Folia archeologica 12.
I. Lengfei: Beiträge zur Ursprungsfrage der Kustanovice-Kultur
66 I. Lengye I Kultur kann mit der geographischen Lage ihres Grenzgebiet bildenden Verbreitungsgebietes erklärt werden. Es hat aber den Anschein, als ob in den vorangehenden Perioden diese östlichen Elemente zwar vorhanden waren, jedoch keine bedeutende Rolle spielten. Sie sind auch in der skythischen Periode nicht charakteristisch. Die geglätteten Gefässe, die für die Gegend des rechten Dnjepr-Ufers so typisch sind, fehlen in der Karpatenukraine fast ganz. Wir kennen aus der Skythenzeit auch keine inkrustierten Gefässe mehr. 32 Tulpenförmige Gefässe kommen nur vereinzelt vor. Die Lochreihen-Verzierung unter dem Rand fehlt hier, höchstens befinden sich an den Gefässen an dieser Stelle ein-zwei Löcher. Die unter dem Rand umlaufenden Leisten, deren Enden sich nicht treffen, sind selten. Die an den Henkeln der besprochenen Tassen befindlichen Buckel lassen sich nur mit dem Einfluss erklären, der von der Gegend des rechten DnjeprUfers stammt, da die Tasse selbst einen hallstättischen Charakter aufweist. Dieser Einfluss des östlichen Waldsteppengebietes war also nicht von grosser Bedeutung. Womit kann dann die Vergröberung an der ganzen Keramik erklärt werden? In der Skythenzeit dominierten in diesem Gebiet nicht die Gefässe des Hallstatt-Typus. Lässt sich eine Erklärung hier für lediglich einen kulturellen Einfluss suchen, der von dem Steppengebiet ausstrahlte? Diese Frage können wir nur beantworten, wenn wir einige weitere Typen untersuchen. Es sind dies vor allem die blumentopfförmigen Gefässe, die zu den charakteristischen Formen der Kustanovice-Kultur gehören. Die Formen und Verzierungen weisen eine so weitgehende Ähnlichkeit auf, dass es nicht notwendig ist, sie in Gruppen zu teilen. An diesen grobgearbeiteten, geradwandigen Gefässen ohne Hals lauft 1—2 cm unter dem Rand eine aufgesetzte Leiste, die häufig durch Fingertupfeneindrücke, oder Einkerbungen verziert ist. Es sei noch erwähnt, dass der Rand manchmal leicht eingezogen, oder ausladend ist. In der Bronzezeit waren in diesem Gebiet blumentopfförmige Gefässe unbekannt. Zu Beginn der Hallstattzeit war dieser Typus gleichzeitig mit einer im Karpatenbecken üblichen Keramik und den Metallfunden verbreitet. 33 Einige blumentopfförmige Gefässe sind aus der HB-Periode bekannt, doch befindet sich an diesen die Leiste nicht unterhalb des Randes, sondern am Bauch. 3 4 Schliesslich dominieren in HC diese Gefässe. Im Gräberfeld von Bilke z. B. wurden solche hauptsächlich als Urnen verwendet. 3 5 An diesen ist die Leiste nicht am Bauch, sondern unter dem Rand. Ähnlich entwickelt sich auch die Verzierung der blumentopfförmigen Gefässe im Dnjestr-Gebiet. Um diese Erscheinung zu erklären, müssen wir eine frühere Periode untersuchen. Ende des 2. Jahrtausends v. u. Z. drangen vom Gebiete des Unterlaufes der Wolga und des Dons in das Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres die Stämme der späten Balkengräberkultur vor und besetzten das ganze nördliche Gestade des Äzowschen Meeres, das Steppengebiet nordwestlich vom Schwar3 2 Grakow, B. N. — Meljukowa, A. /., Dwe archeologitscheskie. . . Abb. 3. 2, 3, 5, 7. 3 3 Potuscbnjak , F. AI., Bronsowij . . 3 4 Bernjakovitsch, K. W., а. а. O. Taf. III, 9. 3 5 Zatlukál J.-Zatlukál E., a. a. O. S. 111-135.