Szabó Géza: Geschichte des ungarischen Coetus an der Universität Wittenberg 1555–1613. Halle 1941.

Die Ungarn an der Universität Wittenberg im XVI. Jahrhundert - III. Verfall und Auflösung des Coetus - 10. Der Ursprung des ungarischen Calvinismus - Wittenberg und der Ursprung des ungarischen Calvinismus

daß das Ungartum der Donau- und der Theißgegend in den 50er Jahren jenes Jahrhunderts, zwischen 1550—1560, sozusagen unbemerkt reformiert wurde. Obwohl es sonder­bar klingt, entspricht es doch der Wahrheit, daß die cal- vinistische Reformation genau so wie die lutherische in unserer Heimat aus Wittenberg ihren Ursprung nahm.“ 22) In den Notizen, die J. Pokoly dieser Behauptung anfügt, spricht er es ganz klar aus: „Die ungarische reformierte Kirche führt also ihren Ursprung nicht auf Genf oder Zürich zurück, sondern auf Wittenberg.“23) Zuerst sei die so oft mißverstandene Person Melanch- thons, seine theologische Stellung und damit diejenige der Universität Wittenberg nach Luthers Tode vergegen­wärtigt. Nach dem Tode des Reformators war in Wittenberg Melanchthon derjenige, welcher die ganze Autorität Luthers erbte. Der Ruhm und das wissenschaftliche Niveau der Universität wurden von ihm auf der alten Höhe erhalten. Welche Stellung hatte Melanchthon als Theologe inne? Das Rild des Theologen Melanchthon spiegelt sich sehr verschieden in der Literatur wider24). Soviel ist ge­wiß, daß er als Theologe in einigen dogmatischen Fragen, z. R. in der Lehre vom freien Willen, von den guten Werken und vom Abendmahl mit Luther nicht vollkommen übereinstimmte25). Diesen theologischen Unterschied ließ die absolute Autorität Luthers und die Fügsamkeit Melanch- thons zu Lebzeiten des Reformators nicht so stark hervor­treten. Nach dem rUode Luthers aber, dann besonders nach den interimistisch-adiaphoristischen und den darauf folgenden majoristischen und synergistischen Streitigkeiten wurde dieser Unterschied immer klarer. Die streng luthe­22) J. Pokoly: Az erdélyi református egyház története (Die Ge­schichte der reformierten Kirche in Siebenbürgen), Budapest 1904. Bd. I. 120. 23) Ebenda 121. 24) Außer den allgemein kirchen- und dogmengeschichtlichen Werken siehe die Literatur in K. Schottenloher: Bibliographie zur deutschen Geschichte im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517—1585. Leipzig. 1933—1939 Bd. II. Nr. 15003—15135, 15486—15489. 25) Ebenda Bd. I. Nr. 13120—13132, Bd. II. Nr. 15390—15392. 98

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