Folia archeologica 18.

László Barkóczi: Die datierten Glasfunde aus dem II. Jahrhundert von Brigetio

68 l. barkóczi Ein Teil der beschriebenen Gläser stammt aus der Sammlung Kállay, 4 die in den zwanziger-dreißiger Jahren Ö. Kállay, J. Petrovics und andere beim Hausbau oder im Laufe verschiedener Erdarbeiten geborgen haben. Der andere Teil des publizierten Materials kam durch die Ausgrabungen der Archäologen des Ungarischen Nationalmuseums zum Vorschein. Wie es auch aus dem Titel hervorgeht, nahmen wir in die vorliegende Bearbeitung nur die aus authen­tischem Fundkomplexen stammenden Stücke auf. Über die Geschichte von Brigetio im ersten Jahrhundert wissen wir wenig. Eine hierher versetzte Ala, die sich zuerst zeitweilig und später ständig im Lager aufhielt, 5 konnte keine Grundlage zur Ausgestaltung des städtischen Lebens bilden. Auch die Ausgrabungen haben festgestellt, daß zu dieser Zeit noch mit keiner ausgedehnten Siedlung, Canabae, gerechnet werden kann. Die Funde sind von geringer Zahl und mit dieser Periode verknüpfen sich noch keine Glasfunde. Natürlich gestaltete sich das Bild der Siedlung anders, als im Jahre 100 die Vexillation von drei Legionen am Donauufer ein ständiges Legionslager aus Stein zu bauen begann. 6 Die erste Besatzungslegion des Lagers war die im Jahre 101 dorthin versetzte XI Claudia, 7 die im Jahre 106 von der legio XXX Ulpia Victrix 8 abgelöst wurde. Die legio I adiutrix, die Garnison von Brigetio bezog spätestens 119 das Lager. 9 Dieser Zeitpunkt bedeutete ungefähr auch die end­gültige Enstehung des pannonischen Limes. 1 0 Etwa von diesem Zeitpunkt an kann auch mit dem Beginn des städtischen Lebens der neben dem Lager und weiter abseits davon entstandenen bürgerlichen und militärischen Siedlung gerechnet werden. Die Militär- und Zivilstadt von Brigetio zeigt eine ungestörte Entwicklung bis zu den quadisch-markomannischen Kriegen unter Mark Aurel. In den Jahren 169—170, 1 1 wurde die Stadt durch den feindlichen Einbruch von jenseits des Flusses verwüstet, bei den Ausgrabungen finden wir aus dieser Zeit überall dicke Brandschichten vor. 1 2 Diese Zerstörung konnte die Stadt erst gegen Ende des Jahrhunderts zu, in den letzten 10—15 Jahren überwinden. 1 3 Die Entstehung der Siedlung und den Ausbruch der quadisch-markoman­nischen Kriege in Betracht gezogen, läßt sich daher der Großteil der Glasfunde aus dem 2. Jahrhundert ungefähr mit der Zeitspanne von 120 bis 170 festlegen, natürlich sind noch die 10—15 Jahre hinzuzurechnen, die auf die Zeit der Stabi­lisierung nach den Kriegen gefallen sind. Die Zeit der Glasgefäße wird noch 4 Die Sammlung von ö. Kállay wurde vom Kuny Domokos-Museum (Tata) durch Kauf erworben. Kállay führte auch von seiner Sammlung ein Inventarbuch unter Beibehaltung der Fundkomplexe. Das Inventarbuch befindet sich gleichfalls im Museum von Tata. 5 Barkóczi L., Brigetio. DissPann 11:22. (Bp. 1951) S. 18. — Im weiteren: Brigetio. 6 Ebd. S. 19. 7 Ebd. S. 20. 8 Ebd. я Ebd. 1 0 Barkóczi L., Intercisa II. AH 36. (Bp. 1957) S. 505. 1 1 Brigetio. S. 26f. 1 2 Ebd. Vgl. noch Intercisa II. S. 508f. 1 3 Intercisa II. S. 515f. ; Brigetio. S. 26ff.

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