Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Die Tänzer am Wiener Hofe Bittgesuch um die Besoldung des verstorbenen Hoftänzers Carl Philebois89) in der Höhe von 360 Gulden. Der Hofmusikdirektor äußert sich neuerlich sehr negativ über die tänzerischen Fähig­keiten des Franz Tamm. Der Obersthofmeister gibt zu bedenken, daß Tamm schon zweimal - 1727 und 1728 - auf die nächste frei werdende besoldete Hoftänzerstelle vertröstet worden sei, weshalb es sehr hart für ihn wäre, wenn man dieses Versprechen nicht hielte. Die Resolution des Kaisers fehlt. OMeA 27 fol. 284r - 289v + 335r - 338v und OMeA Prot. 13 fol. 89v - 97r (1731 März 26, Referat mit Resolution; Beilagen: 1729 Oktober 24 und 1730 November 24, Bittgesuche des Franz Tamm; 1731 Februar 9, präs. 1731 Februar 10, Num. 6, Gutachten des Hofmusikdirektors); OMeA Prot. 13 fol. 162rv (1731 Mai 4, Bescheid)90): Wiederaufnahme des Referats von 1731, das ohne kaiserliche Resolution blieb. Entgegen seiner damals geäußerten Meinung rät der Hofmusikdirektor diesmal zur Bewilligung des Gesuchs von Franz Tamm, weil er schon vor seiner Aufnahme als un­besoldeter Hoftänzer viele Jahre unentgeltlich auf dem kaiserlichen Theater mitge­tanzt habe, „sonsten aber das ohnglück hätte von sich selbst schlecht Bemittelt zu seyn“. Der Obersthofmeister wiederholt, daß es nur recht und billig sei, wenn man Franz Tamm gegenüber endlich das Versprechen einhielte und ihm eine besoldete Stelle gäbe. Placet des Kaisers. Franz Tamm erhält ab 1. April 1731 die Stelle des verstorbenen Hoftänzers Carl Phile­bois mit dessen Besoldung von 360 Gulden. Das Beispiel von Franz Tamm zeigt wieder deutlich, daß es für die Tän­zer neben dem Hofdienst noch andere Einnahmequellen gegeben hat, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß er jahrelang unbesoldet am kaiserlichen Hoftheater mitwirkte und sogar auf eigene Rechnung zu den Krönungsfeierlichkeiten nach Prag reiste. Wichtig war für ihn vor allem der Titel eines wirklichen Hoftänzers, um leichter Schüler zu finden; die Besoldung folgte erst viele Jahre später. Da er bei seinem Bittgesuch aus dem Jahre 1724 auf die Empfehlung des Grafen Althan verwies, ist anzunehmen, daß er bei diesem in Diensten stand. Immerhin nützte ihm dessen Fürsprache offenbar mehr als seine tänzerischen Fähigkeiten, die vom Hofmusikdirektor sehr kritisch beur­teilt wurden. Franz Anton P h i 1 (1) e b o i s (gestorben am 27. Januar 175391), Sohn des Hoftänzers Alexander Philebois d. Ä.), Hoftänzerscholar (ab 1724) und Hoftänzer (ab 1731) 89) Verstorben am 19. Oktober 1729. 90) Vgl. Walter P i 11 i c h Kunstregesten 488 (Nr. 400 und 402). 91) Gustav G u g i t z Die Totenprotokolle der Stadt Wien 135. 81

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