Folia archeologica 3-4.

Fettich Nándor: Antik hagyományok a régi pusztai népek kultúrájában

157 FETTICH: ANTIKES GUT IN SÜDRUSSLAND auf welche Schachmatow hingewiesen hat. Die Abnehmer der Produktion der Kiewer und der anderen Werkstätten scheinen die Ungarn ge­wesen zu sein. Den grössten Teil dieser Kiewer Erzeugnisse haben die Ungarn nach dem heuti­gen Ungarn mit sich gebracht. Vieles wurde aber auch nach Südrussland, Westsibirien, Skan­dinavien und den Nachbargebieten, sogar ent­lang der unteren Donau, auch nach dem Balkan geliefert. Es wäre nicht notwendig dem Weiter­leben antiker Kulturelemente eine besondere Bedeutung zuzuschreiben, wenn dieselben nur spärlich, als Rudimente des alten Bestandes oder als blasse Rückschläge in diesen späten Zeiten erscheinen würden. In Wirklichkeit blüht aber die alte mixhellenische Kultur in einer so inten­siven und klaren Wiedergeburt auf, dass es uns ganz rätselhaft erscheinen muss, wie sich der ganze pontische Formenschatz durch die vieler­wähnten Unwetter der Völkerwanderungszeit, fast unverändert jahrhundertelang erhalten konnte. Dieser antike Formenschatz taucht in diesen Spätzeiten in verschiedenen Kulturen auf. Vor allem möchte ich die avarische Bronze­gusskunst des VII. und VIII. Jahrhunderts er­wähnen. Ihr Naturalismus tritt als eine Reaktion gegenüber der hunnenzeitlichen Abstraktion auf. Wir finden die hellenistischen Rankenmotive, gewisse Figuren der griechischen Mythologie, wie Dionysos, Herakles, Niké, Medusenhaupt, Nereide, unter den Tierfiguren vor allem den geflügelten Greifen, die charakteristische Tier­kampfszene usw. in unverkennbaren Formen in dieser Kunst auf. Ja sogar die berühmten Schöp­fungen der griechischen Werkstätten im Pontus­gebiet, die Szenen der Goldvasen, werden in diesen späten Zeiten wieder ins Leben ge­rufen. In den Städten des Chazarenreiches, vor allem in Verchne-Saltovo (in der Nähe des heu­tigen Charkow) wird derselbe Prozess zu beo­bachten sein. Verchne-Saltovo war zu unserer Avarenzeit eine der grössten Siedlungen in der Steppe, weit nördlich von den griechischen Ko­lonien, etwa in der Höhe von Kiew gelegen. Es ist aber noch überraschender, dass ein­zelne figurale Motive der griechischen Mytho­logie, wie der Dionysos auf seinem Panther, oder der triumphierende Dionysos, dann die Sirenen usw. in den verschiedensten Varianten, erweitert mit einheimischen Vorstellungen oder der neuen Bedeutung entsprechend umgestaltet, in der Bronzegusskunst eines weit liegenden Gebietes: Permiens in Nordostrussland, neuerdings ins Le­ben gerufen wurden. Die Denkmäler dieser Kul­tur umfassen eines der reichsten, bisher fasst gänzlich unerforschten Materials der Religions­geschichte. Schon aus der hier gegebenen kleinen Über­sicht erhellt also, dass das Weiterleben antiker Kulturelemente in der Steppenwelt als eine be­deutende kulturgeschichtliche Erscheinung zu betrachten ist. Die Tragweite des Problems wird aber erst durch weitere, mit ihm zusammenhän­gende wissenschaftliche Fragen veranschaulicht, die ich im folgenden kurz zusammenfassend besprechen möchte. Die asiatischen Steppen und die asiatischen Hochkulturen will ich jetzt nicht behandeln. Über die Expansion der griechischen Kultur nach Osten ist in der Literatur vielmals bis auf die kleinsten Einzelheiten berichtet worden. Demgegenüber steht das antike Südrussland aus dem Gesichtspunkte der mitteleuropäischen und skandinavischen Völker fast als terra incog­nita da. Als nächste Probleme sollen die Erfor­schung der inneren Organisation des Hunnen­reiches, die Feststellung der hunnenzeitlichen neuen Emporien und vor allem vielleicht die wissenschaftliche Aufnahme, Bestimmung und Veröffentlichung der Denkmäler des hunnen­zeitlichen Kunstgewerbes angeführt werden. Bei dieser Arbeit sollte das ganze archäologische Material des Zeitalters vom Altaigebirge bis zum Rheinland revidiert werden. Die Erforschung des Entstehens der inneren Emporien berührt eine ganze Reihe geschichts­wissenschaftlicher Probleme. Um nur beim Ki­ewer Beispiel zu bleiben, sind von diesbezügli­chen Forschungen neue Quellenmaterialen für die russische Normannenfrage zu erhoffen. Durch eine neue Bearbeitung der archäologi­schen Hinterlassenschaft der Steppenvölker die­ses Zeitalters wird die organisatorische Tätigkeit der Normannen in ein neues Licht gerückt. Was die landnehmenden Ungarn anbelangt, habe ich versucht, diese Revision vorzunehmen. Es eröffneten sich solche Zusammenhänge zwi­schen weit voneinander liegenden Gebieten und auch zwischen einander folgenden Völkern, die in der Fachliteratur teilweise vollkommen unbe­kannt waren. Es hat sich auch herausgestellt, dass die Expansion der antiken Atmosphäre des

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