Folia archeologica 10.
A. Cs. Sós. Das frühawarenzeitliche Gräberfeld von Oroszlány
120 A. Cs. Sós berücksichtigen und gleichzeitig auch mit der Frage des Fortlebens und der genetischen Beziehungen der einzelnen Funde verbinden, können wir für die Bestimmung des ethnischen Hitergrundes sichere Anhaltspunkte gewinnen. Eben darum halte ich bei der ethnischen Bestimmung unserer bekanntgegebenen Funde in Ungarn den Umstand für besonders wichtig, dass wir manche Typen in ihrer Entwicklung auf salwischem Gebiet durch mehrere Jahrhunderte verfolgen können. Das bezieht sich in erster Linie auf die doppelspiraligen Schläfenringe, die B. A. Rybakov auf Grund ihrer Analyse, als verlässliche ethnographische Kennzeichen anspricht: der genetische Zusammenhang der Schläfenringe mit den späteren slawischen Typen des 11.—12. Jahrhundert zeigt sich deutlich auf südrassischen Gebiet. 28 Wir können aber einen ähnlichen Zusammenhang auch für die trapezförmigen Anhänger voraussetzen. Auffallend ist nämlich, dass diese in verschiedenen Grössen und in dreieckförmigen Kompositionen zusammengeheftet, auf den im ostslawischen Gebiet verbreiteten Schläfenringe als Anhängerornamente auch in dem 12. Jahrhundert vorkommen. Ihre Verzierungen sind getriebene Punktreihen und erhebene Punktkreise. Bei diesem Typus sei aber bemerkt, dass er nach den bisheriegen Funden hauptsächlich in dem nördlichen Teil des ostslawischen Gebietes verbreitet ist (er kommt auch auf Schläfenringen vor, welche im 11—12. Jahrhundert in der Umgebung von Novgorod für die Slawen charakteristisch waren). 2 9 Auf Grund der bisherigen Untersuchungen sehe ich in dieser frühawarenzeitlichen Fundgruppe Ungarns, zu der auch das Material des Gräberfeldes von Oroszlány gehört, den Nachlass des slawischen Völkerrestes , der sich in Zusammenhang mit der Л wareninvasion von der Dneprgegend getrennt hat und sich am Ende des 6. Jahrhunderts in Pannonién ansiedelte. Diese Vermutung kann durch einen Vergleich der Verbreitung unserer Funde mit jener der frühawarenzeitlichen Beschläge mit Fransenmuster, der Steigbügel und der Wurfspiesse unterstützt werden. Unsere Fundgruppe stimmt nämlich mit der Verbreitung der letzteren überein: westlich der Donau liegen unsere Fundorte von Pécs nach Oroszlány beinahe in einer geraden Linie. Da Ilona L. Kovrig die Funde mit Wurfspiessen und Steigbügeln mit der Besetzung Pannoniens durch die Awaren in den Jahren 574—578 in Zusammenhang bringt, 3 0 scheint es naheliegend die Siedlung der von südrussischem Gebiet eingewanderten slawischen Völkerteile mit dieser awarischen „Landnahme" 2 8 Рыбаков Б. А., Древние русы. S. 68., Abb. 15. Für die Verbreitung der Schläfenringe vgl. Musianowic^, K., Kablaczki skroniowepróba tipologii i chronologii. Swiatowir 20(1948—49) T. X., Plan XIII. 2 9 Musianowicz, к., op. cit. T. I. 13., T. II. 13., T. VIII. 3. Vgl. auch Niederle, L., Rukovet slovansych starozitnosti. (Praha, 1953) S. 288., Abb. 34, 9.; Hensel, W r., Slowianszczyncna wczesnosrodniowoeczna. (Warszawa, 1956) S. 398., Abb. 389. Auf einem gewundenen Draht hängende längliche Blechplattenanhänger mit getriebener Verzierung, als Halsschmuck: Rajewski, Z. A., Wielkopolskie Cmentarzyska rzedowe okresu wczesnodriejowego. Przeglad Archeologiczny 6(1937) T. III. 1., S. 41.; Рыбаков Б. Л.,' Ремесло Древний Руси. (Москва, 1948) S. 95., Abb. 13. Nicht uninteressant ist, wenn auch in den Funden des Bjelo-Brdoer Typs alleinstehend der viereckige Blechanhänger, auf dessen unterem Rand, in ähnlicher Anordnung wie bei den erwähnten Schläfenringen, ebenfalls trapezförmige Anhänger angebracht sind: Brunsmid, J., Hrvatske sredovjecne starine. VHAD 7(1903—4) S. 83., Abb. 36. Fundort Klostra. 3 0 Kovrig I., Arch. Ért. 82(1955) S. 31—32., Abb. 1—2., S. 40 f. Kovrig I., Acta Arch. Hung. 6(1955) S. 163 ff. (Contribution au problème de l'occupation de la Hongrie par les Avars.)