Folia archeologica 3-4.

Fettich Nándor: Antik hagyományok a régi pusztai népek kultúrájában

158 FETTICH: ANTIKES GUT IN SÜDRUSSLAND Pontusgebietes noch viel weiter, als die er­wähnten Gebiete ausstrahlte. Nach den avarischen Feldzügen Karls des Grossen (rund: nach 800) haben die Normannen­züge das antike Gut vom Hinterland des Pontusge­bietes auf skandinavische Gebiete hinübergebracht, wodurch neue Richtungen im Lebender skandina­vischen Völker eingesetzt wurden. Die abstra­hierende hunnenzeitliche Kunstrichtung Hess auch die Skandinavier nicht unberührt, geschweige denn die mittel- und westeuropäischen Germa­nen. In dieser Zeit erfolgte aber plötzlich ein radikaler Bruch in der skandinavischen Kunstent­wickelung und der seit Jahrhunderten blühende abstrahierende Tierstil wurde durch einen natura­listischen Tierstil abgelöst. Als nächste Quelle dieser Richtung ist die avarische Holzschnitz­kunst und die darauf beruhende Bronzeindustrie anzusehen. Dieselben früher erwähnten mytholo­gischen Figuren, Pflanzenmotive und Tiergestal­ten wurden hier, angepasst an den skandinavischen Geschmack, abermals verwendet. Die Umwäl­zungen lassen sich in den Holzschnitzereien von Oseberg am besten erkennen. Gleicherweise hat auch der Kiewer Auf­schwung, über den jetzt gesprochen wurde, die skandinavische Entwicklung entscheidend beein­flusst. Die verschiedensten hellenistischen Pflan­zenmotive: Ranken, Palmetten und Halbpälmetten, in Verbindung mit wenigen Rudimenten des alten Tierpantheons und mitunter auch einiger mythologischen Gestalten verbreiten sich entlang der Normannenwege im Norden bis England und Irland und riefen den letzten Stil der nordger­manischen Kunst, den sog. Ringerike-Stil hervor. Als mitteleuropäisches Kongruent dieses Prozesses ist die sog. Kettlachkultur zu betrach­ten. Alle erwähnten antike Motive kommen hier in der uralten Emailtechnik, oder in Verbindung mit derselben vor. Vor kurzem habe ich die Ge­legenheit gehabt, die ganze Kettlacher Denkmal­gruppe aufzunehmen und zu analysieren. Die genaue Bestimmung des Motivenschatzes er­brachte auch hier manche neue Resultate. Auch das Problem der sog. karolingischen Renaissance wäre einer gründlichen Revision zu unterziehen. Der in der Fachliteratur oft er­wähnte «Karolingische Löwe» scheint ein irre­führender terminus technicus zu sein. Ein solches Tiermotiv existiert in der skandinavischen Kunst eigentlich nicht. Wohl handelt es sich aber auch dort um den geflügelten Panther-Greifen, also um ein in den antiken dionysischen Kreis gehö­rendes Tiermotiv und um dessen verschiedene Varianten. Alle Tiermotive unter dem Sammel­namen «Karolingischer Löwe» lassen sich auf diese Quelle zurückführen. Diese skizzenhaft angedeuteten grossen Pro­bleme der Kulturgeschichte der Steppenvölker und der germanischen Welt verlangen natürlich gründliche Einzelarbeiten. Ich selbst habe ver­sucht, mehrere Einzelheiten auszuarbeiten. In den letzten Jahren habe ich meine diesbezüglichen Resultate veröffentlicht. Weitere Veröffentlichun­gen, wie meine Monographie über den sog. Säbel Karls des Grossen, enthaltend auch die Behandlung der grossen Kiewer Werkstatt vom IX. Jh., sowie eine andere Monographie über den hunnenzeitlichen Fürstengrabfund von Sze­ged—Nagyszéksós sind in Vorbereitung. Eine monographische Behandlung der Denkmäler der Kettlachkultur mit neuerlich vorgenommenen Auf­nahmen und Aquarellen wird von einem deut­schen Kollegen im Laufe des nächsten Jahres erscheinen. Zur Behandlung der übrigen Pro­bleme sind neu anzustellende Forschungen und moderne Aufnahmen erforderlich. Budapest Nándor Fettich

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