Folia archeologica 1-2.

László Gyula: Egy régensburgi vállkő

219 LÁSZLÓ: BEITRÄGE ZU EINEM REGENSBURGER KÄMPFERSTEIN sich zu wiederholen. Es wirft sich aber unwill­kürlich die Frage auf, auf welchem Wege diese antike Erbschaft in diese mittelalterliche Bild­hauerei gelang. Es liegt der Gedanke auf der Hand, dass man diese Motive von den, in westeuropäischen Gebieten in grosser Zahl find­baren, Mithrasdenkmälern übernommen hat um diesen mit den mittelalterlichem religiösen Auf­fassungen zu durchweben. Es muss aber dies­bezüglich der Umstand in Erwägung in gezogen werden, dass der überwiegend grösste Teil der westereurpäischen Mithrasdenkmäler, den mit­telterlichen Völker noch nicht zugänglich war, da diese in grösserer Zahl erst in den letzten Jahrhunderten zum Vorschein kamen. Wir wissen zwar, dass man römische Denkmäler einesteils zum Spott des Heidentums, anderseits da man diesen magische Kräfte zumutete, in die Wände mittelalterlicher Kirchen einmauerte, 1 5 doch fand man unter diesen, meines Wissens nach, bislang keine einzige Mithrastafel. Daher sind wir gez­wungen auch diesbezüglich mit einem direktem orientalem Einfluss Rechnung zu tragen. So findet sich in der awarischen Kleinkunst sehr hauffig das Motiv des mit den Löwen rin­genden Menschen, 1 6 die unseres Wissens nach auf ähnliche Muster der awarischen Gold­miedekuntswerke, sowie den diesen zum Vorbild dienenden Holzschniztarbeiten und Textilmustern zurückgehen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass die Komposition der Mithrasdenkmäler nicht als unmittelbare und bodenständige Nieder­schläge der römisch-griechischen Kultur aufzu­fassen sei, sondern durch Vermittelung der Steppenvölker wieder auf den mittelalterlichen westereuropäischen Boden zurückgelangte. Die endgültige Lösung dieses Problems gehört unter anderen zu einer der dankbarsten Aufgaben der ungarischen Forschung. Wie schon erwähnt ist der Kopf Samsons auf dem Regensburger Kämpferstein rasiert und mit einen dreiflächtigen Zopf versehen. Ähnlich ist die Kopfausbildung des einen Reiters. Das einzige Volk welches diesen Regensburger Bild­hauern sowie den, diese Kunstwerke veranlas­senden Mönchen und den damaligen Bürgern als Vorbild dienen konnte, waren die heidnischen Magyaren der Streifzügezeit. Es ist diesbezüg­lich hervorzuheben dass auch im XL Jahrhundert, der ersten Christenzeit des Magyarentums, die aufsteherischen Heiden sich mit ähnliche Haar­tracht kenntlich machten und auf diese Weise gegen das Christentum demonstrierten. 1 7 Es ist sogar anzunehmen dass selbst auch im späteren Mittelalter der rasierte Kopf, mit den dreifläch­tigen Zopf für das Symbol des gegen das Christentum sich auflehnenden teufeligen Hei­dentums betrachtet wurde. Das befremdend wirkende, abweichende Äus­sere der Magyaren konnte in ihnen sehr leicht den Gedanken erwecken, dass es sich bei diesen um, zu ihnen in Märchenform gelangten, Ur­magyaren handelt, deren Ahnen heilige Tiere gewesen wären. 1 8 Anderseits konnten sie, wie das die einen Ochsenköpfigen Menschen dar­stellende spätawarische Riemenzunge 1 9 be­weiset, ähnliche Darstellungen gekannt haben. Auf diese Weise könnte sich bei den west­europäischen mittelalterlichen Völkern ein Bild der heidnischen Magyaren entstanden sein. Der zöpfige, tierköpfige Gladiator des Fussboden­mosaiks des Domes von Cremona (Abb. 2) dürfte ein Kettenglied dieses Prozesses veran­schaulichen. 2 0 Die in Spitzenform schematisierte Mähne des Schildreiters des Regensburger Steines erscheint in Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg auf dem Kopf des Teu­fels. 2 1 In diesen Gedankenkreis dürfte auch das verstümmelte, hahnfussähnliche Bein Samsons gehören. Vom ungarischen Gesichtspunkt aus ist es von Bedeutung, dass dieser Regensburger Kämp­ferstein bisher das einzige Denkmal ist, auf welchem autentische Darstellungen der glatt­köpfigen, heidnischen Magyaren vorkommen. Auch der dreiflächtige Zopf entspricht den Be­schreibungen der einschägigen historischen Quel­len. 2 2 Wass die Tracht der dargestellten Figuren anbelangt, lässt sich feststellen, dass sich dies­bezügliche Parallelen in den gleichzeiteig ent­standenen französischen Reliefen und deren Deri­vaten häufig vorkommen. 2 3 Die Kleidung un­seres Zopfreiters wiederholt sich bis in Einzel­heiten gehend auf einer Figur des einen Reliefs von Bayeux. 2 4 Diese Tracht entspricht scheinbar der Mode Nomadenvölker. Es besteht jedoch zwischen beide ein prinzipieller Unterschied, indem zwischen beiden bezüglich des Zuschnittes ein Unterschied feststellbar ist und ferner, dass der nomadische Kaftan einfach anlegbar, 2 5 hin­gegen das französisch-deutsche Gewand nur durch hineninschlüpfen angezogen werden konnte. Es ist daraus ersichtlich, dass die Tracht unseres Zopfreiters weder mit dem Orient, noch mit den Magyarentum der Streifzügezeit in irgendeiner

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