Folia archeologica 12.

I. Lengfei: Beiträge zur Ursprungsfrage der Kustanovice-Kultur

beitrage z u r Ursprungsfrage der Kustanovice-Kultur 65 Die tulpenförmigen Gefässe mit Warzenverzierung sind wahrscheinlich ebenfalls mit Beziehungen zu der Gegend des rechten Dnjepr-Ufers zu er­klären (Tjasmin und Umanj-Flüsse), wo diese besonders charakteristisch sind. 28 Gleiche Zusammenhänge lassen ferner die unter dem Rand umlaufenden auf­gesetzten, gegliederten Leisten erkennen, deren Enden sich nicht berühren. Diese Verzierungsweise war zu jener Zeit für die Gegend des rechten Dnjepr­Ufers charakteristisch, doch kommt sie auch in der Dnjestr-Gegend vor. Ein ähnliches Gefäss erwähnt Zatlukál aus dem Hügelgrab XXII von Büke (S. 135). Auf Töpfen der Gruppe von Kustanovice entdeckt man manchmal kleine gebohrte Löcher. Für das rechte Dnjepr-Ufer sind ebensolche oder auch nicht ganz durchbohrte Löcher (die innerhalb der Gruppe von Kustanovice gleich­falls vorkommen) derart charakteristisch, dass ihr Auftreten in der Dnjestr­Gegend und im Steppengebiet Osteuropas mit dem Kultureinfluss des am rechten Dnjepr-Ufer gelegenen Gebietes erklärt werden kann. 2 9 Autochtonen Ursprungs sind die oft groben, manchmal schwarzen, ge­glätteten, doppelkegelstumpfförmigen Gefässe von Kustanovice (Zatlukál, Abb. 14). Ihre Prototypen sind die bikonischen, schwarzen, geglätteten Urnen von hallstättischem Gepräge, deren hoher Hals durch eine Linie von Rumpf getrennt ist. 3 0 Zwischen beiden Formen steht vermutlich jene bikonische Urne, um deren Bauchmitte eine mit herausstehenden Buckeln besetzte Leiste läuft. 31 Diese Urne weist im Gegensatz zu den Kustanovice-Gefässen zwischen Hals und Bauch keine Trennungslinie auf, doch unterscheidet sie sich von diesen auch durch ihre schwarze, geglättete Oberfläche. Aus der Zeit der Kusta­novice-Kultur kennen wir nur wenige schwarze, bikonische Gefässe mit ge­glätteter Oberfläche (Zatlukál, Abb. 15. links). Aus obigem lässt sich folgern, dass die Mehrzahl der Keramikformen lo­kale Wurzeln und Vorläufer in der eben umschriebenen Gegend oder west­lich der Karpatenukraine hatte und das diese Region zu Beginn der Hallstatt­zeit eine gemeinsame Kultureinheit bildete, in der die Hallstatt-Typen eine nicht geringe Rolle spielten. Ihre Anwesenheit in der Gruppe von Kusta­novice lässt sich in den meisten Fällen nur auf Grund der Formen bestimmen. Diese Gefässe sind für die Hallstattkultur (Asymmetrie, grober Ton, rauhe Oberfläche, dicke Gefässwand) überhaupt nicht charakteristisch, sondern kön­nen mit der skythischen Kultur in Beziehung gebracht werden, innerhalb welcher die Herstellungsart der Keramik für die Steppengegend charakteris­tisch ist, im Gegensatz zu unserer Gegend, sowohl in den älteren Perioden als auch in der mitteleuropäischen НС-Periode. Nur eine gewisse Anzahl der Ge­fässe ist schwarz und von sorgfältig geglätteter Oberfläche, die anderen sind gewöhnlich von unterschiedlich gelber Tönung und schlecht geglättet. Ander­seits stammen einige von lokalen Formen, die mit den östlichen Gebieten, be­sonders der Dnjepr-Gegend und dem benachbarten Dnjestr-Gebiet in Zu­sammenhang stehen. Dieses zweifache Gepräge der Keramik der Kustanovice­2 8 Terenoshkin , А. 1., Kultura predskifskogo wremeni w Srednem Podneprow je. Woprosy skifo-sarmatskoj archeologii. S. 97, Abb. 1. 2 9 Grakow, B. N. — Meljukowa, А. I., Ob etnitscheskich . . . S. 68. 3 0 Bernjakowitsch, K. W., а. а. O. Taf. I, 1, 2, 6. 8 1 ebenda Taf. I, 3. ; Folia Archacologica

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