Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Die Tänzer am Wiener Hofe Der Hofmusikdirektor ist gegen seine Aufnahme. Der Obersthofmeister überläßt die Entscheidung dem Kaiser, rät aber eher zur Aufnahme, weil Francesco Scotti nur als unbesoldeter Scholar aufgenommen werden will und der Musikkavalier auch nicht so viel gegen ihn einzuwenden hat wie gegen Carl Ludwig Selliers, „Er Scotti auch mit der Zeit ohne allen Zweiffel capable seyn wird die Jhme außstellende fehler zu Bessern“. Der Kaiser weist ihn dennoch mit seinem Gesuch ab. OMeA 29 unfol. und OMeA Prot. 14 fol. 52r - 57v (1733 Februar 18, Referat mit Resolution, Nr. 3; Beilagen: präs. 1732 Oktober 13, Bittgesuch des Francesco Scotti; Lit. E, Gutachten des Hofmusikdirektors); OMeA Prot. 14 fol. 74v - 75r (1733 Februar 25, Bescheid): Bittgesuch um Aufnahme als Hoftänzer unter Verweis darauf, „waß massen Er von seinem Meister105) nicht nur allein die Kunst des Tanzens ex fundamento erlehrnet, sondern auch unter den vorweiligen Direttore della Musica Prencipe Pio di Savója seine dießfählige Prob auff dem grossen Theatro dargethan habe“. Der Hofmusikdirektor erinnert daran, daß derzeit keine Stelle unter den Hoftänzern frei sei. Auch der Obersthofmeister rät, den Bewerber abzuweisen. Placet des Kaisers. Francesco Scotti dürfte nach den beiden abschlägig beurteilten Bittgesuchen sein Glück anderswo versucht haben, denn er scheint in den Akten des Obersthofmeisteramtes nicht mehr auf. Franz (Anton Christoph) Hilverdin g106) (van Wewen) (17. November 1710 - 29. Mai 1768); Hoftänzer (ab 1734), Hofballettmeister (ab 1737) und Hoftanzmeister (ab 1749) OMeA 29 unfol. und OMeA Prot. 14 fol. 52r - 57v (1733 Februar 18, Referat mit Resolution, Nr. 4; Beilagen: Bittgesuch des Franz Hilverding; Lit. F, Gutachten des Hofmusikdirektors); OMeA Prot. 14 fol. 75r (1733 Februar 25, Bescheid): Bittgesuch um eine Stelle als Hoftänzer für sich und seine Frau Maria Anna, Tochter des Tanzmeisters von Brünn107), „ex motivis: weillen Er, seinem Vorgeben nach, die Kunst des Tanzens, annebst aber auch die wissenschafft Ballet zu Componiren in der perfection Besitzete“. Der Hofmusikdirektor wagt nicht, über die Fähigkeiten des am Stadttheater108) tanzenden Franz Hilverding ein Urteil abzugeben. 105) Tobias Gumpenhuber. 106) Vgl. zu Franz Hilverding und seiner Familie: Gustav G u g i t z Die Familie Hilverding und ihre theatralische Sendung. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Theaters in Wien in Jahrbuch des Vereines Jur Geschichte der Stadt Wien 11 (Wien 1955) 71-103. Hilverding in Enciclopedia dello spettacolo VI (Rom 1959) Sp. 334-336. 107) Anton Coblet. vgl. Gustav G u g i t z Die Familie Hilverding 95. 108) Theater nächst dem Kärntnertor 91