Folia archeologica 12.

I. Lengfei: Beiträge zur Ursprungsfrage der Kustanovice-Kultur

64 I. Lengye I in allen Nachbargebieten (in Osten z. B. in Westpodolien, in der Dnjestr- und Dnjepr-Gegend) ähnliche Formen beheimatet waren. Mit diesen parallel ent­wickelten sich jene Tassen, deren Henkel ein wenig über den Rand ragt, und die oben eine Warze zur Stütze des Daumens haben. 1 9 (Möglicherweise ist diesem Henkel jener ähnlich, den wir an der siebenbürgischen Noa-Keramik finden. 2 0) Aus letzteren entwickelte sich bis zum 6. Jahrhundert die Tasse mit hochgezogenem Henkel, die oben ebenfalls einen Buckel als Daumenstützte hat. 2 1 Innerhalb der Gruppe von Kustanovice finden wir gleichfalls ähnliche Tassen, die man als Gruppe b) zusammenfassen kann. Insofern sie nicht von den Gáva-Tvpen ableitbar sind, kann ihr Auftauchen in diesem Gebiet durch Beziehungen mit östlichen Regionen, besonders mit der mittleren Dnjepr­Gegend erklärt werden. 2 2 Es muss betont werden, dass diese Tasse oft eine typische Hallstattform aufweist, was sich von den östlichen Exemplaren nicht behaupten lässt. In Hallstatt haben solche Gefässe niemals einen Henkel und man kann sie eher als Schüsseln bezeichnen. 2 3 c) In diese Untergruppe können jene Tassen eingereiht werden, deren hochgezogene Henkel oben gezackt sind. Ähnlichen begegnen wir im Kom. Tolna. 2 4 Die aus den Hallstatt B-Formen entwickelten Schüsseln mit eingezogenem Rand kommen gleichermassen auch in den Nachbargebieten vor. Sie sind oft mit Buckeln verziert. Die Schüsseln mit ausladendem Rand erinnern an die Hallstatt-Formen, doch sind sie im Gegensatz zu letzteren grob gearbeitet und asymmetrisch. Auf diesen und den von der Form eines umgekehrten Kegel­stumpfes treten am häufig gewellten Rand drei oder vier kleine knopfartige Buckel in Erscheinung. Von dieser Verzierung sei soviel bemerkt, dass sowohl in der Aunjetitzer als auch Egyeker Kultur ähnliche vorkommen. 2 5 In der Dnjestr-Gegend kennt man bereits in der vorskythischen Periode 2 6 eine ähn­liche Verzierung auf Töpfen, somit dürfte ihr Äuftreten innerhalb der Kus­tanovice-Kultur keineswegs dem Zufall, sondern einer lokalen Entwicklung aus früheren Formen zuzuschreiben sein. Bei den Kustanovice-Gefässen kom­men ausser den bereits genannten auch Doppelwarzen vor (Böhm, Taf. XIX. 5, Kustanovice, Grab X). Gleichen Ursprungs sind die Daumenstützen und die kleinen Henkel am unteren Teil der Schüsseln. Mit den Beziehungen zur rechten Ufergegend des Dnjepr- und zum Dnjestr-Gebiet lassen sich auch die schief aufgesetzten, kurzen, plastischen Leisten an den Schüsseln mit eingezo­genem Rand erklären. 2 7 Diese Verzierung kommt manchmal auch auf Töpfen vor (Zatlukál, Abb. 13. Mitte). 1 9 Meljukon'a, A. /., Pamjatniki skifskogo wremeni lesostepnogo Podnestrowja. MIA 64. (Moskwa 1958) S. 9., Abb. 1, 13. 2 0 Roska AI, Der Bestand der skythischen Altertümer Siebenbürgens. ESA 11(19371 Abb. 29. 2 1 Meliukowa , A. I., Pamjatniki... S. 15. 2 2 Collection Khanenko I. (Kiew 1899) Taf. XXXIV, 651, 653. 2 3 Sacken, E., Das Grabfeld von Hallstatt. (Wien 1868) Taf. XXXV, 2. 2 4 Ungarisches Nationalmuseum. Tamási. Unveröffentlicht. 2 5 Childe, G. IF., The Danube in praehistory. (Oxford 1929) Abb. 142, 205. 2 6 Meljtikoiva, A. I., Pamjatniki... S. 22., Abb. 3, 7. 2 7 In dem Gräberfeld von Bilke z. B. Hügelgrab V.: Zatlukál ].— Zatlukál E., a. a. О. S. 117: beim Mittellauf des Dnjepr: Votuscbnjak, F. M., Bronsowii. . . S. 103, Taf. T. 12; beim Mittel­lauf des Dnjestr: Meliukoma, A. I., Pamjatniki... Abb. 2, 11. Abb. 24, 27.

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