Folia archeologica 11.
A. Kerényi: Gruppierung der Barbarenmünzen Transdanubiens
52 Л. Kerényi Bei der Wahl der Darstellungen ist es durchaus nicht ausgeschlossen, dass dabei — abgesehen von erwähnten hispanischen Einfluss — in erster Linie der Einfluss der römischen Münzen ausschlaggebend war (bei den zweiköpfigen Biatecs (T. III. 3.) Honos und Virtus, bei denen der NonnosArt (T. III. 4—5.) ein Apollokopf, vom Salus des Iunius Silanos Denars abzuleiten, auf den Münzen mit der Aufschrift „Bussumarus" (T. III. 6.) ebenfalls ein Apollokopf, unsw.). Den römischen Einfluss verraten aber am ehesten die aus lateinischen Buchstaben bestehenden Aufschriften. Mit der Ausnahme eines einzigen Typs befinden sich nämlich auf allen diesen grossen Silberstücken aus lateinischen Buchstaben bestehende Aufschriften: die verschiedene keltische Personennamen. Die Aufschriften verewigen vermutlich die Namen von Stammeshäuptlingen. Im ganzen kennen wir 14 verschiedene Namen. Am häufigsten kommen die Namen Biatec und Nonnos vor, bezw. die retrograde Form des letzteren: SONNON. 1942 in Bratislava ist ein neuer grosser Fund zutagegekommen, in dem ein neuer Biatec-Typ und ein bisdahin gänzlich unbekannter Typ mit der Aufschrift MACCIUS enthalten war. Während für die Darstellungen der Vorderseiten vor allem die römischen Münzen als Vorbilder gedient haben dürften, weisen die Darstellungen der Rückseiten auf verschiedenste fremde Einflüsse. Es genüge hier ausser dem galoppierenden Reiter nur ganz kurz noch auf Abbildungen hinzuweisen wie: Bär, Löwe, (T. III. 7—8.) Vogel mit Menschenkopf, (T. III. 9.) Löwe mit Menschenkopf (T. III. 10.) Pferd mit trompetenförmigem Maul (auf Münzen ohne Namenaufschrift). (T. III. 11.) Letztere Abbildung ist dem Kleinsilbertyp von Tótfalu entlehnt worden. Die Darstellung des in neuester Zeit bekannt gewordenen MACCIUS-Typs geht noch weiter: die Vorderseite schmückt eine doppelt gewundene Schlange, auf der Rückseite ist ein rechtsblickender Tiger, aus dessen Maul zwei Menschenfüsse hängen. Während bei den anderen Darstellungen die westliche Form durchdringt, kommt bei dieser Variante der skythische Einfluss deutlich zum Ausdruck. Den aus dem Osten kommenden Einfluss verraten auch die das Feld ausfüllenden einzelnen Motive wie u. a. auf den aufschriftslosen Exemplaren der Kreis oberhalb der Pferdefigur, dem die Forscher sakralen Charakter zuschreiben und mit dem Sonnenkult in Verbindung bringen. Die grossen Silberstücke des Biatec-Typs sind in grösster Zahl im Gebiet von Bratislava gefunden worden. Aus diesem Grund haben wir auch den Prägeort daselbst zu suchen. 1 2 Was aber die Prägungszeit dieser Münzen betrifft, so setzt man sie den gegenwärtigen Feststellungen entsprechend in die Jahre zwischen 70 und 44 1 3 v. d. Zw. Unmittelbar an die boischen Münzen schliesst sich der Typ von Tótfalu (T. III. 12., IV. 13—19.) an. Zwischen den beiden Gruppen besteht ein enger Zusammenhang insofern, dass gewisse Elemente hauptsächlich mit den kleinen boischen Silbermünzen, den Stücken der Funde von Réte und Simmering identisch sind. Eines kann immerhin als sicher angenommen werden, dass 1 2 S. Anm. 10. 1 3 Pink setzt die Prägungszeit dieser Münzen zwischen die Jahre 70 und 58, Alföldi A. hat jedoch Bp. Tört. I. (Bp. 1942) 144 nachgewiesen, dass der Sibyllenkopf auf einer BiatecMünze den Denar des T. Carisius aus dem Jahre 45 nachahmt, folglich hat diese Münze frühestens im Jahre 44 entstehen können.