Folia archeologica 12.
A. Salamon-Gy. Török: Funde von No-Ungarn aus der Römerzeit
154 A. Salamon— Gy. Török chen des Siedlungslebens feststellen könnten. Zweifellos repräsentiert die älteste Zeit jene La-Tène-Urne 7 (Taf. XXVIII, 1.), die im unteren Niveau von Szilvásvárad vom Schichtendruck zerbrochen zutage kam. (s. Abb. 40.) Im Profil waren ausser den Fragmenten der Urne — zusammen mit Material aus späteren Zeiten —weitere, für LT Q.g —D charakteristische Bruchstücke, sie stammen grösstenteils von Schüsseln. 8 (Abb. 41. 11, 12, 17, 13, 15, 19.) Diese Epoche, die wir etwa auf das 1. Jh. v. u. Z. verlegen können, ist auch im Material der Sötétkapu-Siedlung in Miskolc reich vertreten, 9 mit dem Unterschied jedoch, dass dort das spät-LT-Material in Begleitung von viel, aus der „Puchov-Kultur" stammender Keramik erschien. Durch diese Tatsache wird die Annahme von M. Párducz erhärtet, dass sich in der Miskolc-SötétkapuSiedlung der besiegten Kelten die Träger der Puchov-Kultur ansiedelten. 10 Aus dem wenigen Material, das Szilvásvárad bisher geliefert hatte, können wir auf keine Eroberung oder Ansiedlung schliessen. Wenn wir auch geneigt wären an ein — bisher nicht angenommenes — Fortleben des LT-Materials zu denken, was bei ausserhalb Pannoniens lebenden Völkern besonders vorstellbar wäre, so sind wir doch eher für die Wahrscheinlichkeit, dass die in diesem Gebiet wohnende keltische Einwohnerschaft die Kriege des Augustus', die auch gegen sie gerichtet waren, überstanden haben. 1 1 Dies ist umso wahrscheinlicher, als ein so bedeutendes keltisches Material selbst in der Siedlung von Puchov im verhältnismässig riesigen Material nicht erschienen ist. 12 Es gibt ferner in unserem Material auch solche Fragmente, deren Analogien wir aus Pannonién aus dem 1. Jh. u. Z. und den auf die Jahrhundertwende folgenden Jahrzehnten kennen. So die Gruppe der auch nach der römischen Eroberung fortlebenden kammstrichverzierten Gefässe aus Graphitton, die ihre Wurzeln im La Tène hat. 1 3 Es ist anzunehmen, dass dieses Material in Szilvásvárad von der fortlebenden keltischen Einwohnerschaft verfertigt wurde. (Abb. 41. 22; Abb. 42. 38—40.) Wir begegnen dieser Gefässart auch in Puchov, doch ist sie dort in der Form plumper, untersetzter, sieht we7 Hunyadi I., Die Kelten im Karpatenbecken. DissPann. II. 18. (Bp. 1944) S. 142 f. Sie ist dem auf die zweite Hälfte des LT С zu datierenden Stück aus Pécs (LXXVII 4) und der Urne aus Ócsa (LXXVII 3) ähnlich. Doch steht sie auch den unter 5) aufgezählten Stücken nahe. 8 А. а. O. bestimmt der Verfasser die Schüsseln Nr. 11., 12 und 17, als gemeinsamen Typus des LT Cj—C 2, S. 129; Nr. 13 und 15 unserer Aufzählung (Abb. 41.) sind auf das LT D zu verlegen: S. 131, Typ 10, S. 132, Typ 12 bei Hunyadi. Beide Typen sind im Material aus Tabán und aus Békásmegyer häufig. Unser Stück Nr. 19 (Abb. 41.) gehört in die Gruppe der wenig Graphit enthaltenden Gefässe: S. Hunyadi, S. 139, und steht im Profil dem auf Abb. 15 dargestellten Profiltyp „A" nahe. 9 Párduc?,, Miskolc, S. 49. Er betrachtet die aufgezählten Stücke als gemeinsamen Typus des LT C 2 C-D. 1 0 Ebda. S. 50. 1 1 Alföldi A., Bp. Tört. (Geschichte der Stadt Budapest) I. (Bp. 1942) S. 153, mit weiterer Literatur. 1 2 Beninger, E., Die germanische Bodenfunde in der Slowakei. (Reichenberg —Leipzig 1937) — (im folgenden: Beninger ) S. 59 — 91. 1 3 Hunyadi I., a. a. О. S. 139 ff.; Bonis E., Die kaiserzeitliche Keramik von Pannonién. DissPann II. 20. (Bp. 1942) S. 35 ff. mit der weitere einschlägigen Literatur. Mit grosser Zahl erscheint dieser Typ im Tabáner Material. Nagy L., Bp. Tört. I. (Bp. 1942) S. 253, Taf. XVI. Auch in den neuesten Funden in Gellérthegy-Tabán finden wir diesen Typus: j-^;. Pöczy K., Arch. Ért. 86. (1959) Abb. 3.9. S. 64.