gab es vor den Römern keine Glasfabrikation und sogar in der Anfangsphase der römischen Besetzung Pannoniens kamen die ersten Gläser als Importwaren in die Provinz. Es weisen mehrere Zeichen daraufhin, daß bereits zu Beginn des 2. Jahrhunderts Glashütten in Pannonién in Betrieb waren, doch ist uns der Formenschatz der Produkte dieser lokalen Werkstätten nicht bekannt und so läßt sich auch der Prozentsatz der Importwaren nicht richtig bewerten. Das Glas stellt in der römischen Archäologie eines der schwersten Probleme dar und diese Schwierigkeit ergibt sich einerseits aus dem Material, anderseits aus dem allgemein verbreiteten Formenschatz. Das Glasmaterial weist in jeder pannonischen Stadt eine Mannigfaltigkeit auf. Im ersten Jahrhundert erschien mit mehreren anderen italischen Waren zusammen auch das Glas. Zu Beginn des zweiten Jahrhunderts hielt noch der Import aus Italien an, doch nahm gleichzeitig auch der ständige Zustrom des Glases aus dem Westen seinen Anfang. Auch die aus dem Osten hergelangten Gläser können nicht außer acht gelassen werden und neben diesen müssen wir auch mit den Erzeugnissen der lokalen Werkstätten rechnen. Das aus den authentischen Fundkomplexen von Brigetio stammende Glasmaterial des zweiten Jahrhunderts ist von geringem Maße und genügt weder zur Feststellung des Umfanges des Imports noch im Beobachtungen zwecks genauer Bestimmung einer lokalen Werkstätte ermitteln zu können. Doch läßt sich aus diesen Funden feststellen, welche charakteristische Typen die Gläser in Pannonién im 2. Jahrhundert aufweisen. 1 Benkő A., Üvegcorpus (Glaskorpus). RF 11:11. (Bp. 1962). 2 Radnóti A., Intercisa II. AH 36. (Bp. 1957) S. 141—163. : i Kaba M., BpR 18 (1958) S. 428—446.