Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Andrea Sommer-Mathis Der Obersthofmeister rät, ihn ahzuweisen. Placet des Kaisers. OMeA 30 unfol. und OMeA Prot. 14 fol. 381v - 385v (1734 Oktober 13, Re­ferat mit Resolution, Nr. 2; Beilagen: präs. 1734 September 4, Lit. B, Bitt­gesuch des Franz Hilverding; Lit. D, Gutachten des Hofmusikdirektors); OMeA Prot. 14 fol. 388v (1734 Oktober 21, Bescheid): Neuerlich Bittgesuch um die Stelle eines Hoftänzers, diesmal unter Berücksichtigung „seiner, Bey Berühmten Meistern in Paris erworbener habilität“109). Der Hofmusikdirektor rät nunmehr nicht nur zur Verleihung des Titels eines Hoftän­zers, sondern auch zur Besoldung mit 360 Gulden im Jahr, „nachdeme 3. Hoff: Tanzere albereits zum dienen ausser Stand verfallen, vnd der Impetrant ein, zu langjährigen guten diensten, umb so mehrer Tauglicher Mensch, alB Er Jung von Jahren, vnd mit al­ler zum Tanzen erforderlicher habilität Begabet ist“. Der Kaiser hatte inzwischen bereits mündlich die Aufnahme des Franz Hilverding zugesichert, weshalb der Obersthofmeister nur mehr um schriftliche Ratifikation der Besoldungsanweisung durch den Kaiser bat. Placet des Kaisers. Mit 21. Oktober 1734 wird Franz Hilverding als kaiserlicher Hoftänzer mit einem jähr­lichen Gehalt von 360 Gulden angestellt. Die Familie Hilverding, deren Metier ursprünglich das Puppenspiel war, kann bereits seit dem 17. Jahrhundert in Wien nachgewiesen wer­den110). Franz Hilverding selbst kam nach seiner tänzerischen Ausbildung in Pa­ris zunächst an das Theater nächst dem Kämtnertor und 1734 an das Hofburgtheater. Er war der erste, der den Titel eines „Hofballettmeisters“ trug und fun­gierte als solcher zunächst im Theater nächst der Burg, dann auch im Theater nächst dem Kärntnertor, dessen Pacht er nach einem Intermez­zo als kaiserlicher Ballettdirektor in Petersburg (1758-63) für kurze Zeit (1766/67) übernahm. Künstlerisch ist Franz Hilverding ein Wegbereiter der tragischen Ballett­pantomime des Gasparo Angiolini und leitet damit über in ein neues Ka­pitel der Wiener Ballettgeschichte, weg vom technisch-virtuosen Ballett zum Handlungsballett, das schließlich von Jean-Georges Noverre zum absoluten Höhepunkt geführt wurde. 109) Er hatte sich beim Ballettmeister der Pariser Oper, Nicolas Blondy (1675-1739) ausbilden lassen. 110) Schon 1672 war Johann Baptist Hilverding mit seinem Puppentheater in Wien aufgetreten. 92 16. £

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